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  • VW: Beim internen Streit zwischen Diess und dem Betriebsrat wird zu hoch gepokert

Bei VW wird zu hoch gepokert

  • Europas größter Autobauer kommt nicht zur Ruhe.
  • Doch der interne Zwist ist Energieverschwendung.
  • Vor allem Konzernchef Herbert Diess gefährdet den eigenen Erfolg, meint Stefan Winter.
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Wolfsburg. Beim Poker gibt es kein Remis. Das ist der Reiz des Spiels, macht die Sache aber schwierig, wenn es um mehr als ein Spiel geht. Bei VW wird inzwischen so hoch gepokert, dass man sich fragen muss, ob am Ende beide Seiten noch unversehrt vom Tisch aufstehen können.

Alle sehen den Veränderungsbedarf

Die Gemengelage ist immer die gleiche: Vorstandschef Herbert Diess fordert schnellere Veränderung und glaubt sie am ehesten mit permanenter Unruhe erreichen zu können. Der Betriebsrat bestreitet nicht den Bedarf für Wandel, möchte ihn aber so geregelt organisieren, dass es mit dem Tempo schwierig wird. Manche klammern sich an uralte Wolfsburger Wurzeln. Dafür reißt Diess Bäume aus, nur um zu sehen, ob da Wurzeln sind.

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Beide Seiten werden für den Erfolg gebraucht

Leider braucht es beide Mentalitäten, um dieses Riesenunternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Der schnelle Umbau ist nötig, aber mehr als eine halbe Million Mitarbeiter müssen für ihn gewonnen werden. Eigentlich ist es gerade leichter geworden: Diess hat seine Vertragsverlängerung bekommen und an der Betriebsratsspitze steht mit Daniela Cavallo statt Bernd Osterloh eine pragmatische und uneitle Vorsitzende. Doch Diess muss sich als Transformator profilieren und Cavallo im nächsten Frühjahr eine Betriebsratswahl gewinnen. So treiben beide Seiten ihre Spielchen und verschwenden wertvolle Energie.

Diess und der Spaß an der Unruhe

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Vor allem Diess hat weiter Spaß an der Unruhe, die er für kreativ hält. Der Knatsch um seine Teilnahme an der Betriebsversammlung wäre leicht vermeidbar gewesen – er hat ihn genau so gewollt. Die Zahl von 30.000 bedrohten Arbeitsplätzen setzte er zum gleichen Zweck in die Welt. Auch, dass Gerüchte über seinen Abschied gestreut werden, um aller Welt die verschreckte Börsenreaktion zu demonstrieren, ist zu einem ziemlich billigen Kalkül geworden.

Diess könnte als einer der ganz Großen in die VW-Geschichte eingehen, wenn er die Transformation des Unternehmens zum Erfolg führt. Dafür müsste er aber merken, wann er sich selbst im Weg steht.

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