Umfrage: Jeder Zehnte hat einen Kredit gestundet

  • Die Corona-Krise hat für viele Menschen gravierende Folgen.
  • Jobverlust und Kurzarbeit führen zu finanziellen Nöten.
  • Jeder Zehnte gab in einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform an, die Ratenzahlung für einen Kredit ausgesetzt zu haben.
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Infolge der Corona-Pandemie verzeichnen hochgerechnet 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland Einkommenseinbußen. Das ergibt eine Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung und Boniversum. „Auffällig ist, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betrifft, die ein dünneres Finanzpolster haben als Gutverdiener“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Rund drei Viertel der betroffenen Befragten fehlten demnach bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Weniger Geld für den Konsum

Vor allem die steigende Arbeitslosigkeit und die weiter hohen Zahlen bei der Kurzarbeit sind der Auslöser für den Einkommensverlust. Die Menschen hätten aber bereits ihr Konsumverhalten geändert, erläutert Stephan Vila, Geschäftsführer von Boniversum. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten.

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“Fast jeder Dritte (28 Prozent) ist sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können”, ergänzt Vila. Gut jeder Zehnte gab bei der Umfrage sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

Sparneigung nimmt zu

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Damit bestätigt die jüngste Creditreform-Umfrage Aussagen aus der Bankenbranche vom Sommer: Schon im Juli hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Karl von Rohr, in einem Interview gesagt, dass immer mehr Privatkunden der Deutschen Bank wegen der Corona-Krise ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

Weil das Geld knapp(er) wird, nimmt in Deutschland nun die Sparneigung zu: Der Rotstift wird demnach bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck angesetzt, während die Verbraucher bei Ausgaben für Medikamente, Altersvorsorge oder auch für Haustiere keine Abstriche machen wollen.

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Trotz der Sparbemühungen kommt es den Experten zufolge darauf an, wie lange die Haushalte auf Einbußen verzichten müssen, um nicht in eine Überschuldung zu geraten. Wirtschaftsexperte Hantzsch sagt: "Sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechnen wir mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher.”

Eine Umfrage des Safe-Instituts, der Marktforscher von Nielsen sowie des Lehrstuhls für Finanzen und Ökonomie an der Universität Frankfurt aus der vergangenen Woche kam zudem zu dem Ergebnis, dass sich vor allem die Situation von Selbstständigen sowie derjenigen, die in besonders von der Pandemie betroffenen Branchen wie Handel, Verkehr oder Gastgewerbe arbeiten, verschlechtert habe.

Experten rechnen mit Anstieg der überschuldeten Verbraucher

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Besonders brisant werden laut dem Creditreform-Experten nun die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben worden ist. Die Folge seien nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Auswirkung auf die Verbraucherinsolvenzen bleibt abzuwarten.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 60.832 Verbraucherinsolvenzen eröffnet. Die meisten davon gab es in Nordrhein-Westfalen (15.254), gefolgt von Niedersachsen (9.029) und Bayern (5.239). Die wenigsten verzeichneten Bremen (795) und das Saarland (1087).

RND/casc

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