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Europäer dürfen wieder in die USA fliegen - und die Luftfahrt jubelt

  • Ab Anfang November will die US-Regierung die Einreise von Geimpften erlauben.
  • Für Fluggesellschaften und Reiseunternehmen enden damit anderthalb harte Jahre.
  • Viele Details der neuen Bestimmungen sind noch offen - auch der Umgang mit den Crews.
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Frankfurt. Die Statements der Luftfahrtmanager waren am Dienstag überschwänglich. Britisch-Airways-Chef Sean Doyle sprach gar von einem „historischen Moment“. Etwas nüchterner gab sich Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa: „Die angekündigte Rücknahme von Reiserestriktionen in die USA stellt nicht nur für unsere Airlines einen großen Schritt aus der Krise dar, sondern sie ist auch eine hervorragende Nachricht für die transatlantische Partnerschaft“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Am Montagabend hatte die US-Regierung angekündigt, die Einreise in die USA per Flugzeug demnächst wieder zu erlauben – sofern die Passagiere vollständig geimpft sind und sie ein aktuelles negatives Testergebnis vorweisen können.

Für die Aktien von Unternehmen aus der Luftfahrtbranche ging es diesseits und jenseits des Atlantiks steil nach oben. So hat das Papier der Lufthansa zwischen Donnerstag voriger Woche und Dienstagnachmittag um elf Prozent zugelegt.

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USA heben Einreise-Beschränkung für Europäer auf
1:04 min
Die USA werden die Einreisebeschränkungen für Menschen aufheben, die gegen das Coronavirus geimpft sind.  © Reuters

Dass ein Land eine derart wichtige Rolle für den Flugverkehr spielt, hat seinen besonderen Grund: Nicht nur für die fliegenden Hanseaten, sondern für alle Airlines, die interkontinental unterwegs sind, spielen die Nord-Transatlantikrouten eine maßgebliche Rolle. Es handelt sich um die profitabelsten Verbindungen in der globalen Luftfahrt.

Das hat viel mit der engen ökonomischen Verzahnung von Europa mit den USA zu tun – die Vereinigten Staaten sind als Einzelstaat der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Die immensen Gewinne der Airlines kommen von den verkauften Sitzen in der Business Class und der First Class.

Und dort nehmen fast nur Leute Platz, die die teuren Tickets nicht selbst zahlen. Das übernehmen in der Regel deren Unternehmen. Die Lufthansa hat sich auf diese Kundschaft spezialisiert, sie bildet in normalen Zeiten das Rückgrat der Erträge des Konzerns.

Spohr betonte denn auch: „Zusammen mit der beschlossenen Kapitalerhöhung zur vorzeitigen Rückzahlung der staatlichen Stabilisierung gab es innerhalb von 24 Stunden zwei wesentliche Weichenstellungen für den Weg aus der Krise und den nachhaltigen Erfolg der Lufthansa.“

Noch vorige Woche hatte die US-Regierung erklärt, die Zeit sei noch nicht reif für eine Lockerung der Einreisebestimmungen. Der damalige Präsident Donald Trump hatte Anfang 2020 den Bann ohne Vorwarnung verhängt. Zunächst bezog er sich nur auf China. Die europäischen Staaten kamen kurze Zeit später hinzu. Das war nach Einschätzung von Beobachtern seinerzeit auch politisch motiviert. Trump hatte mit Europa und China Handelsstreitigkeiten vom Zaun gebrochen.

Viele offene Fragen

Und nun? Es kursiert die Vermutung, dass sich der amtierende Präsident Joe Biden zu dem auch wieder überraschenden Schritt entschloss, um vor allem in Europa gut Wetter zu machen – wegen Geschäften mit US-Booten für Australien hängt gerade der Haussegen in den transatlantischen Beziehungen schief. Das Weiße Haus hat diese Vermutungen zurückgewiesen. Die Entscheidung beruhe strikt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, hieß es.

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Klar ist aber: Die Reiseerleichterungen stehen in Zusammenhang mit einer neuen Anti-Corona-Strategie, die Biden am Mittwoch mit Experten diskutieren will. Die vorliegende Erklärung des Weißen Hauses lässt indes einige Fragen offen. So wird kein konkretes Datum für die Öffnung genannt. Es ist lediglich von „Anfang November“ die Rede. Und: Welche Impfstoffe werden anerkannt? Wie wird mit Kindern verfahren, die sich bislang nicht immunisieren können?

Offen ist ferner, wie mit den Crews umgegangen wird. Müssen auch Pilotinnen und Piloten sowie Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter geimpft sein, die in den USA landen, oder reicht ein Negativtest? Die Lufthansa hatte vorige Woche die Besorgnis geäußert, dass es bei einer Öffnung der USA schwierig werden könnte, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten, weil es für die Besatzungen hierzulande weder eine Impfflicht noch eine Auskunftspflicht über den Impfstatus gibt. Die Lufthansa äußerte sich am Dienstag zu diesem Thema zunächst nicht.

Die neuen Einreise-Bestimmungen gelten für insgesamt 33 Staaten. Zu den Ländern des kontinental-europäischen Schengen-Raums kommen Großbritannien, Irland, Iran, Brasilien, Südafrika, Indien und China. Willie Walsh, Generaldirektor der International Air Transport Organisation (IATA) sprach von einem wichtigen Wandel im Umgang mit Covid – „von pauschalen Überlegungen auf nationaler Ebene hin zur Bewertung des individuellen Risikos“. Nun gehe es darum, auch eine Lösung für Reisende ohne Zugang zu Impfungen zu finden.

Run auf Tickets

Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, hatte die USA wiederholt aufgefordert, die Beschränkungen für Europäer zu lockern. Die EU habe sich längst wieder für US-Amerikaner geöffnet. Der Austausch sei wichtig, weil deutsche Firmen Hunderttausende Jobs in den USA sicherten. Mehr noch: Die Vereinigten Staaten gehören auch zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen.

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So sagte denn auch Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), dem RND: Die geplante Öffnung sei eine „sehr erfreuliche und hoffnungsvolle Nachricht – sowohl für Kunden als auch für die Reiseanbieter“. Mit jährlich mehr als zwei Millionen Besuchern aus Deutschland seien die USA das wichtigste Fernreiseziel für den deutschen Markt. „Zahlreiche Reiseveranstalter und Reisevermittler sind auf den Kontinent spezialisiert, ihr Geschäft liegt seit über anderthalb Jahren brach.“

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Wie sich die Einreise-Erleichterungen auf das Buchungsverhalten hierzulande auswirken werden, ist noch offen. Die Lufthansa meldete jedenfalls schon am Dienstag einen Anstieg der Buchungsanfragen für die USA um 40 Prozent. Insider erwarten hohe Ticketpreise wegen hoher Nachfrage insbesondere bei Dienstreisenden, die Dependancen ihrer Firmen jenseits des Atlantiks endlich wieder besuchen wollen. Wie stark diese Welle ausfällt, ist allerdings schwer zu prognostizieren.

Einer aktuellen Umfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) zufolge wollen 80 Prozent der größeren deutschen Unternehmen und 72 Prozent der kleineren Firmen ihre Geschäftsreisen dauerhaft verringern – Videokonferenzen ersetzen Besuche, und zunehmend mehr Unternehmen achten auf Nachhaltigkeit. Zudem lassen sich Kosten deutlich drücken. Der VDR rechnet damit, dass die Geschäftsreiserei dauerhaft um insgesamt 30 Prozent schrumpfen könnte.

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