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  • Warsteiner will sich mit ungewöhnlicher Werbeaktion retten – Bierbranche in der Corona-Krise

Corona trifft Branche schwer: Warsteiner mit ungewöhnlicher Werbeaktion

  • Die Umsätze der Warsteiner-Brauerei sind wegen der Corona-Krise um über 16 Prozent eingebrochen.
  • Das Unternehmen will sich mit einer Werbeaktion retten – die allerdings nicht überall gut ankommt.
  • Auch die restliche deutsche Bierbranche verzeichnet hohe Verluste, ein Ende ist nicht in Sicht.
Alice Mecke
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Hannover. Die Corona-Krise trifft auch die deutsche Bierbranche schwer – also müssen neue Ideen her. Die Privatbrauerei Warsteiner startet im September eine besondere Aktion: Wer an einem Montag oder Dienstag im September zwei Kästen Warsteiner kauft, bekommt den Preis für eine Kiste vom Unternehmen zurückerstattet, exklusive Pfand.

Dazu muss der Kassenbon sowie persönliche Daten auf der ab September freigeschalteten Aktionswebsite hochgeladen werden. Erlaubt ist pro Kunde nur eine Rückerstattung pro Woche. Dabei ist es egal, wo die Kästen gekauft wurden und welchen Preis sie haben. “Mit der Septemberpromotion sorgen wir für Wachstumsimpulse”, heißt es von der Brauerei. Ziel sei es, Aufmerksamkeit zu schaffen und neue Konsumenten anzusprechen. “Damit erweitern wir unsere Käuferreichweite.”

16,2 Prozent Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr

Wachstumsimpulse scheint das Warsteiner Unternehmen dringend nötig zu haben. Nach Angaben der “Welt” ist der Absatz Warsteiners im ersten Halbjahr 2020 um 16,2 Prozent eingebrochen. Das liegt zum einem an wochenlang geschlossenen Restaurants, Bars und Kneipen. Auch die Wiedereröffnung vieler Gastronomien bescherte den Brauereien wegen der Hygieneauflagen nicht das große Umsatzplus.

Auch das Ausbleiben von Festivals, Großkonzerten, Schützenfesten und Fußballspielen vor Publikum sorgt für weiteren Verlust. Warsteiner ist sowohl Bierlieferant für einige Bundesliga-Stadien als auch Partner von Musikevents.

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Warsteiner kommt Marktschätzungen zufolge nur noch auf einen Bierausstoß von rund 950.000 Hektolitern in den ersten sechs Monaten. Damit droht Warsteiner bei der Jahresproduktion erstmals seit 1984 wieder unter die Marke von zwei Millionen Hektolitern zu fallen.

“Verzweifelte Aktion” – Kritik am Angebot

Zurück zur Rabattaktion: Nach der Rückerstattung des Kaufpreises würde die Kiste nur noch gut 5 Euro kosten. Die hauseigenen “Billigbiere” wie Oettinger oder Paderborner sind damit teurer als das “Aushängeschild”, die Preise liegen bei mehr als 7 Euro pro Kiste. Viele andere Biersorten kosten im Handel teilweise das Vierfache – die Rabattaktion wird dementsprechend als Verzweiflungsakt abgetan.

“Diese Aktion ist die letztendliche Entwertung der Marke Warsteiner. Mit Marketing hat das nichts mehr zu tun, das wirkt eher wie eine völlig verzweifelte Aktion, irgendwie die Verkaufsmengen zu steigern”, sagt zum Beispiel Klaus-Dieter Koch, Markenexperte und geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft Brandtrust, gegenüber der “Welt”. Darüberhinaus könnte der neue Tiefpreise die ganze Branche unter Druck setzen.

Schwierigstes Jahr in der Geschichte der Brauwirtschaft

Und noch mehr Druck ist wohl das Letzte, was die Bierbranche braucht. Die Zahlen des Marktes liegen im Minus, sowohl zum Halbjahr als auch im Monat Juli. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, haben die deutschen Brauer zwischen Januar und Juli 51,9 Millionen Hektoliter abgesetzt, das sind 6,2 Prozent weniger als in den ersten sieben Monaten des Vorjahres.

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Der Juli lief zwar etwas besser, doch auch der Sommermonat verzeichnet ein Minus von 4,4 Prozent auf 9,2 Millionen Hektoliter. “Die deutsche Brauwirtschaft befindet sich in einem der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte”, kommentiert Holger Eichele, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) in der “Welt”. Für viele Unternehmen sei diese Lage mittlerweile sogar in höchstem Maße existenzgefährdend.

Für Eichele stehen dauerhafte Strukturveränderungen am Markt an: “Die Welt nach Corona wird eine andere sein. Viele Kneipen, Bars, Clubs und Restaurants werden aufgeben müssen.” Doch nicht nur die Gastronomie, auch in den Bereichen Tourismus, Messen und Events wird es wohl länger zu harten Einschnitten kommen.

Warsteiner gibt sich optimistisch: “Unser Familienunternehmen ist sehr solide aufgestellt, sodass wir diese schwierige Zeit erfolgreich bewältigen können”, versichert Christian Gieselmann, der Sprecher der Geschäftsführung.

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