Unübersichtliches Amazon: Kaufen wir bald lieber bei kleineren Onlineshops?

  • Wer bei Amazon einkauft, muss sich oft durch endlos lange Listen an Produkten wühlen.
  • Das wird für den Branchenprimus zunehmend zum Problem, warnen Handelsexperten.
  • Doch gerade für kleinere Händler könnten die Schwächen von Amazon auch eine Chance darstellen.
|
Anzeige
Anzeige

Eine neue Webcam für Videokonferenzen – oft wurde das in den vergangenen Monaten bei Amazon gekauft. Der US-Konzern hat von der Pandemie massiv profitiert, die Umsätze stiegen zeitweise um 40 Prozent. Doch aus Kundensicht läuft beim weltgrößten Onlinehändler längst nicht alles rund. Für kleinere Händler könnte das eine Chance sein.

Amazon als weltgrößter Onlinehändler ist groß, sehr groß. Wer etwa eine Webcam sucht, bekommt mehr als 2000 Angebote: Ramschware aus China, High-End-Produkte von Markenherstellern, dazwischen Anzeigen und gesponserte Artikel. Übersichtlich ist das nicht, dürfte mittlerweile der ein oder andere Kunde gemerkt haben. “Zum Stöbern macht das keinen Spaß”, urteilt auch Thomas Donath, Herausgeber des Onlineshopping-Trendmonitors im Gespräch mit Business Insider.

“Kein hochwertiges Einkaufserlebnis”

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

“Amazon bietet kein besonders hochwertiges Einkaufserlebnis”, erklärte er im Gespräch mit Business Insider. Allein ist der Handelsexperte damit nicht. “Ich habe das Gefühl, dass Amazon sich durch die Größe des Angebots selbst erstickt”, meint auch Holger Schneider, Gründer der Digitalberatungsfirma Digitize.eo. Dabei bleibt die Stärke von Amazon unbestritten: Wer weiß, was er kaufen will, wird im Regelfall bei Amazon fündig – eine Stärke, wenn es etwa um Bücher geht, die einen eindeutigen Titel haben.

Anzeige

Wer hingegen keine klare Vorstellung hat, was er sich zulegen möchte, gerät bei Amazon ins Straucheln. Denn inspirierend sind die langen Listen dort nicht – wovon andere Onlineshops profitieren. Konkurrenten mit einem Fokus auf spezialisierte Sortimente und Zielgruppen wie Zalando oder About You “leisten hier deutlich bessere Arbeit”, sagt Schneider. Auch er bemängelte im Gespräch mit Business Insider, dass sich bei Amazon oft Waren mit dubioser Qualität fänden und dass Bewertungen nicht selten gefälscht würden.

Chance für die kleineren Onlinehändler?

Anzeige

Gehört die Zukunft also kleineren, spezialisierten Onlinehändlern? Vielleicht schon, glaubt man Donath. Amazon habe in Punkto Reichweite das Ende der Fahnenstange erreicht, sagt der. Nun gehe es darum, welche Händler von Amazons Schwächen profitieren. Und dabei ist längst ein Wettlauf entbrannt, immerhin hat die Corona-Krise vielen Geschäften die Bedeutung des Onlinehandels drastisch vor die Augen geführt.

Wer sich nun durchsetzt, ist indes unklar. Donath zufolge haben außer Zalando und About You etwa auch Lidl, Tchibo oder Zalando mittlerweile Onlineshops, die Amazon Marktanteile abluchsen könnten – weil sie übersichtlicher sind und Produkte besser präsentieren. Und schlussendlich wird der Markt für Amazon nicht einfacher, weil immer mehr kleine Geschäfte den Onlinehandel für sich entdecken. Shopify etwa, ein Anbieter für Onlineshoppingsysteme, verzeichnete zuletzt ein deutliches Wachstum.

Google und Facebook helfen den Kleinen

Zudem bekommen kleine und mittelgroße Händler prominente Hilfe: Facebook und Google wollen ihnen in Kooperation mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) mit Millionensummen auf die Sprünge helfen. Das Google-Programm etwa umfasst neben Hilfe bei der Webseitenerstellung auch Anleitungen für Onlineshops, Fortbildungen und kostenlose Werbemittel.

Anzeige

Noch dürfte Amazon allerdings Branchenprimus im Onlinehandel sein. Zahlen vor der Pandemie zufolge liegt der Marktanteil bei über 40 Prozent. Und letztendlich weiß Amazon wohl um seine Schwächen. “Amazon wäre nicht Amazon, wenn sie das Problem nicht erkannt hätten und daran arbeiten würden”, meint Schneider. Tatsächlich versucht auch Amazon schon gerade, neue Händler ins Netz zu locken – allerdings nicht auf unabhängige Plattformen, sondern auf Amazon Marketplace, wo das Unternehmen Provisionen bekommt.


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen