Verbände fordern deutsche Autobauer zum Dividendenverzicht auf

  • Große Verbände fordern die deutschen Autobauer auf, ihre Dividendenzahlung in diesem Jahr auszusetzen.
  • Sonst sei es nicht angemessen, in der Corona-Krise Milliardenunterstützung vom Staat zu verlangen.
  • Die Forderungen der Konzerne nach Staatshilfen seien unangemessen, sagen Kritiker.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Der Umweltverband BUND und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre fordern von den deutschen Autobauern einen Verzicht auf Dividendenauszahlungen an Aktionäre, wenn sie Kaufprämien oder andere Hilfen vom Staat verlangen. Die Forderungen der Konzerne nach Staatshilfen seien “absolut unangemessen”, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung.

“Gewinne privatisieren und Risiken sozialisieren, das ist der Plan der Autokonzerne”, sagte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg, der auch Vorstandsmitglied beim Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ist. “Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, diese Unverschämtheit nicht zuzulassen. Es muss gelten: Keine Staatshilfen für Dividenden zahlende Konzerne.” Volkswagen, Daimler und BMW wollten ihre Aktionäre mit insgesamt 5,8 Milliarden Euro Dividende am finanziell erfolgreichen Jahr 2019 beteiligen.

Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen
Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Corona-Krise: Auch Boni sollen gekürzt werden

Die gerade in der Corona-Krise begrenzten Steuermittel müssten vor allem solchen Unternehmen zugutekommen, die keine großen finanziellen Rücklagen bilden konnten, forderte Hilgenberg. “Das betrifft vor allem kleine Unternehmen und den Mittelstand, die in vielen Fällen in der Existenz bedroht sind.” Auch “großzügige Boni für Vorstandsmitglieder” seien in der aktuellen Situation nicht angemessen und müssten gekürzt werden.

“Großaktionäre wie das Land Niedersachsen bei der Volkswagen AG oder die Familie Quandt/Klatten bei der BMW AG haben jetzt die Chance, Haltung zu zeigen. Sie müssen dafür bei den anstehenden Hauptversammlungen die Dividendenzahlung für das vergangene Geschäftsjahr unterbinden und dafür sorgen, dass die Modellpolitik und Geschäftsmodelle einmal grundlegend überdacht werden”, sagte Hilgenberg.

VW will in diesem Jahr rund 3,3 Milliarden Euro Dividenden an die Aktionäre ausschütten, bei BMW sind es rund 1,6 Milliarden, bei Daimler 960 Millionen.

RND/dpa/ang

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen