Verbraucherzentralen: Hamsterkäufe sind unsolidarisch

  • Die Ausbreitung des Coronavirus hat teilweise in den Geschäften zu Hamsterkäufe geführt.
  • Das sei unnötig, beschwichtígt der Bauerverband.
  • Sorge bereitet dagegen vielen Bauern der Ausfall von Erntehelfern.
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Berlin. Kunden räumen Supermarktregale leer, andere stehen kopfschüttelnd davor - und Spargelbauern bangen um Erntehelfer aus Osteuropa: Auswirkungen der Coronakrise bekommen zusehends auch Verbraucher und die Landwirtschaft zu spüren. Über die aktuelle Lage will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) am Dienstag (14.00 Uhr) gemeinsam mit der Lebensmittelbranche informieren. Dazu äußern wollen sich auch Bauernpräsident Joachim Rukwied und Vertreter von Einzelhandel und Ernährungsindustrie. Branche und Bundesregierung betonen, die Nahrungsversorgung in Deutschland sei nicht in Gefahr.

Die Verbraucherzentralen kritisierten Hamsterkäufe in vielen Supermärkten. Der Chef des Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es gibt aktuell keine Anzeichen für Versorgungsengpässe und deshalb keinen Grund für Panik- oder Hamsterkäufe." Sie seien in der jetzigen Lage auch "unsolidarisch, da sie die Verunsicherung in der Bevölkerung vergrößern und in manchen Fällen tatsächlich zu zeitweisen Engpässen in der Verfügbarkeit von Lebensmitteln oder medizinisch notwendigen Produkten im Handel führen könnten."

Zugleich sei es für Verbraucher keine leichte Situation: “Es gibt die Maßgabe, soziale Kontakte zu minimieren. Demnach wäre es zum Beispiel besser, selten viel einzukaufen als oft wenig.”

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Bauernverband: Hamsterkäufe nicht notwendig

Auch der Bauernverband hatte bereits betont: "Deutschland ist mit heimischen Lebensmitteln gut versorgt, so dass Hamsterkäufe nicht notwendig sind." Grundnahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse werde es weiterhin in ausreichender Menge geben. Auch die Futterversorgung der Tiere sei gesichert, so dass Fleisch, Wurst oder Milch ebenfalls weiter verfügbar seien.

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In der Landwirtschaft gibt es wegen der Coronakrise aber auch Sorgen. Vor der anstehenden Spargelsaison droht vielen Landwirten ein Engpass bei Erntehelfern. Wegen der Coronakrise gelinge es derzeit nicht, Helfer aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern zu bekommen. "Wir laufen auf eine bedrohliche Situation zu", sagte der Vizepräsident des Landvolks in Niedersachsen, Ulrich Löhr. Teile der Ernte müssten womöglich auf den Feldern bleiben. Auch der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauern befürchtet Engpässe bei der Ernte, für die mehr als 180 000 Saisonarbeitskräfte benötigt werden. Viele Polen blieben aus Angst vor einer Infektion in diesem Jahr zu Hause.

Zu wenig Arbeitskräfte für die Ernte

Bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hieß es, vor allem die geschlossene Grenze nach Polen sorge für Unruhe, da auf vielen Höfen Arbeitskräfte aus Osteuropa im Einsatz sind. In Brandenburg befürchtet der Beelitzer Spargelverein große Ernteeinbußen. Hunderte Helfer aus Rumänien könnten nicht anreisen, sagte der Vorsitzende Jürgen Jakobs der dpa. Er forderte eine Art "Passierschein" für gebuchte Erntehelfer. Auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird befürchtet, dass viel zu wenig Arbeitskräfte zum Ernten kommen.

dpa

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