Ungewisse Zukunft: Steht Real vor der Zerschlagung?

  • Der Düsseldorfer Metro-Konzern will die Supermarktkette Real verkaufen.
  • Viele Filialen könnten geschlossen oder von der Konkurrenz übernommen werden.
  • Doch noch ist unklar, was genau mit den Märkten passiert.
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Der Metro-Konzern hat einen potenziellen Käufer für seine Tochter Real gefunden, doch die Zukunft der Supermarktkette mit rund 34 000 Beschäftigten bleibt ungewiss. Metro-Chef Olaf Koch versicherte zwar am Donnerstag, dass ein „Kern“ des Unternehmens erhalten bleiben solle. Doch er ließ keinen Zweifel, dass es unter dem neuen Eigentümer zu signifikanten Veränderungen kommen werde.

Metro hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sich von der angeschlagenen Supermarktkette trennen zu wollen. Am Mittwochabend gab der Konzern dann bekannt, in exklusive Verkaufsverhandlungen mit einem Konsortium um den Immobilieninvestor Redos eingetreten zu sein. Dazu gehören nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch der Einkaufscenter-Betreiber ECE und das Bankhaus Morgan Stanley. Die Verhandlungen sollen im Sommer abgeschlossen werden.

Redos habe „das überzeugendste Konzept für die Neuausrichtung von Real vorgelegt“, sagte Koch. Er kündigte gleichzeitig an, Metro werde als Minderheitsaktionär noch drei Jahre beteiligt bleiben und Fachwissen im Einzelhandel zur Verfügung stellen.

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Einzelheiten zur Zukunft von Real nannte Koch jedoch nicht. Er könne nicht sagen, wie viele Filialen es in fünf Jahren noch geben werde. „Aber die Zahl wird sich verändern“, räumte der Manager ein. „Es wird zu Abgaben kommen. Das ist auch wirtschaftlich vernünftig.“ Aktuell betreibt die Kette 279 Märkte. Vier davon liegen in der Region Hannover: in Hannover-Linden, Garbsen, Hemmingen und Altwarmbüchen.

Real ist seit Jahren ein Sanierungsfall

In informierten Kreisen hieß es am Donnerstag, dass ein Großteil der Läden an Wettbewerber wie Edeka, Rewe, Globus oder Kaufland abgegeben werden könnte. Viele von ihnen hatten Interesse an der Übernahme von Teilen des Filialnetzes signalisiert. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) soll die Drogeriekette Rossmann daran interessiert sein, Teile der Standorte zu nutzen, gemeinsam mit Supermärkten. Rossmann wollte sich dazu auf Anfrage am Donnerstag nicht äußern.

Der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg beurteilte die Zukunftsaussichten von Real denn auch eher skeptisch: „Dass Real jetzt als Ganzes an Redos verkauft werden soll, ist keine Garantie, dass das Unternehmen auch auf Dauer erhalten bleibt.“ Die schlechte wirtschaftliche Lage lasse erahnen, dass die Kette zerschlagen werde. Das neue Real sei vielleicht eher eine Zwischenlösung zur verlustmindernden Abwicklung der verbliebenen Filialen.

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Redos war kein Wunschkandidat

Der Real-Betriebsratsvorsitzende Werner Klockhaus sagte, ein Immobilieninvestor als Käufer sei nicht der Wunschkandidat der Beschäftigten gewesen. Doch wolle man kein voreiliges Urteil fällen. „Ein Investor, der Real erhalten will, bekommt alle Hilfe von uns Arbeitnehmervertretern. Ein Investor, der einen schnellen Profit haben möchte und die Arbeitsplätze meiner Kollegen gefährdet, der wird keine Freude an uns haben.“

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Real gilt seit Jahren als Sanierungsfall: Die oft auf der grünen Wiese liegenden Riesenmärkte entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Immer mehr Verbraucher kaufen lieber im eigenen Viertel ein, statt am Wochenende für einen Großeinkauf ins Auto zu steigen.

Um wieder attraktiver zu werden, hat Real ein Markthallenkonzept entwickelt, das auf gastronomische Angebote setzt – wie eine eigene Kaffeerösterei und vor den Augen der Kunden zubereitete Lebensmittel. Es bekam in der Branche viel Lob, wurde jedoch wegen der hohen Kosten bislang nur in wenigen Filialen umgesetzt.