Wegen Mikroplastik: Umweltschützer wollen SUVs verbieten

  • Nach Ansicht von Umweltschützern sind SUVs für einen beträchtlichen Teil des Mikroplastiks in Deutschland verantwortlich.
  • Das könnte am Reifenabrieb liegen - der bei großen Autos mit breiten Reifen tendenziell größer ist.
  • Die Verbände fordern deshalb ein Verbot und noch zahlreiche weitere Maßnahmen.
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Berlin. Umweltverbände haben drastische Maßnahmen vorgeschlagen, um die "Plastikflut" mit ihren enormen Folgen für Umwelt und Klima zu stoppen. Sie legten am Dienstag 15 Forderungen an die Bundesregierung vor - von denen eine auf den ersten Blick überrascht. Denn die Umweltschützer haben Mikroplastik ins Visier genommen, dass beim Reifenabrieb entsteht. Und weil das bei SUVs besonders häufig vorkomme, wollen die Umweltschützer die Stadtgeländewagen nun verbieten.

Durch Reifenabrieb fallen den Verbänden zufolge jedes Jahr tausende Tonnen Mikroplastik an. Wie die "Welt" berichtet, deckt sich das mit Zahlen des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik: Mit 330.000 Tonnen jährlich sei der Abrieb von Reifen in Deutschland der größten Verursacher von Mikroplastik in der Umwelt.

Daran hätten schwere SUV einen erheblichen Anteil, sagte BUND-Experte Rolf Buschman. Die Umweltverbände sind außerdem für die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gewichtsreduzierungen bei Kraftfahrzeugen.

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20 Cent Aufpreis für Plastiktüten?

Auch fordern die Umweltschützer eine zusätzliche Abgabe auf Verpacken. Angemessen sei für besonders umweltschädliche Einwegartikel wie Plastiktüten, Einwegplastikflaschen und Kaffeebecher wird ein Betrag von mindestens 20 Cent. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte zudem, Plastikflaschen oder Getränkekartons müssten verboten werden. Über Getränkeverpackungen hinaus müssten verbindliche Mehrwegquoten auch für Verkaufs-, Transport- und Versandverpackungen festgelegt werden.

Gefordert wird außerdem, ein Ziel zur Abfallvermeidung bis 2030 festzulegen. Deutschland müsse in diesem Punkt deutlich nachbessern, heißt es in einem Papier. In Deutschland seien die Mengen an Verpackungsmüll von Jahr zu Jahr gestiegen, auf 227 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Für Verpackungsabfälle sollte ein Abfallvermeidungsziel von maximal 90 Kilo pro Kopf und Jahr ab 2030 festgelegt werden. "Die Zukunft ist unverpackt", sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser.

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Schadenshaftung nach dem Verursacherprinzip

Weitergehend müsse es eine gesetzliche Schadenshaftung nach dem Verursacherprinzip geben. Hersteller sollen für Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschäden ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden. Zu den Forderungen zählt auch, den Einsatz von nicht rückholbaren Kunststoffgranulaten in Belägen von Sport- und Spielplätzen zu verbieten. Die Verbände wollen außerdem einen Stopp von Plastikmüllexport. Osteuropa und Südostasien seien mittlerweile die Müllkippe für Plastikabfälle aus Deutschland und der ganzen Welt, sagte Kaiser.

"Plastik überschwemmt mittlerweile unsere Umwelt – und ist heute eines der sichtbarsten und größten ökologischen Probleme", heißt es in einem Papier, das am Mittwoch in Berlin vorgelegt wurde. Beteiligt daran sind unter anderem Greenpeace, der BUND und die Deutsche Umwelthilfe. Sie alle fordern eine Abkehr von der Wegwerfkultur.

Lob von der Ministerin, Kritik von der Industrie

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, sie finde es grundsätzlich gut, dass es solch eine Initiative gebe. Sie sehe darin Rückenwind für die Arbeit des Ministeriums. "Wir werden die gängigsten Plastikartikel, die sich bei uns an den Stränden wiederfinden, jetzt verbieten." Ein Gesetz zum Verbot von Plastiktüten befinde sich im parlamentarischen Verfahren. Nach dem Gesetzentwurf sollen künftig an Deutschlands Ladenkassen Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff verboten werden. Dabei geht es um die typischen Tüten, die man im Supermarkt oder anderen Geschäften beim Bezahlen bekommt und die in aller Regel inzwischen etwas kosten.

Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kritisierte die Forderungen der Verbände als kontraproduktiv: "Während die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland mit Hochdruck für eine stärkere Kreislaufwirtschaft arbeiten, sind einige Lobbygruppen leider beim "Plastik-Bashing" stehengeblieben", so Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann.

RND/dpa

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