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USA zwischen Wirtschaftskrise und Aktienhoch: Ist der Tiefpunkt der Corona-Krise bereits erreicht?

  • In den USA könnte die Arbeitslosigkeit auf bis zu 25 Prozent steigen - und trotzdem geht es an den Börsen aufwärts.
  • Anleger haben dabei die Zukunft im Blick.
  • Und die könnte - auch dank der US-Notenbank - deutlich besser aussehen als die triste Gegenwart.
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Die Meldungen wirken auf dem ersten Blick wie aus einer paradoxen Welt. Während Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, vor einem dramatischen Einbruch der Wirtschaft warnt, steigen die Kurse der Aktien. Auf den zweiten Blick wird deutlich: Börsianer wetten auf eine schnelle Erholung.

Powell sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, dass die Corona-Pandemie bis zum Ende des nächsten Jahres anhalten könne. Und die Wirtschaft werde sich erst wieder komplett erholen, wenn die Verbraucher volles Vertrauen in eine positive Entwicklung hätten. Das sei aber nur möglich, wenn ein Impfstoff gefunden werde. Auch hierzulande wird ein wesentlicher Faktor in den nächsten Monaten die Kauflaune der Konsumenten werden. Scheuen sie sich vor allem davor, teure langlebige Güter zu kaufen – wie Autos oder Möbel –, können wichtige Branchen in tiefe und dauerhafte Absatzkrisen rutschen.

Finstere Prognosen für die nähere Zukunft

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Für die nähere Zukunft hat der Fed-Chef höchst finstere Prognosen parat: Die Arbeitslosigkeit könne im aktuellen Quartal, das bis Ende Juni geht, auf bis zu 25 Prozent steigen – das würde die Kaufkraft der Verbraucher massiv drücken. Noch im Februar lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent. Sie ist inzwischen auf fast 15 Prozent hochgeschnellt. Rund 36 Millionen US-Bürger haben in gut drei Monaten ihren Job verloren. Ähnlich düster fallen Powells Vorhersagen in puncto Wirtschaftsleistung aus. Das Bruttoinlandsprodukt könne im zweiten Quartal um 20 bis 30 Prozent schrumpfen. Das sind Zahlen, die vor der Pandemie schwer vorstellbar waren.

Zugleich betonte der Fed-Chef, dass eine baldige Erholung denkbar sei, „möglicherweise schon in der zweiten Hälfte des Jahres“. Er geht außerdem davon aus, dass die Krise nicht so heftig ausfällt, wie die Große Depression in den 1930er Jahren – sofern keine zweite Infektionswelle kommt. Zudem habe die Notenbank noch jede Menge Munition, um mögliche Verwerfungen zu verhindern. Er meint damit vor allem, zusätzliche günstige Konditionen, mit denen sich Banken refinanzieren können, was wiederum billige Kredite für Unternehmen und Verbraucher bedeutet. Hinzukommen könnten gezielte Aufkäufe von US-Staatsanleihen, um die Renditen für bestimmte Laufzeiten niedrig zu halten. Allerdings spricht er sich gegen negative Leitzinsen aus, die unter anderem Präsident Trump gefordert hat. Dies bringe nur Verwerfungen am Kapitalmarkt. Bei negativen Leitzinsen, werden Banken de facto subventioniert, wenn sie sich Geld bei der Notenbank ausleihen.

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Niedrigzinsen treiben Anleger an die Aktienmärkte

Powell weiß sehr genau, dass von Analysten jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt wird. Und die Analysten werteten die Ansagen als Hinweis darauf, dass der Tiefpunkt der Corona-Krise bereits erreicht ist. Das ist für Börsianer, die immer auf die künftige Entwicklung schauen, eine klare Kaufempfehlung. Wobei am Montag da auch ein Herdentrieb eine Rolle spielte. Keiner will günstige Einstiegskurse verpassen. Wenn das Schlimmste in der Pandemie überwunden sei, würden die von Notenbanken gestützten Aktienmärkte nicht mehr zu den Tiefstständen zurückkehren, sagte Seema Shah, Chef-Strategin bei US-Investmenthaus Principal Global Investors, dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. Die Niedrigzins-Politik aller wichtigen Notenbanken treibt Anleger an die Aktienmärkte.

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Am Montagnachmittag meldeten US-Medien jedenfalls schon vor der Eröffnung der US-Börsen Rekordaufschläge auf Termingeschäfte, die mit wichtigen US-Indizes verknüpft sind. Im frühen Handel lag der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse auch mehr als drei Prozent im Plus.

Und das trieb auch den Deutschen Aktienindex (Dax) in die Höhe. Das wichtigste hiesige Börsenbarometer kletterte bis zum Nachmittag um mehr als vier Prozent, nachdem es in der vergangenen Woche vier Prozent verloren hatte. Das alles lag nicht nur an Powell. Aber das US-Biotechunternehmen Moderna meldete just Fortschritte bei der Entwicklung für einen von Powell beschworenen Impfstoff.

Rohöl-Preis zieht an

Gleichzeitig notierte Rohöl höher. Ein Fass der US-Sorte WTI kostete am Nachmittag gut 32 Dollar. So teuer war dieser Rohstoff zuletzt Mitte März gewesen. Und auch das für den europäischen Markt und den deutschen Autofahrer maßgebliche Brent-Öl verteuerte sich spürbar und zwar um zeitweise mehr als sechs Prozent auf gut 34,50 Dollar. Der Preis für den wichtigsten Rohstoff gilt als ein maßgeblicher Indikator: Händler gehen davon aus, dass der Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft zunimmt, was die Nachfrage nach Sprit anheizt. In Japan fielen zudem Konjunkturdaten günstiger als erwartet. Als weitere Faktoren nannten Händler eine vielfach weiter sinkende Zahl von Corona-Neuinfektionen, was wiederum die Hoffnung nährte, dass Restriktionen der Regierungen gelockert, dass Grenzen bald geöffnet werden, der Warenaustausch sowie der Tourismus wieder auf die Beine kommt. Kein Wunder also, dass der Münchner Triebwerkhersteller MTU zu den großen Gewinnern im Dax zählte.


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