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USA: Omikron und Unwetter verknappen Lebensmittel in den Supermärkten

  • Wie schon zu Beginn der Pandemie, bleiben immer mehr Supermarktregale in den USA leer.
  • Unwetter und die Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus führen zu Problemen bei den Lieferketten.
  • Wann sich die Lage normalisiert, ist unklar.
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New York. Die Gemüseabteilung war wie leergefegt, auch beim Geflügel und bei der Milch gab es nur noch eine knappe Auswahl: Für Benjamin Whitely fiel der Gang zum Supermarkt am Dienstag enttäuschend aus. Eigentlich wollte sich der 67-Jährige aus Washington mit Lebensmitteln für das Abendessen eindecken. „Offenbar bin ich für alles zu spät dran“, sagte er. „Jetzt muss ich mich anderswo auf die Suche machen.“

Mit diesem Problem ist Whitely nicht allein: In vielen Supermärkten in den USA werden seit einigen Wochen die Bestände knapp. Grund sind die Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus und auch Unwetter. Beide Faktoren haben die Lage für Einzelhändler weiter verschärft, die schon seit Beginn der Pandemie unter Verzögerungen in den Lieferketten und einem Mangel an Arbeitskräften leiden.

15 Prozent aller Produkte ausverkauft

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Nun fehlt in vielen Lebensmittelläden landesweit alles Mögliche vom Fleisch bis zum abgepackten Müsli. Normalerweise sind in US-Supermärkten nach Angaben des Handelsverbands Consumer Brands Association im Durchschnitt fünf bis zehn Prozent aller Produkte ausverkauft. Nun betrage diese Rate etwa 15 Prozent.

Für die Verbraucher macht sich das umso deutlicher bemerkbar, da sie in der Pandemie wegen geschlossener Büros und Schulen vermehrt zu Hause essen. Im vergangenen Jahr gab ein Durchschnittshaushalt nach Angaben des Branchenverbands FMI pro Woche 144 Dollar (126 Euro) für Lebensmittel aus. Das war zwar weniger als auf dem Höhepunkt 2020 (161 Dollar), aber immer noch deutlich mehr als 2019 (113,50 Dollar).

80.000 Lastwagenfahrer fehlen

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Auch ein Mangel an Lastwagenfahrern, der sich bereits vor der Pandemie abzeichnete, bleibt problematisch. Nach Angaben des Fernfahrerverbands vom Oktober fehlen etwa 80.000 Truckerinnen und Trucker und damit so viele wie noch in der Geschichte der USA. Zudem verzögern sich weiterhin Transportlieferungen, was sich unter anderem bei Lebensmittelimporten und Verpackungsmaterial aus dem Ausland bemerkbar macht.

Einzelhändler und Produzenten passen sich seit Anfang 2020 an diese Tatsachen an. Damals hatten Panikkäufe zu Beginn der Pandemie die Industrie ins Trudeln gebracht. Viele Händler halten etwa von Produkten wie Toilettenpapier inzwischen größere Bestände vorrätig, um akute Engpässe zu verhindern. Im Allgemeinen funktioniere das System mittlerweile, erklärt Jessica Dankert vom Handelsverband RILA. Leere Regale seien in den vergangenen 20 Monaten die Ausnahme gewesen.

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Die Auswirkungen auf das alltägliche Leben durch die hochansteckenden Virus-Variante Omikron werden immer deutlicher.  © Reuters

Viele Beschäftigte erkrankt

Dennoch haben die Hersteller zu kämpfen. Der Präsident des Lebensmittelriesen Conagra Brands, Sean Connolly, teilte den Investoren in der vergangenen Woche mit, dass es wegen Omikron bei den Lieferungen noch mindestens bis Februar zu Einschränkungen kommen werde. Conagra produziert unter anderem Tiefkühlgemüse und Fleischsnacks.

Dem Einzelhandel macht zudem ein hoher Krankenstand unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu schaffen. Bei der Supermarkt-Kette Stew Leonard’s waren in der vergangenen Woche nach Angaben der Geschäftsführung von insgesamt rund 200 Beschäftigten acht Prozent krankgemeldet oder in Quarantäne. Normalerweise liegt die Ausfallquote bei etwa zwei Prozent.

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Unwetter erschweren Lieferungen

Unwetter wie Schneestürme im Nordosten des Landes und Waldbrände in Colorado wirken sich ebenfalls auf die Verfügbarkeit von Waren aus. Manche Konsumenten stockten deswegen ihre Vorräte über das normale Maß hinaus auf, zudem kamen einige Lkw-Lieferungen wegen des Winterwetters nicht an.

Dennoch bemühen sich einige aus der Branche, die Verbraucher zu beruhigen. Lisa DeLima, Sprecherin der unabhängigen Biolebensmittel-Kette Mom’s Organic Market, sagte, die Lage sei nicht mit den chronischen Engpässen vor knapp zwei Wochen zu vergleichen. „Panikkäufe sind nicht nötig“, betonte sie. „Es sind viele Produkte verfügbar. Es dauert nur ein bisschen länger, sie von A nach B zu bringen.“

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Uneinigkeit bei Experten

Über die Frage, wie lange die gefühlte Schnitzeljagd nach Nahrungsmitteln noch andauern wird, sind sich Experten uneins. Verbandsvertreterin Dankert rechnet nach eigenen Worten mit einer baldigen Normalisierung ohne langfristige Knappheiten. Geoff Freeman, Präsident und CEO der Consumer Brands Association, hingegen warnt vor einer Ausweitung der Omikron-bedingten Verzögerungen in der Lebensmittelherstellung.

Der Supermarkt-Kunde Whitely aus Washington schätzt sich derweil glücklich, bereits in Rente zu sein: So könne er den ganzen Tag lang nach seinen Wunschprodukten suchen, wenn sie in den ersten Läden ausverkauft seien, sagte er. Wer arbeiten oder einen kranken Angehörigen versorgen müsse, habe diesen Luxus nicht. „Manche versuchen, Essen zu bekommen, um zu überleben“, sagte er. „Ich versuche nur, einen Auflauf zu machen.“

RND/AP

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