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Curevac: Warum es deutsche Unternehmen an die US-Börse zieht

  • Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac forscht an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.
  • Dafür braucht es Geld, viel Geld.
  • Heute geht das Unternehmen von Mehrheitseigner Dietmar Hopp an die Börse – allerdings in New York und nicht in Deutschland. Das hat Gründe.
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Hannover. Frisches Geld für Curevac: Das Tübinger Biotechunternehmen geht an die Börse. Am heutigen Freitag werden erstmals Aktien des Unternehmens öffentlich zum Verkauf angeboten – allerdings an der US-Technologiebörse Nasdaq und nicht in Deutschland.

Der Börsengang soll rund 245 Millionen Dollar einbringen, dafür werden etwa 13,3 Millionen Stammaktien ausgegeben. Die Preis pro Aktie soll bei 16 Dollar liegen. Curevac-Mehrheitseigner Dietmar Hopp will zusätzlich Aktien für 100 Millionen Dollar kaufen. Damit behält Hopp die Kontrolle über Curevac.

Auch andere europäische Unternehmen zieht es nach New York

Auf den Impfstoffspezialisten werden weltweit Hoffnungen gesetzt. Curevac forscht an einem Vakzin gegen das Coronavirus – und das ist teuer. Erst im Juni war der deutsche Staat über die Förderbank KfW mit 300 Millionen Euro bei Hopps Biotechfirma eingestiegen. Dass Curevac das zusätzlich benötigte Geld nun an der Börse einsammeln möchte, war bekannt. Insofern ist auch die Wahl für den Finanzplatz New York keine Überraschung.

Denn: Die durchschnittlichen Einnahmen bei einem Börsengang sind in den USA höher als in Deutschland. Als der amerikanische Biotechspezialist Moderna vor knapp zwei Jahren an die Börse gegangen ist, nahm das Unternehmen mehr als 600 Millionen Dollar ein. Summen, die auch in Europa Begehrlichkeiten wecken: Fünf der elf europäischen Biotechunternehmen, die im letzten Jahr an die Börse gegangen sind, haben sich für Amerika entschieden – darunter auch die deutsche Firma Biontech aus Mainz, ein Curevac-Konkurrent.

Die Gründe sind simpel: In den USA haben Unternehmen schlicht die Möglichkeit, eine höhere Bewertung zu erzielen. Denn zum einen ist die dortige Risikokultur ausgeprägter. Zum anderen gibt es eine höhere Anzahl von Analysten und Investoren mit entsprechendem Branchenfokus. “Sowohl die Analysten als auch die Investmentbanken haben Expertise, verstehen das Geschäft und haben eine Euphorie für diese Technologien”, sagte Biotechexperte Siegfried Bialojan von der Unternehmensberatung EY gegenüber der “FAZ”.

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Pharma- und Biotechfirmen benötigen viel Liquidität. Die Branche ist zwar innovativ. Bei der Suche nach Medikamenten und Impfstoffen wird aber auch viel Geld verbrannt. Biotechaktien gehören daher nicht erst seit der Corona-Krise zu den spekulativeren. Klar ist aber auch: Die Firma, die einen Corona-Impfstoff findet, entwickelt und in großer Stückzahl auf den Markt bringt, wird ein gigantisches Geschäft machen. Von einem “Gamechanger” spricht EY-Branchenexperte Alexander Nuyken.

Die Suche nach dem Impfstoff: Diese Unternehmen haben gute Chancen

Die Frage ist also: Wer macht das Rennen? Aus deutscher Sicht gute Chancen hat neben Curevac auch Biontech aus Mainz, das von der Allianz mit dem großen Pharmakonzern Pfizer profitiert. Große Pharmakonzerne wie Bayer, Boehringer oder Merck sind dagegen im margenreichen Bereich der Impfstoffentwicklung kaum noch aktiv.

Einer der Großen in der Branche ist auch der britische Pharmariese Astrazeneca. Zusammen mit der Eliteuniversität Oxford hat der Konzern kürzlich Daten zu einem Impfstoffkandidaten veröffentlicht, die Analysten zufolge ebenfalls Hoffnung machen. In dem renommierten Medizinjournal “The Lancet” publizierten die Experten positive Studienergebnisse, wonach der mögliche Astrazeneca-Impfstoff eine Antwort des Immunsystems hervorrufe und sicher sei. Ernsthafte Nebenwirkungen habe es nicht gegeben.

Briten sichern sich Anteil an Curevac

Ebenfalls gute Chancen, das Rennen um einen Corona-Impfstoff zu gewinnen, hat Glaxosmithkline (GSK). Das britische Unternehmen gilt als weltweit führender Impfstoffhersteller mit zuletzt rund 9 Milliarden Dollar Umsatz auf dem Gebiet. GSK forscht zusammen mit Sanofi an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

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Und: Glaxosmithkline hat sich bei Curevac eingekauft. Das Tübinger Unternehmen erhielt im Zuge einer strategischen Kooperation von dem britischen Pharmakonzern eine Millionensumme. Glaxosmithkline beteiligte sich mit umgerechnet 150 Millionen Euro, was einem knapp zehnprozentigen Anteil entspricht.

Für Curevac sind das gute Nachrichten. Damit hat das Hopp-Unternehmen allein in der kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde 500 Millionen Euro eingesammelt. Weitere Millionen sollen jetzt folgen. Und im besten Fall schon bald ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2.

RND/fh

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