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Hohe Energiekosten

Wärme sparen am Arbeitsplatz: Schnelle Hilfe durch künstliche Intelligenz

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz können Unternehmen die Energiekosten für Büroräume deutlich reduzieren.

Frankfurt. Die sogenannte Wärmewende war bislang ein Flop. Die Quote für die sogenannte energetische Sanierung liegt hierzulande bei nur gut einem Prozent. Experten sind sich einig, dass das viel zu wenig ist. Und in Anbetracht des Krieges gegen die Ukraine und der Energiekrise in Europa sind nun schnelle Lösungen gefragt. Digitalisierung kann helfen.

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Die Bonner Green-Tech-Firma Recogizer setzt auf künstliche Intelligenz – mit Erfolg. Es ist ihr gelungen, dass die Düsseldorfer Deutschlandzentrale von Vodafone für Raumklima jetzt 23 Prozent weniger Energie braucht.

Das IT-Unternehmen hat sich auf gewerbliche Gebäude spezialisiert und arbeitet nicht mit dem, was normalerweise für die Wärmewende ins Spiel gebracht wird: Dämmung von Dächern und Wänden, hochisolierenden Türen und Fenster oder dem Eliminieren von Wärmebrücken. Die Bonner setzen selbstlernende Algorithmen ein.

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„Eine Revolution für die Dekarbonisierung“

Recogizer-Chef Carsten Kreutze gibt sich selbstbewusst: „Der Einsatz von künstlicher Intelligenz senkt den CO₂-Ausstoß von Gebäuden vollautomatisch – eine Revolution für die Dekarbonisierung“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Charme von Kreutzes Lösung ist, dass baulich an den Gebäuden nichts verändert werden muss.

Stattdessen wurden diverse Stromzähler vernetzt und ein Computersystem installiert. Zuerst werden Daten gesammelt – über die Belegung von Büros, über deren Temperierung oder über den Sauerstoffgehalt in der Raumluft. Hinzu kommen Wetterdaten. Die KI verknüpft all die Informationen und „erlernt das Verhalten von Gebäuden und technischen Anlagen“, heißt es auf der Website von Recogizer. Zwecks vorausschauender Steuerung wird die Klimatechnik alle 15 Minuten mit Updates versorgt.

Das hat eine Energieeinsparung für Raumklima von 29 Prozent bei einer Filiale der Modekette Breuninger bewirkt, 30 Prozent sind‘s für ein Hotel in Bonn und sogar 36 Prozent bei einem Bürogebäude in der Nähe von Frankfurt. Raumklima ist in Gewerbeimmobilien immerhin für bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich.

Den Jahresverbrauch von rund 300 Haushalten eingespart

Eines der bislang größten Projekte: Der Düsseldorfer Vodafone Campus (etwa 86.000 Quadratmeter). Im Jahr 2020 übernahm die selbstlernende Software die Kontrolle über Heizung, Lüftung und Klimaanlagen. Laut Vodafone hat Recogizer bislang für eine Einsparung von 5,5 Gigawattstunden gesorgt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 300 Haushalten.

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Gleichzeitig sorgt der Algorithmus dafür, dass in den Büros eine angenehme Raumtemperatur von 23 Grad herrscht. Das Projekt ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des Kommunikationskonzerns. „Gerade Gebäudemanagement bietet enormes grünes Potenzial für smarte Technologien“, sagte Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter dem RND.

Firmen haben häufig andere Prioritäten

Kreutze und seine Leute setzen mit ihrem Konzept darauf, dass mit der IT-Lösung die Hemmschwelle für Unternehmen gesenkt wird. Die zahlreichen Studien zur Wärmewende haben immer wieder gezeigt, dass bei Unternehmen aller Art gigantische Energiesparpotenziale liegen.

Doch die Manager haben die Finger weitgehend davongelassen. Weil auf der Prioritätenliste der Firmen anderes stand: Bevor der mittelständische Maschinenbauer seine Heizung auf Vordermann brachte, hat er lieber alles Mögliche getan, um sich mit modernen CNC-Werkzeugmaschinen und anderer Produktionstechnik auszustatten. Auch weil dies für Umsatz und Gewinn wichtiger war als die Heizkosten. Zumal Bauarbeiten an Wänden, Decken und Fenstern die Fertigung häufig stören.

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Aktuelle Energiekosten könnten zum Umdenken führen

Gut möglich aber, dass sich dies nun durch die massiv gestiegenen Energiekosten verändert. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge fürchten viele Firmen aus energieintensiven Branchen wie der Metallverarbeitung, der Glasproduktion oder der Textilbranche angesichts der Energiepreise inzwischen um ihr Geschäftsmodell – und rufen bei der Politik nach finanzieller Unterstützung. Kreutze indes verspricht, dass sich Investitionen in sein KI-System in zwölf bis 18 Monaten bezahlt gemacht haben sollen.

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Auch Vodafone unterstützt Unternehmen dabei, ihre Energieeffizienz durch den Einsatz digitaler Technologien zu steigern. Ein Energie-Management-System, das Vodafone selbst entwickelt hat und das Verbrauchsdaten in Echtzeit auswertet, hat dazu geführt, dass der große österreichische Autozulieferer Magna den Stromverbrauch von 15 Werken um 10 Prozent jährlich gesenkt hat.

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