Umfrage: Effekt der Mehrwertsteuersenkung wohl eher gering

  • Die Senkung der Mehrwertsteuer sollte die Menschen in Deutschland zum Kaufen motivieren.
  • Doch tut sie das wirklich? Eine Umfrage lässt daran Zweifel aufkommen.
  • Demnach planten nur wenige Menschen in Deutschland zusätzliche Anschaffungen.
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Welchen Effekt hatte die Mehrwertsteuersenkung? Vollständig beantworten lässt sich diese Frage wohl erst Mitte 2021, sagen Experten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in einer neuen Studie. Trotzdem haben die Forscher schon einmal erste Indizien gesammelt. Sie beruhen auf einer im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführten Onlineumfrage, an der Ende Juni rund 6300 Erwerbstätige ab 16 Jahren teilnahmen.

Seit dem 1. Juli beträgt die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr statt 19 Prozent nur noch 16 Prozent – beziehungsweise wie etwa bei Lebensmitteln 5 statt 7 Prozent. Die Erwartung, die mit der Steuersenkung verknüpft war: Die Menschen in Deutschland kaufen wieder mehr, ziehen größere Anschaffungen vielleicht auch vor und helfen so der Wirtschaft beim Aufstieg aus dem tiefen Corona-Tal.

Mehrheit plante keine Anschaffungen

Das Ergebnis der Befragung ist allerdings eher ernüchternd: “Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von der temporären Mehrwertsteuersenkung eher ein begrenzter Impuls für die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu erwarten ist”, heißt es in dem Bericht. Es gebe zwar Hinweise darauf, dass die Steuersenkung dazu führen könnte, dass Verbraucher in Deutschland Anschaffungen vorziehen, doch diese Effekte seien “relativ schwach ausgeprägt”. So gaben zum Beispiel 74,9 Prozent der Befragten an, dass sie infolge der Mehrwertsteuersenkung keine Anschaffungen planen. 14,4 Prozent wollen eigentlich für später geplante Ausgaben vorziehen. Und nur 3,2 Prozent wollen eine eigentlich nicht geplante Anschaffung tätigen.

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Allerdings muss berücksichtigt werden: Die Befragung klopft Absichten ab. Informationen über die Höhe zusätzlicher oder verschobener Ausgaben gebe es leider nicht, und damit “lässt sich aus diesen Zahlen keine Aussage über die tatsächliche Größe des konjunkturellen Effekts der Steuersenkung machen”, schreiben die Autoren.

Größere Wirkung durch den Kinderbonus

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Dafür ausschlaggebend ist unter anderem, inwiefern die erklärte Absicht mit dem tatsächlichen Verhalten übereinstimmt. Zu einem Sinneswandel könnte es etwa kommen, wenn viele Haushalte merken, dass die Unternehmen – entgegen ihrer Erwartung – die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich weitergeben. Genau daran zweifeln nämlich viele Befragte zum Befragungszeitpunkt noch: 58,2 Prozent gehen davon aus, dass die Steuersenkung nur teilweise weitergegeben werde. 34,6 Prozent gehen sogar davon aus, dass sie gar nicht weitergegeben wird.

In ihrem Fazit nehmen die Autoren jedoch an, dass der Effekt des Kinderbonus im Vergleich größer sein dürfte. Denn 80 Prozent der Befragten geben an, mit der Einmalzahlung ihren Konsum kurzfristig zu erhöhen und zumindest teilweise mehr auszugeben. Doch das Volumen des Bonus sei mit 4,3 Milliarden Euro im Vergleich zu den für die Steuersenkung geplanten 20 Milliarden gering, schreiben die Autoren. “Eine andere Gewichtung der Maßnahmen im Konjunkturpaket – etwa ein höherer Kinderbonus oder eine großzügigere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes – hätte nach diesen Ergebnissen zu einem größeren konjunkturellen Impuls geführt.”

RND/asu

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