Conti-Tochter Vitesco: Das ist die neue Autoaktie für Risikoliebhaber

  • Die Zeit für Börsengänge ist nicht gerade ideal.
  • Das gilt vor allem für Kfz-Zulieferer.
  • Die Conti-Abspaltung Vitesco schreitet dennoch aufs Parkett – trotz aller Risiken.
|
Anzeige
Anzeige

Frankfurt/Regensburg. Für einen Tag hatte Deutschlands wichtigster Aktienindex Dax mit dem Regensburger Autozulieferer Vitesco einen 31. Wert. Das passiert, wenn ein Dax-Konzern wie Continental einen Teil seines Geschäfts abspaltet. Es ist damit kein normaler Gang aufs Parkett, der um Anleger wirbt oder Geld ins Unternehmen bringt.

Conti-Aktionäre bekommen vielmehr recht unspektakulär für je fünf Papiere des Hannoverschen Zulieferriesen eine Vitesco-Aktie ins Depot gebucht. „Es war ein spannender Moment“, meinte Vitesco-Chef Andreas Wolf dennoch, als er in Frankfurt die Börsenglocke für sein Unternehmen läuten durfte. Bei knapp 60 Euro lag der erste Kurs, was Vitesco als Ganzes mit 2,5 Milliarden Euro bewertet.

Das klingt auf den ersten Blick nach nicht viel für einen Konzern mit 40.000 Beschäftigten, der im ersten Halbjahr 2021 die Umsätze um 29 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gesteigert hat – bei allerdings nur 1,9 Prozent operativer Umsatzrendite. Börsianer und Aktienhändler erklären die maue Bewertung. „Die Aktie hat Potenzial, aber auch eine Erbschuld“, sagt Oliver Roth von der Privatbank Oddo BHF.

Anzeige

Was er mit Letzterem meint, ist der Umstand, dass die Conti-Abspaltung bis zuletzt noch 90 Prozent ihrer Geschäfte mit Verbrennertechnologien gemacht hat, die nicht mehr lange gefragt sein dürften. Unter dem Conti-Dach war die damalige Sparte Powertrain für den Antriebsstrang von Diesel- und Benzinfahrzeugen zuständig. Diese automobile Schlüsselkomponente muss nun unter Hochdruck elektrifiziert werden, um im beginnenden Elektroautozeitalter Fuß zu fassen. Leicht wird das nicht.

„Der Wechsel der Antriebstechnik ist ein Risiko, das Continental nicht haben will“, erklärt Analyst Ascan Ivendi von der DZ Bank den Hintergrund des Vitesco-Börsengangs. Es ist so ähnlich wie bei Siemens und der Energietechnik-Abspaltung Siemens Energy. Auch dort wurde ein Problemgeschäft ausgegliedert und an der Börse platziert.

Das Drohpotential von Vitesco ist aber nicht nur technologischer, sondern auch juristischer Art. Denn was den Dieselskandal in der Verbrennertechnologie angeht, musste auch schon Bosch als Zulieferer Millionen Euro an Bußgeld zahlen. Juristische Risiken solcher Art hat Vitesco mitgenommen und Conti davon befreit.

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Es gehöre eben beides dazu, wenn man eigenständig wird, und an die Börse geht sowohl das Risiko als auch die Chance, philosophierte Wolf zu diesem Punkt auf dem Frankfurter Parkett. Die Chance sieht er in der schnellen Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Schon 2019 habe man in Regensburg den technologischen Umbau eingeleitet, was nicht alle Außenstehenden als wirklich früh empfinden.

Anzeige

Tatsache ist aber auch, dass vom neuen Auftragsvolumen des ersten Halbjahrs 2021 von insgesamt 3,8 Milliarden Euro mit 1,8 Milliarden Euro schon fast die Hälfte auf elektrifizierte Produkte entfällt. Wurden in den vergangenen 14 Jahren branchenweit zwei Millionen Autos mit Elektrifizierungslösungen der heutigen Vitesco ausgestattet, ist allein im ersten Halbjahr 2021 eine halbe Million Stromer dazugekommen. Es geht also neuerdings sichtbar voran.

Aber Vitesco ist nicht der einzige Kfz-Zulieferer, der sein Portfolio elektrifiziert. Vor allem in der Antriebstechnologie ist der Markt, der nun neu verteilt wird, stark umkämpft. Ob diejenigen, die dort gestern das Sagen hatten, es auch noch morgen haben, ist offen.

Nur wer schnell große Mengen in ausgezeichneter Qualität liefert, wird sich durchsetzen, räumt Wolf ein. Dazu kommt der aktuelle Chipmangel, der die gesamte Autoindustrie trifft und dort vor allem Elektroautos und ihre Komponenten, weil die weit mehr Chips verbrauchen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

„Es ist ein Risiko“, sagt Irvedi zur Vitesco-Aktie an die Adresse potenzieller Anleger. Am ersten Börsentag der Regensburger hat sich das erst einmal gelohnt. Nachdem die Aktie erst einmal unter den Eröffnungskurs gerutscht war, notierte sie in den folgenden Stunden deutlich über 60 Euro. Vorerst stimmt die Richtung.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen