Wallbox: So funktioniert die heimische Ladestation fürs E-Auto

  • Der Bundestag hat Bauherren von Mehrfamilienhäusern verpflichtet, beim Bau von Stellplätzen künftig die Infrastruktur für sogenannte Wallboxen gleich mit zu verlegen. Das soll die E-Mobilität fördern.
  • Aber auch jetzt schon ist die Installation einer Wallbox in der Garage oder im Carport problemlos möglich.
  • Alles zu Kosten, Förderung und technischen Voraussetzungen im Überblick.
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Mit dem Elektroauto wird sich auch das Tankverhalten der Deutschen ändern. Denn geladen wird künftig seltener an der Tankstelle, sondern vor allem zu Hause und am Arbeitsplatz. Derzeit finden hier laut dem Bundesverband eMobilität 80 Prozent der Ladevorgänge statt.

Umso wichtiger ist ein neues Gesetz, das der Bundestag am Donnerstag beschlossen hat. Es trägt den sperrigen Namen Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG). Die Regelung sieht vor, dass bei neuen Wohngebäuden oder größeren Renovierungen von Bestandsgebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen künftig alle Stellplätze mit der Leitungsinfrastruktur für Elektromobilität ausgestattet werden müssen.

Für die Eigentümer oder Mieter von Wohnungen in diesen neuen Mehrfamilienhäusern hat das einen entscheidenden Vorteil: Wenn sie sich ein Plug-in-Hybrid oder Elektroauto anschaffen, ist die Infrastruktur für die nötige Wallbox schon da. Aber auch für alle anderen ist es kein Hexenwerk, sich eine Wallbox in die Garage oder das Carport zu bauen. Man sollte aber ein paar Aspekte beachten. Ein Überblick:

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Was ist eine Wallbox überhaupt?

Eine Wallbox ist sozusagen eine private Ladestation zu Hause. Für Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist der Einbau für E-Auto-Besitzer eine sinnvolle Sache. „Das Auto hat dort genug Zeit, Strom aufzutanken“, sagt er.

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Grundsätzlich ließen sich Elektroautos auch an der normalen Haushaltstreckdose aufladen. Davon raten allerdings Verbraucherschützer und der ADAC ab. „Da der Ladevorgang bis zu 20 Stunden dauert, werden die Steckdosen stark beansprucht, was zu Kurzschlüssen und sogar zu Bränden führen kann, weil sie für solche Anwendungen nicht ausgelegt sind“, so Nakazi.

Eine Wallbox ist die professionelle Lösung. „Das ist eine Schnittstelle zwischen dem normalen Stromnetz und dem Ladekabel des Elektroautos“, erklärt Nakazi. „Statt 2,4 Kilowatt aus der Haushaltssteckdose, bieten diese Ladestationen Leistungen von 3,7 bis zu 22 Kilowatt. Deshalb brauchen Wallboxen auch erheblich weniger Zeit für den Ladevorgang als normale Steckdosen.

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Wieviel Leistung sollte eine Wallbox haben?

Die meisten Wallboxen benötigen einen Starkstromanschluss, sie werden mit Dreiphasenwechselstrom betrieben. Sie haben dann eine Ladeleistung von elf Kilowatt, Luxusmodelle sogar bis zu 22 Kilowatt. Vereinzelt gibt es auch einphasige Wallboxen, diese bringen aber nur wesentlich weniger Leistung – entsprechend länger dauert der Ladevorgang.

Der ADAC hat gegenübergestellt, wie lange das Laden eines leeren 40-kWh-Akkus mit dem jeweiligen Anschluss und der jeweiligen Wallbox dauert. Demnach braucht eine einphasige Wallbox mit 230 Volt, 16 Ampere und 3,7 Kilowatt rund elf Stunden, um die Batterie wieder aufzuladen. Eine dreiphasige Wallbox mit 400 Volt, 3x16 Ampere und 11 Kilowatt braucht rund 3,5 Stunden. Bei der Luxusvariante mit 400 Volt, 3x32 Ampere und 22 Kilowatt wäre der Akku nach nur zwei Stunden aufgeladen.

Was kostet eine Wallbox?

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Laut ADAC reicht die Preisspanne von rund 500 bis rund 2000 Euro zuzüglich Installationskosten. Der Autoclub empfiehlt für Privathäuser die Installation einer 11-Kilowatt-Wallbox mit drei Stromphasen. „Sie kann sowohl einphasig, als auch zwei- und dreiphasig laden und reicht für eine Ladung über Nacht auch bei größeren Batterien in der Regel aus.“

Gibt es eine staatliche Förderung?

Ja, seit Herbst 2020 unterstützt der Bund Mieter, Eigenheimbesitzer und Vermieter finanziell beim Einbau privater Ladestationen. Es gibt pauschal 900 Euro pro Ladepunkt. Allerdings ist die Förderung an Bedingungen geknüpft: So muss die Ladestation fabrikneu sein und über eine Normalladeleistung von 11 kW verfügen, der Strom muss zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen, außerdem muss die Wallbox intelligent und steuerbar sein. So soll eine Überlastung der örtlichen Stromnetze vermieden werden.

Die Vergabe erfolgt nach dem Windhundprinzip: Der Bund hatte für die Förderung zunächst insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das Geld reichte für mehr als 220.000 private Wallboxen. Wegen der hohen Nachfrage wurde die Fördersumme laut dem Fachmagazin Autohaus nun noch mal um 100 Millionen Euro aufgestockt. Den Zuschuss können Bürger bei der staatlichen Förderbank KfW beantragen.

Wer darf eine Wallbox installieren?

Das ist definitiv nichts für Hobbybastler. Eine Wallbox muss immer an einem separat abgesicherten Stromkreis hängen. „Der Stromkreis muss über eine Fehlerstromschutzeinrichtung (FI-Schalter) verfügen und darf nur von einem Elektrohandwerksunternehmen installiert werden, das bei einem Netzbetreiber eingetragen ist“, erklärt Andreas Habermehl vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Wer muss Bescheid wissen?

Der Gesetzgeber verlangt, dass eine Wallbox beim Netzbetreiber angemeldet ist. „Bei Geräten bis zu elf Kilowatt hat er kein Vetorecht, bei höheren Leistungen allerdings schon. Ab zwölf Kilowatt braucht man die Genehmigung des Netzbetreibers“, erklärt Verbraucherschützer sagt Nakazi.

Dagegen braucht man für die Installation einer Wallbox an einem Mehrfamilienhaus nicht mehr die Zustimmung aller Wohnungseigentümer. Eine Änderung im Wohnungseigentumsgesetz (WEG), die im Dezember 2020 in Kraft getreten ist, ermöglicht es einzelnen Eigentümern frei über die Installation einer Wallbox zu entscheiden. Der Anspruch auf diese Baumaß­nahme umfasst laut Gesetze auch die Verlegung notwendiger elektrischer Leitungen im Haus.

Welche Wallbox ist empfehlenswert?

Der ADAC hat 2019 insgesamt 18 frei im Handel erhältliche Heim-Ladestationen getestet. Elf der 18 getesteten Wallboxen wurden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Testsieger wurde die Heidelberg Wallbox Home Eco (Note 1,1). Neben der Leistung unterscheiden sich die Wallboxen zum Beispiel darin, ob sie eine Zugangssicherung besitzen, so dass nur befugte Personen sie benutzen können. Außerdem haben einige Wallboxen alle erforderlichen Schutzeinrichtungen integriert, andere nur einen Teil. Bei manchen muss der Elektriker einen separaten FI-B Gleichstromfehlerschutz einbauen. Das bedeute unter Umständen Zusatzkosten bei der Installation, so der ADAC.

mit dpa

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