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Vodafone-Chef fordert gemeinsames Handeln mit Politik für schnelleres Internet

  • Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter fordert eine konzertierte Aktion zum Ausbau von schnellen Internetanschlüssen.
  • Unternehmen und Politik sollten sich auf ein Modell einigen, das dann konsequent durchgezogen werden soll.
  • Im RND-Interview erklärt Ametsreiter, wie Vodafone jetzt im großen Stil superschnelle Gigabitinternetzugänge anbieten will.
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Vodafone macht Tempo. Im Interview in der noblen Wiesbadener Staatskanzlei erläutert Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter, wie er auch in ländlichen Regionen den Verbrauchern superschnelles Internet anbieten will. Zusammen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat er bereits seine Ausbaupläne für das hessische Kabelnetz vorgestellt. Ametsreiters wichtigste Forderung für flächendeckende Gigabitangebote: eine konzertierte Aktion der Politik gemeinsam mit der Telekommunikationsbranche.

Herr Ametsreiter, Vodafone will jetzt im großen Stil superschnelle Gigabit-Internetzugänge über das TV-Kabel anbieten. Welche Investitionen waren dafür nötig?

Das war schon ein dreistelliger Millionenbetrag. Aber neben dem Geld war das vor allem viel harte Arbeit. Wir haben Netztechnik und Software umgestellt, Frequenzen für TV-Kanäle umgelegt und vom analogen aufs digitale Fernsehen umgeschaltet. Daneben haben wir die Zahl der Verteilstationen erhöht und Glasfaser näher zum Kunden gebracht. Die Nutzer haben davon wenig gemerkt. Sie müssen jetzt nur ihren Router austauschen, wenn sie einen Gigabitanschluss bestellen.

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Aber die Kabelnetze liegen doch größtenteils in großen Städten. Wo aber ist Ihr Beitrag, um das Problem mit dem schnellen Internet auf dem Land zu lösen?

Richtig ist, die Kabelnetze wurden einst da gebaut, wo größere Menschenansammlungen waren. Ein namhafter Teil der Kabelnetze liegt aber auch auf dem Land – in Hessen ist es beispielsweise etwa ein Drittel. Wir machen derzeit drei Dinge: Wir veredeln unser bestehendes Kabelnetz, machen es schneller und besser. In den ehemaligen Kabel-Deutschland-Regionen im Norden und Osten der Republik sowie in Bayern haben wir bereits 11,5 Millionen Haushalte mit Gigabit über das TV-Kabel erschlossen. In Hessen, Baden-Württemberg und NRW, wo die von uns übernommene Unitymedia aktiv war, holen wir das jetzt nach. Allein am Montag steigern wir bei über fünf Millionen Kabelhaushalten das Tempo der Anschlüsse auf ein Gigabit, wir erreichen insgesamt 17 Millionen Haushalte. Damit haben wir jetzt ein Gigabitnetz für Deutschland gebaut.

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Überall, wo TV-Kabel liegen, soll es Gigabit geben?

Genau. Hinzu kommt der zweite Schritt. Wir bauen das Kabelnetz aus. Das geschieht in konzentrischen Kreisen um die Städte herum – in der Regel in Neubaugebieten. Dafür müssen Leitungen im Boden verbuddelt werden. Und drittens: Wir verlegen Glasfasernetze, die völlig unabhängig von den Kabelnetzen sind. Da wird komplett neu gebaut. Und dafür brauchen wir die Zustimmungen und die Kooperation mit Gemeinden und Landesregierungen. Auch in einer Gemeinde, die sehr abgelegen sein kann, realisieren wir im Rahmen von Ausbauprojekten Anschlüsse, wenn’s passt und sich 30 bis 40 Prozent der Haushalte entschließen mitzumachen. Wir betreiben da kein Rosinenpicken.

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Nach vier, fünf Jahren haben sich dann die Kosten amortisiert und Vodafone verdient Geld?

Es dauert schon ein wenig länger. Aber wir achten darauf, dass das Geld, das wir verbuddeln, nicht verloren geht und die Geschäftsentwicklung eine gute wird. Netzausbau muss auch für uns wirtschaftlich darstellbar sein.

Aber brauchen wir überhaupt Gigabit? Wird nicht übertrieben hektisch ausgebaut? Es gibt Zahlen, wonach bundesweit die Anschlussrate bei diesen superschnellen Gigabitanschlüssen sinkt.

Bei uns ist das nicht der Fall. Im Gegenteil. Kunden buchen mehr Gigabit als jemals zuvor: Mehr als 50 Prozent der Neukunden wählen Anschlüsse mit 400 Megabit pro Sekunde und mehr; wo Gigabit verfügbar ist, wählt jeder Dritte das Gigabit. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit mit einem besonders günstigen Tarif bleiben auch 50 bis 70 Prozent dabei.

Es gibt aber auch Kritik, dass die Genehmigungsverfahren zum Ausbau der Festnetze sehr lange dauern. Wäre es nicht einfacher, Gutscheine an Haushalte auf dem Land zu verteilen? Pro Haushalt bis zu 1000 Euro. Das wird immer wieder in der Branche gefordert, weil schnell Nachfrage erzeugt wird.

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Das ist eine Frage der Umsetzung. Generell diskutieren wir derzeit über zu viele verschiedene Fördermodelle, das schafft letztlich Verunsicherung. Unternehmen und Politik sollten sich auf ein Modell einigen, das dann konsequent durchgezogen wird. Für zwei Drittel aller Haushalte ist die Gigabitversorgung ohnehin gesichert. Wir werden bis Ende 2022 rund 25 Millionen Kabelhaushalte mit Gigabit versorgen.

Was wird aus dem Mobilfunk, der auch Gigabit ermöglichen soll? Sie mussten im vorigen Jahr viel Geld für neue Funkfrequenzen zahlen.

Man hätte mit dem Erlös der Auktion vom vorigen Jahr – insgesamt 6,6 Milliarden Euro – etwa 60.000 Mobilfunkstationen bauen können. Damit hätte man jede Lücke in den Mobilfunknetzen endgültig schließen können. Ein Land wie Deutschland, dem es wirtschaftlich so gut geht, hätte diese Einnahmen gleich wieder komplett in eine Mobilfunkförderung stecken können. Aber man hat sich anders entschieden.

Also beim nächsten Mal die Funkfrequenzen kostenlos verteilen? Aber dann mit hohen Strafen bei einem zu langsamen Ausbau der Netze?

Das wäre zumindest eine Möglichkeit, damit nicht wieder Geld aus dem Markt fließt. Bei 5G mussten wir die Frequenzen teuer bezahlen, und es drohen Bußgelder, wenn wir die Auflagen zum Ausbau nicht erfüllen. Hinzu kommt der Kampf mit der Bürokratie. Wir haben allein bei uns rund 500 Stationen, die wir nicht bauen oder ans Netz nehmen können, weil es bei den Genehmigungen hakt. Das passt nicht zusammen. Wir brauchen jetzt einen Pakt, mit dem Mobilfunkbranche und Staat sich darauf einigen, wohin der Weg führen soll – mit der Festlegung von präzisen Zielen in puncto Leistungsfähigkeit des Mobilfunknetzes. Zumal sich Deutschland bei 5G bewusst geschwächt hat.

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Wieso?

Ein Teil der Funkfrequenzen wurde für große Unternehmen reserviert. Dieses Spektrum steht nun nicht mehr für das öffentlich zugängliche Netz zur Verfügung. Jetzt muss man sehen, ob die Unternehmen ihr Spektrum überhaupt nutzen.

Und wenn nicht? Was wäre dann Ihre Forderung? Eine neue Auktion?

Wichtig wäre, dass es dann wieder fürs gesamte Land verfügbar wird. Denn damit schöpfen wir die Chancen und Möglichkeiten von 5G noch besser aus. Die neue Mobilfunkgeneration wird neue Geschäftsmodelle und Anwendungsszenarien entstehen lassen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Dazu gehören auch neue Geschäftsmodelle für Mobilfunknetzbetreiber – Campusnetze für Unternehmen sind eines davon.

Was bringt überhaupt ein Gigabitanschluss? Streaming von Netflix ist auch mit 50 Megabit möglich.

Gigabit ist der neue Goldstandard. Die Entwicklung zeigt, dass es immer einen Hunger nach mehr Bandbreite gab. Dadurch haben sich neue Technologien und Services entwickelt. Wir werden in Zukunft mehr Bandbreite für Virtual Reality und für Augmented Reality brauchen und auch für das 8K-Fernsehen. Auch für die aufkommende Telemedizin werden schnelle, stabile Verbindungen benötigt. Dazu kommt die zunehmende Vernetzung der Gegenstände in Haushalten.

Wie wird dies alles auf das Preisniveau durchschlagen?

Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass die Preise gleich geblieben sind, aber die Bandbreiten kontinuierlich erhöht wurden. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Aber es wird viele neue Dienstleistungen aufgrund der größeren Leistungsfähigkeit geben, und dafür werden die Kunden zahlen – wir erleben ja gerade, wie der Streamingmarkt für Filme und Serien geradezu explodiert.

Versteht sich Vodafone überhaupt noch als Mobilfunkunternehmen?

Wir verdienen mittlerweile mit Festnetz und TV mehr Geld als mit dem Mobilfunk. Wir sehen ein rasantes Wachstum beim Kabel und bei Gigabit. Daneben wird das Internet der Dinge wachsen – also Maschinen und Geräte, die miteinander kommunizieren. Wir wollen in Deutschland der Digitalisierungskonzern werden.

Im Gleichschritt mit der Deutschen Telekom? Es gibt in der Branche immer wieder Befürchtungen, dass die beiden Riesen sich den Markt aufteilen und sich in einem Duopol gegenseitig nicht wehtun.

Also das, was wir mit Gigabit und Kabel machen, löst bestimmt keine Begeisterung in Bonn aus. Einen stärkeren Wettbewerb hat es hier nie gegeben, sei es bei der Geschwindigkeit oder auch beim Preis. Daneben gibt es noch Telefónica als sehr starkes Unternehmen, und 1&1 kommt auch noch dazu. Die Wettbewerbsintensität bleibt hoch – das ist pure Marktwirtschaft. Und das ist gut so.

RND

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