Urteil: Nigerianische Bauern erhalten Entschädigung von Ölkonzern Shell

  • Eine Tochterfirma von Shell ist für Lecks in Pipelines verantwortlich, durch die im Nigerdelta unter anderem Trinkwasser und Ackerland verseucht wurden.
  • Deshalb muss der Ölkonzern mehrere nigerianische Bauern entschädigen.
  • Zudem forderte das Gericht von Mutterkonzern und Tochterunternehmen den Einbau eines besseren Warnsystems, mit dem Lecks in Zukunft schneller erkannt werden.
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Den Haag. Der Ölkonzern Shell muss mehrere nigerianische Bauern wegen der Verschmutzung von Land entschädigen. Ein Berufungsgericht im niederländischen Den Haag urteilte am Freitag, dass die Tochterfirma in Nigeria für die Folgen von Lecks in Pipelines verantwortlich ist, durch die im Nigerdelta unter anderem Trinkwasser und Ackerland verseucht wurden. Vier nigerianische Bauern und die Umweltorganisation „Friends of the Earth“ hatten 2008 gegen den Konzern geklagt und mit dem Urteil nun Recht bekommen. Das Urteil gilt als wegweisend für die Haftung und Verantwortlichkeit großer Konzerne.

Das Gericht in Den Haag, dem Sitz des britischen-niederländischen Mutterkonzerns Shell, entschied, Shell in Nigeria müsse für die Schäden in den drei Dörfern Goi, Oruma und Ikot Ada Udo zumindest teilweise aufkommen. Die Höhe der Schadensersatzzahlungen wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Zudem forderte das Gericht von Mutterkonzern und Tochterunternehmen den Einbau eines besseren Warnsystems, mit dem Lecks in Zukunft schneller erkannt und damit Umweltschäden durch austretendes Öl begrenzt werden können.

Warnung für internationale Konzerne

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Das Urteil sei ein Sieg für das gesamte Nigerdelta, sagte einer der vier Kläger, Eric Dooh. Der Anwalt der Bauern, Prince Chima Williams, erklärte, die Entscheidung zeige Ölfirmen, dass sie nicht straflos davonkämen und sie ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Der Direktor von „Friends of the Earth“ in den Niederlanden, Daniel Pols, zeigte sich ebenfalls erfreut. Das Urteil sei eine Warnung an alle internationalen Konzerne, dass sie sich in Entwicklungsländern an Menschenrechts- und Umweltschutzverpflichtungen halten müssten. Ein Sprecher von Shell bedauerte das Urteil. „Wir glauben weiterhin, dass die Lecks in Oruma und Goi die Folge von Sabotage waren.” Das Unternehmen könnte noch vor das höchste Gericht des Landes ziehen.

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Wegen der schlechten Wartung der Infrastruktur verlieren Pipelines in Nigeria immer wieder Öl. Dadurch wurde den Klägern zufolge das Trinkwasser verseucht, der Fischbestand in Gewässern getötet und Ackerland unbrauchbar. Durch unzureichende Sicherung der Installationen bohren zudem Kriminelle die Leitungen an, wo ebenfalls Öl austritt. Laut „Friends of the Earth“ sind allein im Nigerdelta bisher mehr als elf Millionen Barrel Öl ausgeströmt und haben die Lebensgrundlage Tausender Menschen zerstört.

Mehrere Verfahren gegen Shell

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Shell hatte eine Verantwortlichkeit für die Lecks zurückgewiesen. Das Gericht wies am Freitag das Argument des Unternehmens ab, dass die Lecks durch Sabotage verursacht worden seien und Shell deshalb nicht für die Folgen verantwortlich sei. Für Sabotage in den Orten Goi und Oruma habe der Konzern nicht genug Beweise vorlegen können, heißt es in dem Urteil. In Ikot Ada Udo sei Sabotage zwar nachgewiesen worden, das Gericht bat jedoch um mehr Beweise und will zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob Shell trotzdem dafür verantwortlich gemacht werden kann.

Gegen Shell laufen derzeit mehrere Verfahren. In einem weiteren Prozess in Den Haag wird dem Konzern vorgeworfen, 1995 an der Hinrichtung nigerianischer Aktivisten beteiligt gewesen zu sein, die gegen die Ölförderung im Nigerdelta protestiert hatten. Im Dezember begann ein Prozess gegen das Unternehmen, in dem es um den Beitrag von Shell zum Klimawandel geht.

RND/epd

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