Wall Street mit den größten Kursverlusten seit 1987

  • An der New Yorker Börsen erlebten Anleger am Donnerstag einen der schwärzesten Tage in der US-Börsengeschichte.
  • Angesichts verbreiteter Angst vor den Folgen der Coronavirus-Pandemie stürzte der Dow Jones um zehn Prozent ab.
  • Damit ist der sogenannte Bullenmarkt der vergangenen Jahre beendet.
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New York. Die Aktienkurse an der Wall Street haben am Donnerstag den freien Fall nochmals beschleunigt. Das wegen des Coronavirus von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Europäer verschärfte die Talfahrt vom Vortag. Der Dow Jones Industrial büßte zehn Prozent auf 21.200,62 Zähler ein. Damit geht der Donnerstag als einer der schwärzesten Tage in die US-Börsengeschichte ein.

Schon nach der Startglocke war der Verkaufsdruck so hoch, dass der Handel wie schon zu Wochenbeginn vorübergehend unterbrochen werden musste. Der Dow fiel am Donnerstag auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2017.

Damit ist der sogenannte Bullenmarkt der vergangenen Jahre beendet. In den zurückliegenden drei Wochen hat das Börsenbarometer gut 8000 Punkte oder mehr als ein Viertel verloren. Auch die Ankündigung stützender Maßnahmen gegen die Coronavirus-Krise durch die Europäische Zentralbank konnte den fortgesetzten Crash an den weltweiten Aktienmärkten nicht bremsen. Nach der Schlussglocke erklärte der New Yorker Bürger Bill de Blasio den Ausnahmezustand in seiner Stadt.

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Der marktbreite S&P 500 verlor am Donnerstag 9,5 Prozent auf 2480,64 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 9,3 Prozent auf 7263,65 Zähler ebenfalls steil abwärts.

USA macht die Grenzen dicht

US-Präsident Donald Trump hatte am Vorabend angekündigt, die Grenzen für Reisende aus Europa für 30 Tage zu schließen. Gleichzeitig warf er der EU vor, nicht genug gegen die Coronavirus-Krise getan zu haben. Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank nannte die Aussagen Trumps "verwirrend".

An den Märkten habe man auf die Ankündigung stimulierender Impulse für die US-Wirtschaft gesetzt - vergeblich. Analyst Edward Moya vom Broker Oanda sprach von “großer Frustration darüber, dass die Regierung keinen Plan zur Bekämpfung des Virus zu haben scheint”. Die Wirtschaft des Landes steuere deshalb nun auf eine Rezession zu.

Im Dow mussten Aktien von IBM, American Express, Walt Disney und Goldman Sachs Verluste von jeweils mehr als zehn Prozent hinnehmen. Die Kurse fielen auf Tiefstände seit mehreren Jahren.

Boeing-Aktie im freien Fall

Die US-Einreiseverbote der US-Regierung treffen die ohnehin schon schwer kriselnde Reise- und Freizeitbranche noch härter. Aktien aus dem US-Luftfahrtsektor gerieten erneut in den Abwärtstaumel. American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines verloren zwischen 17,7 und fast 25 Prozent. Aktien des Kreuzfahrtanbieters Carnival sackten um mehr als 30 Prozent ab. Carnival stellte den Betrieb der Marke Princess Cruises wegen des Coronavirus für 60 Tage ein.

Nach ihrem Vortagesrutsch von 18 Prozent setzten auch Boeing den freien Fall fort mit einem Minus von weiteren 18 Prozent. Analyst Seth Seifman von JPMorgan glaubt, dass die Coronavirus-Krise zu Auftragsverschiebungen und Stornierungen seitens der Fluggesellschaften führen werde. Zudem könnte der Flugzeugbauer die Dividende kürzen, schrieb er und strich die Kaufempfehlung für die Papiere.

Ölpreis rauscht weiter in den Keller

An den Rohstoffmärkten brach der Ölpreis erneut um sechs Prozent ein. Das Coronavirus dürfte die globale Energienachfrage stark drosseln. Die Papiere von US-Branchengrößen wie ConocoPhillips, Halliburton und Schlumberger weiteten die Verluste der vergangenen Tage um 13,4 bis 18 Prozent aus. Experten zufolge drohen Unternehmen vor allem im Geschäft mit der Förderung von Schieferöl und -gas in den USA finanzielle Schieflagen wegen des niedrigen Ölpreises.

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Am US-Rentenmarkt büßten richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen anfängliche deutliche Gewinne komplett wieder ein. Sie stagnierten bei 105 31/32 Punkte und rentierten unverändert mit 0.87 Prozent.

Der Euro neigte zum Börsenschluss an der Wall Street weiter zur Schwäche und notierte zuletzt auf 1,1216 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1240 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8897 Euro gekostet.

dpa

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