Von Sparer bis Kreditnehmer: Das bedeutet die EZB-Entscheidung für Sie

  • Die EZB bleibt bei ihrer lockeren Geldpoltik und hat auch den umstrittenen Strafzins weiter erhöht.
  • Hintergrund ist die schwache Konjunktur in der Euro-Zone und weltweit.
  • Wir erklären, wer davon profitiert – und wer draufzahlt.
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Die Zinsen in Europa sind niedrig. Und sie bleiben es wohl auf Jahre hinaus. Um die Konjunktur im Euro-Raum zu stützten, hat die Europäische Zentralbank am Donnerstag ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.

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Gleichzeitig senkten die Währungshüter den Einlagenzinssatz von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent. Diesen Satz müssen Finanzinstitute zahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld parken. Mit dem Strafzins will die Notenbank erreichen, dass Banken das viele billige Geld, das die EZB ihnen zur Verfügung stellt, an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen, damit es in Investitionen und Konsum fließt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur EZB-Entscheidung aus Verbrauchersicht:

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Was bedeutet der Kurs der Notenbank für Bankkunden?

Dass die EZB nicht nur die erste Zinserhöhung weiter in die Zukunft geschoben hat, sondern auch den Strafzins verschärft, belastet Banken doppelt. Schon jetzt müssen Geldhäuser im Euroraum nach Berechnungen des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) im Jahr rund 7,5 Milliarden Euro an Negativzinsen an die EZB zahlen. Einzelne Institute in Deutschland geben die Strafzinsen seit einiger Zeit an Unternehmen oder große Investoren wie Fonds weiter. Und auch reiche Privatkunden werden in manchem Haus zur Kasse gebeten. Das Gros der Privatkunden blieb bisher von Strafzinsen verschont. Das könnte sich nun ändern. „Wenn es langfristig Geld kostet, Einlagen anzunehmen, und wenn man gleichzeitig Kreditnehmern Zinsen mitgeben muss, wird das irgendjemand bezahlen müssen“, sagte jüngst der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis.

Und wie trifft das die private Altersvorsorge?

Die Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen sinkt seit geraumer Zeit. Den Versicherungsgesellschaften fällt es wegen der Zinsflaute immer schwerer, die hohen Versprechen von einst an den Kapitalmärkten zu erwirtschaften. Die Folge: Die Überschussbeteiligung, über deren Höhe die Versicherer jedes Jahr je nach Wirtschaftslage und Erfolg der Anlagestrategie neu entscheiden, sinkt im Schnitt. Eine Pause bei der Talfahrt 2019 dürfte Experten zufolge nicht von Dauer sein.

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Videografik: So arbeitet die EZB
1:26 min
Wie funktioniert die Europäische Zentralbank, der Verteiler des Geldes innerhalb der EU, eigentlich genau? Das erklärt diese Videografik.  © AFP

Kann die Politik Kleinsparer vor Negativzinsen schützen?

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CSU-Chef Markus Söder hatte ein Verbot gefordert, um Beträge bis 100.000 Euro grundsätzlich von Strafzinsen auszunehmen. Juristen halten es grundsätzlich für möglich, ähnlich wie bei der Mietpreisbremse auch im Fall von Negativzinsen die Vertragsfreiheit einzuschränken. Derzeit ist eine gesetzliche Regelung aber eher unwahrscheinlich. Banken hätten ohnehin „bei den heutigen Vertragsstrukturen kaum Möglichkeiten, solche Negativzinsen für viele ihrer Kunden überhaupt zu verlangen“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Anfang September. Banken können die Kosten für die EZB-Strafzinsen zudem aber an anderer Stelle wieder hereinholen: über steigende Gebühren für Konto, Karte und Co.

Haben Verbraucher auch irgendetwas von den niedrigen Zinsen?

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann weist – bei allem Verständnis für die Sorgen der Sparer – immer wieder auf diese Seite der Geldpolitik hin: „Niemand ist ja nur Sparer, sondern auch noch Arbeitnehmer, Kreditnehmer oder Steuerzahler“, sagte Weidmann kürzlich im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung beispielsweise profitiert von einem hohen Beschäftigungsstand mit spürbaren Lohnerhöhungen. Hier schlagen sich Niedrigzinsen positiv nieder.“

Auch Baugeld ist historisch günstig

Generell profitieren Schuldner von der Niedrigzinspolitik. Immobilienfinanzierungen etwa sind seit geraumer Zeit relativ günstig. Viele Bankkunden nutzen das und sichern sich niedrige Hypothekenzinsen für Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren. Beobachter gehen davon aus, dass es bald gar Immobilienkredite mit negativer Verzinsung geben könnte. Heißt: Wer sich zum Beispiel 100.000 Euro von der Bank leiht, muss vielleicht nur 95.000 Euro zurückzahlen.

Wie können Verbraucher ihr Geld jetzt am sinnvollsten anlegen?

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Sparen bringt nichts. Wer Geld anlegen will, muss vor allem auf Aktien setzen, beziehungsweise auf Produkte der Banken, die mit den Dividendentiteln verknüpft sind. Dies birgt aber höhere Risiken als konservative Sparpläne.

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RND/dpa/fh