Diess bleibt VW‑Chef bis zur Rente

  • Der Volks­wagen-Aufsichts­rat hat den Vertrag von VW‑Chef Herbert Diess vorzeitig verlängert.
  • Bis 2025 soll der 62‑Jährige an der Spitze des Unternehmens bleiben.
  • In der kommenden Woche soll die neue Konzern­strategie vorgestellt werden.
|
Anzeige
Anzeige

Wolfsburg. Im dritten Anlauf ist es Herbert Diess gelungen: Der Aufsichts­rat hat den Vertrag des VW‑Chefs vorzeitig verlängert. Im vergangenen Jahr hatte Diess das nach Angaben aus Konzern­kreisen zweimal vergeblich gefordert. Nun soll er bis Oktober 2025 an der Spitze bleiben. Dann wird er 67 Jahre und wohl mit Abstand der älteste Mitarbeiter seines Unternehmens zumindest in Deutschland sein: Aktuell legt VW den 57‑Jährigen die Alters­teilzeit ans Herz.

Wachstum durch Mobilitäts­dienste

Zuvor hatte der Aufsichts­rat die neue Konzern­strategie 2030 beraten, die in der nächsten Woche öffentlich vorgestellt werden soll. Nachdem Diess den Konzern auf Elektro­mobilität ausgerichtet hat, soll nun der nächste Schritt folgen: Es wird um den Ausbau der Software­kompetenz, das autonome Fahren und neue Mobilitäts­dienste gehen. „Der Aufsichts­rat sieht auch in den kommenden Jahren unter der Leitung von Dr. Diess beste Voraus­setzungen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung des gesamten Unternehmens“, sagte Aufsichtsrats­chef Hans Dieter Pötsch.

Anzeige

Wenn die Kunden nicht mehr nur für die Autos, sondern auch für viele Dienst­leistungen drum­herum zahlen, werde das „voraus­sichtlich zu einer Verdopplung des Auto­motive Marktes in den nächsten 10 Jahren führen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Das VW‑Rezept dürften auch hier standardisierte Technik­plattformen für alle Konzern­marken sein. Außerdem soll die Weiter­bildung der Belegschaft mit dem Programm People and Transformation intensiviert werden. Der Betriebs­rat und die Mitbestimmung im Konzern seien dabei „ein klarer Vorteil“, erklärte der Aufsichts­rat.

Anzeige
Die Vorsitzende des VW-Betriebsrats, Daniela Cavallo. © Quelle: Swen Pförtner/dpa

Die Arbeitnehmer­seite hat sich feste Zusagen etwa für einen Modernisierungs­fonds, ein neues Entwicklungs­zentrum in Wolfsburg und Produkte zur Auslastung der Werke gesichert, bevor Diess die Zustimmung zur Strategie und seinem neuen Vertrag bekam. Damit setzt sich unter der neuen Betriebsrats­vorsitzenden Daniela Cavallo das Zweck­bündnis mit Diess fort, das schon ihr mittler­weile ins Management gewechselter Vorgänger Bernd Osterloh pflegte.

Anzeige

Dazu gehörten auch diverse heftige Konflikte zwischen Diess und Osterloh. Aber auch im Management rumorte es oft, seit der frühere BMW-Manager 2015 nach Wolfsburg kam und 2018 an die Konzern­spitze rückte. Er reiße mehr Bau­stellen auf, als er bearbeiten könne und wolle, heißt es oft. Außerdem gilt Diess als impulsiv und menschlich bisweilen schwierig. „Es hat ihn noch niemand ausgleichend erlebt“, sagte einmal ein VW‑Manager. „Ich bin angetreten, etwas zu verändern“, sagte Diess selbst. Und ein anderer Top­manager stellte fest: „Der geht gern an die Grenze – und auch darüber hinaus.“

Macht­probe im vergangenen Jahr

Ende vergangenen Jahres zum Beispiel. Nach massiven Anlauf­schwierigkeiten mit dem neuen Golf und dem elektrischen ID.3 wackelte der Stuhl des Chefs, und Diess stellte laut vernehmlich die Vertrauens­frage: Sein Vertrag, immerhin noch bis April 2023 gültig, müsse vorzeitig verlängert werden. Er brauche Rück­halt für den radikalen Umbau. Den bekam er – aber keinen neuen Vertrag. „Seine reale Chance ist genau null Prozent“, hatte es schon vor der entscheidenden Sitzung geheißen. „Der meint, der Laden gehöre ihm.“

Er gehört vor allem den Familien Porsche und Piëch. Zu ihnen soll Diess kein sonderlich enges Verhältnis haben, aber er ist ihr Garant für den Wandel des Konzerns. Außer vielleicht Ferdinand Piëch in den Neunziger­jahren hat kein VW‑Chef das Unternehmen so radikal umgebaut wie Diess in seinen gerade erst drei Jahren an der Spitze. Er will aus dem Auto­bauer einen Technologie­konzern machen, orientiert sich an Silicon-Valley-Größen wie Elon Musk und Jeff Bezos und will nach deren Vorbild auch den Aktien­kurs hoch­treiben.

Mehr Gewinn als vor der Krise

Anzeige

Gerade ist ihm das wieder gelungen. Auch mit der Halbjahres­bilanz befasste sich der Aufsichts­rat, und eine Zahl wurde vorab veröffentlicht: Der operative Konzern­gewinn habe im ersten Halbjahr bei rund 11 Milliarden Euro gelegen. Das ist nicht nur ein Sprung gegenüber rund 800 Millionen Euro Verlust im pandemie­belasteten ersten Halbjahr 2020. Es ist auch mehr als vor der Krise. Die Zahl und die Botschaft, dass sich das Geschäft „stark erholt“ habe, ließen den Kurs der VW‑Aktie um fast 6 Prozent steigen. Da war die Verlängerung für Diess noch gar nicht bekannt.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen