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Studie zur Sicherheit

Verkehrsunfälle: Jeder zweite Schwerverletzte ist Radfahrer

Ein Radler fährt in München über eine sogenannte Pop-up-Bike-Lane.

München. Schauplatz des Geschehens sind Deutschlands Städte. „Es kommt zum Kampf um sicheren Verkehrsraum“, beschreibt Jochen Haug die Lage. Der hiesige Schadensvorstand des Versicherers Allianz meint Szenen wie diese: Fahrradfahrer weichen aus Furcht vor dem Autoverkehr auf der Straße gesetzeswidrig auf Bürgersteige aus, wo dann bisweilen Fußgänger zu den Leidtragenden werden.

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Denn während die Zahl von Toten und Schwerverletzten im deutschen Straßenverkehr allgemein seit Jahren kontinuierlich sinkt, geht es auf zwei Rädern und vor allem bei Fahrrädern in die andere Richtung. Das hat das Allianz-Zentrum für Technik (AZT) nun in einer Studie zur Zweiradsicherheit ermittelt, die vor allem Unsicherheit offenbart.

Schon jeder zweite Schwerverletzte bei Verkehrsunfällen sei mittlerweile eine Radfahrerin oder ein Radfahrer, Tendenz immer stärker steigend, betont Haug. Bei Verkehrstoten sei es gut ein Drittel aller Fälle, womit in Deutschland zuletzt jährlich rund 1000 Radfahrerinnen und Radfahrer ums Leben gekommen sind. 2001 betrug der Anteil der im Straßenverkehr getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer noch ein Viertel.

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„E‑Bikes bringen die Opferzahlen nach oben“

Das hat mehrere Ursachen. Neben einer propagierten Mobilitätswende mit mehr Radverkehr in den Städten ist es auch der Boom bei Elektrofahrrädern. „E‑Bikes bringen die Opferzahlen nach oben“, stellt Haug klar. Wer auf einem solchen unterwegs sei, habe ein zweieinhalbmal höheres Risiko, in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, als Menschen, die auf einem herkömmlichen Drahtesel sitzen.

AZT-Chef Christoph Lauterwasser weiß es genauer. Binnen zehn Jahren hätten auf deutschen Verkehrswegen die Unfälle zwischen Fahrrad und Fahrrad um fast zwei Drittel zugenommen, die zwischen Fahrrad und Fußgänger um ein Viertel und die zwischen Fahrrad und Pkw um knapp ein Fünftel. Überall sonst seien die Unfallzahlen teilweise stark rückläufig, betont der Experte.

Allerdings gebe es auch bei keinem anderen Verkehrsmittel – mit Ausnahme zahlenmäßig nicht sonderlich nennenswerter E‑Scooter – eine so hohe Anzahl von Eigenunfällen ohne Widersacher wie bei Fahrrädern, betont Lauterbach. Bei 28 Prozent und damit über einem Viertel liege die Quote.

Die versteht man beim Studium einer repräsentativen AZT-Befragung von gut 1200 Radfahrerinnen und Radfahrern, die Teil der Studie ist. Alle Befragten haben demnach zugegeben, immer wieder mal zu schnell unterwegs zu sein, ein Drittel fährt gelegentlich über rote Ampeln oder alkoholisiert. 13 Prozent gestehen anonym, bisweilen unter Drogeneinfluss zu fahren.

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Alkohol und Kopfhörer – mangelnde Eigenverantwortung sorgt für Unfälle

Für solches Verhalten hat die Allianz auch Aufschläge für das Unfallrisiko ermittelt. Alkoholisierte Radfahrer verunglücken demnach gut ein Viertel öfter als nüchterne, solche unter Drogeneinfluss fast zur Hälfte öfter. Auch Kopfhörer, die ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen nach eigenem Bekunden beim Radfahren trägt, steigern das Unfallrisiko – und zwar um satte 52 Prozent.

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Mangelnde Eigenverantwortung trägt damit einiges zur zunehmenden Horrorbilanz bei Fahrradunfällen bei. „Es ist nicht das Verkehrsmittel an sich, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie es genutzt wird“, stellt Haug klar. Dazu passt, dass in Deutschland nur ungefähr jeder vierte Fahrradfahrer mit Helm unterwegs ist. Die Rate steigt von Jahr zu Jahr nur marginal.

Bessere Städteplanung könnte Abhilfe schaffen

„Jeder zweite tödliche Fahrradunfall geht auf eine Kopfverletzung zurück“, weiß Lauterbach. Ohne Helm gebe es solche Verletzungen 2,5-mal häufiger. Die Allianz plädiert deshalb dringend für eine Helmpflicht zumindest für Nutzung von Elektrofahrrädern und bei Kindern.

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Die Altersgruppe, die eine solche Pflicht am vehementesten ablehnt, seien übrigens Senioren über 75 Jahre, betont der AZT-Chef. Zugleich sei jeder zweite Fahrradtote in Deutschland im Rentenalter. Bei Unfällen mit Elektrofahrrädern seien es sogar zwei von drei. Manchmal sprechen Statistiken eine ziemlich klare Sprache.

Trotzdem könnte mehr Eigenverantwortung das Zweiradproblem nur dämpfen und nicht lösen. „Der größte Hotspot ist die Kreuzung“, betont Lauterbach. Vier von zehn Unfällen mit Fahrradbeteiligung würden dort geschehen, vor allem wenn Radfahrerinnen und Radfahrer von sicheren Radwegen wieder auf die Fahrbahn müssen, etwa um abzubiegen.

In zwei von drei Fällen tragen dabei Autofahrerinnen und Autofahrer die Schuld. Um die Gefahren auf der Straße wissend, fahren deshalb zwei Drittel aller Radfahrenden verbotswidrig auf Bürgersteigen, womit man beim Verteilungskampf um sichere Verkehrswege wäre. Vor allem die Sache der Städteplanung sei es deshalb, die Lage zu entschärfen und schnellen Autoverkehr von langsamerem Fahrradverkehr besser zu trennen, betonen die Allianz-Experten.

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