Walter-Borjans: Gabriel-Wechsel zu VDA wäre Provokation für Teile der SPD

  • Die VDA könnte mit Sigmar Gabriel einen neuen Cheflobbyisten gefunden haben.
  • In der SPD sind einige über diese Personalie entsetzt.
  • Auch ein Kandidat für den Vorsitz der Partei äußert Bedenken, ob er dieser damit einen Gefallen hat.
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Berlin. Der Kandidat für den SPD-Vorsitz, Norbert Walter-Borjans, rechnet im Falle eines Wechsels von Sigmar Gabriel an die Spitze der Auto-Lobby VDA mit viel innerparteilicher Kritik. "Ja, das wird Menschen stören. Da bin ich sicher", sagte Walter-Borjans der "Bild" (Montag). Der mögliche Spitzenposten für den früheren SPD-Parteichef beim Verband der Automobilindustrie werde bei den Sozialdemokraten zu "Konfrontationen" führen.

"Jeder, der einmal eine herausgehobene Funktion hatte, muss auch für die Zeit danach abwägen, inwiefern er der Familie, aus der er stammt, einen Gefallen tut oder nicht", gab Walter-Borjans zu bedenken. Zugleich sagte der frühere Finanzminister Nordrhein-Westfalens: "Ich gönne jedem sein persönliches Glück. Sigmar Gabriel ist eine eigenständige Persönlichkeit. Er macht das jetzt nicht als eine Führungsperson der SPD."

Ex-Ford-Manager kündigte Rückzug zum Jahresende an

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Der frühere Bundeswirtschaftsminister, Parteichef und Vizekanzler Gabriel gilt laut Medienberichten als aussichtsreicher Kandidat für den Posten als Präsident des VDA. Gabriel ist derzeit Abgeordneter des Bundestages für den Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel. Er hatte aber angekündigt, sein Bundestagsmandat zum 1. November abzugeben. Der VDA, einer der mächtigsten Wirtschaftsverbände Deutschlands, soll diese Woche über die Personalie entscheiden, hieß es. Neben Gabriel werde mit der früheren CDU-Politikerin Hildegard Müller gesprochen.

Der Posten des Spitzenlobbyisten der Autoindustrie muss neu besetzt werden, nachdem der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes im September seinen Rückzug zum Jahresende 2019 angekündigt hatte.

Gabriel will Bundestagsmandat zum 1. November abgeben

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Nicht alle in der SPD sehen einen möglichen Wechsel des früheren Chefs der Sozialdemokraten an die VDA-Spitze kritisch. Aus Sicht von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bringt Gabriel alle Voraussetzungen mit, den Wandel der Autobranche voranzubringen. "Er ist jemand, der als Wirtschaftsminister, als Umweltminister profiliert ist in so einem Bereich", sagte Klingbeil mit Blick auf Berichte, denen zufolge Gabriel Favorit für den Chefposten beim Verband der Automobilindustrie VDA ist. "Die Automobilbranche steht vor einem großen Wandel und ich glaube, er wird das ganze energisch vorantreiben." Er kenne aber auch nur die Spekulationen.

dpa/RND