Umstrittener Dax-Aufsteiger: Das ist die “Deutsche Wohnen”

  • Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen zieht am 22. Juni in den Dax ein.
  • Mieterverbände erwarten einen steigenden Kostendruck durch Investoren.
  • Das Unternehmen kämpft unterdessen mit fehlenden Einnahmen durch den Mietendeckel in der Hauptstadt.
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Die Deutsche Wohnen hat den Sprung in die erste deutsche Börsenliga geschafft, ab dem 22. Juni wird das Unternehmen im Dax gelistet. Für den Immobilienkonzern ist das eine Adelung. Die Mieter allerdings fürchten, dass es künftig noch mehr um Profit gehen wird. Der Spagat zwischen dem Recht auf Wohnen und Gewinnmaximierung beschäftigt das Unternehmen seit Jahren.

Aber der Reihe nach: Der Konzern Deutsche Wohnen hat bundesweit rund 162.000 Wohnungen. Damit ist die Deutsche Wohnen der zweitgrößte deutsche Immobilienkonzern nach Vonovia mit rund 350.000 Wohnungen. Vonovia ist seit fünf Jahren im Dax gelistet. Den Großteil ihrer Wohnungen hat die Deutsche Wohnen in Berlin – insgesamt 116.000 Einheiten.

Tausende Mieten müssen gesenkt werden

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Deshalb ist der Mietendeckel, der im Februar in Berlin eingeführt wurde, für das Unternehmen ein großes Problem. Laut der Verordnung sind die Mieten in der Hauptstadt zunächst auf dem Stand vom Juni 2019 eingefroren und dürfen ab 2021 höchstens um 1,3 Prozent jährlich steigen. Was für die Mieter ein Grund zur Freude ist, schränkt den Immobilienkonzern ein.

Im November muss die Deutsche Wohnen in der Folge Tausende Mieten in Berlin senken. Laut Gesetz sind dann Bestandsmieten zu reduzieren, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. “Hiervon sind circa 30 Prozent unserer Berliner Mietverhältnisse betroffen”, sagte Vorstandsmitglied Lars Urbansky am Freitag bei der Hauptversammlung.

Die Deutsche Wohnen rechnet in diesem Jahr mit Mietausfällen von 9 Millionen Euro durch das Berliner Gesetz, im nächsten Jahr sollen es 30 Millionen Euro werden. Zum Vergleich: Bundesweit hatte der Konzern im vergangenen Jahr Mieteinnahmen in Höhe von rund 862 Millionen Euro. Künftig stehen bei Neubauprojekten deshalb auch süddeutsche Städte wie München und Stuttgart im Fokus, wo es keinen Mietendeckel gibt.

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Im Dax steigt der Kostendruck

Durch den Einzug in den Dax steigt außerdem der Kostendruck weiter an, erwartet der Deutsche Mieterbund. Die Deutsche Wohnen werde noch stärker in den Fokus internationaler Investoren rücken. Diese erwarteten hohe Dividenden. “Für Mieter ist es daher kein Grund zur Freude”, sagte Sprecherin Jutta Hartmann.

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Auch der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, befürchtet: “Leistungen minimieren, Einnahmen erhöhen, das mag an der Börse erfolgreich sein, für die Nutzer der Wohnungen ist diese Devise jedoch mangelhaft.” Er kritisiert hohe Mieten bei Wiedervermietung, Betriebskostengewinne durch interne Tochterunternehmen, niedrige Instandsetzungsinvestitionen und Einsparungen beim Personal.

Demonstranten fordern Enteignung

Die Kritik in der Berliner Bevölkerung ging sogar so weit, dass eine Bürgerinitiative mit dem Namen “Deutsche Wohnen enteignen” mehr als 70.000 Unterschriften sammeln konnte. Außerdem kam es im vergangenen Jahr zu Großdemos in Berlin.

Zehntausende Menschen demonstrieren 2019 für die Enteignung von Wohnungsunternehmen wie der Deutschen Wohnen in Berlin.

Das Unternehmen gibt sich verantwortungsbewusst und verweist auf einen Corona-Hilfsfonds des Unternehmens im Umfang von 30 Millionen Euro. “Bis heute haben uns etwa 1400 Anfragen besorgter Mieter erreicht”, sagt Vorstandschef Michael Zahn. Er verspricht: “Wir übernehmen Verantwortung für Mitarbeiter, Mieter und selbstverständlich unsere Aktionäre.”

mit dpa


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