Von wegen Umweltschutz: Deutsche kaufen immer mehr abgepacktes Obst

  • Allen Umweltschutz-Bemühungen zum Trotz verzeichnet der Handel mehr Nachfrage nach abgepacktem Obst.
  • Denn die Zahl der Single-Haushalte steigt - und damit auch die Nachfrage nach kleinen Mengen.
  • Für die Händler ist das keine schlechte Nachricht, weil sie am abgepackten Obst gut verdienen.
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Köln. Das Kaufverhalten der Deutschen ändert sich - und für die Umwelt ist das keine gute Nachricht: Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Lebensmittelhändler (BVLH) wollen immer mehr Käufer beispielsweise abgepacktes Obst und Gemüse. Sie griffen beispielsweise öfter zu verpackten Melonenstücken statt zu ganzen Melonen, so der Verband.

Ein Grund für diese Entwicklung: "Wir sehen seit vielen Jahren einen Anstieg der Single-Haushalte", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Lebensmittelhändler (BVLH), Franz-Martin Rausch. Deshalb würden Käufer öfter verzehrfertige Produkte kaufen und dafür weniger Grundnahrungsmittel, sagte er am Dienstag vor der im Oktober startenden Lebensmittel-Messe Anuga in Köln. Hinzu komme, dass sich immer mehr Kunden für eine Mahlzeit im Restaurant entscheiden, so der BVLH.

Weniger Absatz, mehr Geld

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Die Folge: Es wird insgesamt weniger Obst verkauft. Der Absatz sinke seit Jahren um 1 bis 1,5 Prozent, schildert der BLVH. Weil die verzehrfertigen Produkte aber teurer seien, verdienten Händler damit mehr Geld. So sei der Umsatzanstieg zu erklären. Erst im Mai hatte die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert, dass abgepacktes Obst und Gemüse oft teurer als unverpacktes sei.

Aus Umweltschutzgründen mahnte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) damals ausserdem an, dass es nicht reiche, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden. "Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern. Einige Läden zeigen bereits, dass das geht. Vor allem Discounter müssen ihre Hausaufgaben noch machen“, sagte damals vzbv-Vorstand Klaus Müller.

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Von Januar bis Juni dieses Jahres erzielte der Lebensmittelhandel nach Angaben des BVLH ein Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 108,2 Milliarden Euro. Den Gesamterlös für 2019 schätzt der Verband auf gut 221 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 2,2 Prozent entspräche.

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Angst vor dem Brexit

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich in der Ernährungsindustrie: Im ersten Halbjahr 2019 hätten die Hersteller von Lebensmitteln den Absatz ihrer Produkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht steigern können, sagte er Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff. Weil aber zeitgleich die Verkaufspreise um 1,4 Prozent gestiegen waren, legte der Umsatz um 1,5 Prozent auf 89,5 Milliarden Euro zu.

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Nach Angaben der BVE belastet auch der drohende Brexit die Branche. Für die Hersteller sei es deshalb fraglich, ob sich das Wachstum aus dem ersten Halbjahr fortsetze.

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Mit dpa