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Folgen des Kriegs gegen die Ukraine

Autofabriken stehen in Ost und West still

VW-Fahrzeuge stehen bei einem Händler in St. Petersburg zum Verkauf. Volkswagen setzt sein Russland-Geschäft wegen des Krieges gegen die Ukraine aus.

VW-Fahrzeuge stehen bei einem Händler in St. Petersburg zum Verkauf. Volkswagen setzt sein Russland-Geschäft wegen des Krieges gegen die Ukraine aus.

Hannover. Die Autoindustrie spürt die Folgen des Ukraine-Kriegs jetzt doppelt: Das Geschäft in der Region ist praktisch lahmgelegt, und der Mangel an wichtigen Zulieferteilen aus der Ukraine bremst die Produktion in westlichen Werken. Nach Mercedes hat auch der VW-Konzern angekündigt, das Geschäft in Russland zu stoppen.

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„Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs hat der Konzernvorstand entschieden, die Produktion von Fahrzeugen in Russland bis auf Weiteres einzustellen“, teilte VW mit. Der Verkauf der Autos war schon in der vergangenen Woche gestoppt worden – noch in der Hoffnung, ihn bald wieder aufnehmen zu können.

Mercedes hatte bereits am Mittwoch angekündigt, „bis auf Weiteres den Export von Pkw und Vans nach Russland sowie die lokale Fertigung in Russland“ einzustellen. Das Unternehmen hat erst vor drei Jahren sein erstes russisches Werk eröffnet. Auch BMW hat die kleine Montage in Kaliningrad stillgelegt und den Export nach Russland gestoppt, Toyota hat die Produktion in St. Petersburg eingestellt.

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Daneben hat der weltgrößte Lkw-Bauer Daimler Truck seine Russland-Aktivitäten inklusive der Kooperation mit dem Panzerwagen­­hersteller Kamaz vorerst eingestellt, und auch die VW-Tochter MAN liefert keine Lkw mehr.

Bisher ist nur ein vorläufiger Stopp geplant

VW produziert bereits seit 2009 in Kaluga, wo sich viele westliche Konzerne angesiedelt haben. Im vergangenen Jahr bauten dort etwa 4000 Beschäftigte die Modelle VW Tiguan und Polo sowie Skoda Rapid. Außerdem gibt es in Nischni Nowgorod ein Gemeinschaftswerk mit dem russischen Gaz-Konzern.

In beiden Fabriken steht die Produktion, auch der Export nach Russland sei gestoppt. Alle Hersteller sehen ihre Schritte allerdings als vorläufige Maßnahmen. Von einer dauerhaften Aufgabe des Engagements in Russland ist bisher nicht die Rede.

Renault ist in Russland am stärksten engagiert

Weitaus stärker als die deutschen Marken ist der französische Renault-Konzern mit seinen Partnern Nissan und Mitsubishi in Russland engagiert. Die Gruppe ist mit gut einem Drittel Marktanteil nicht nur größter Anbieter im Land. Renault ist außerdem Mehrheitseigentümer des bekanntesten russischen Autoherstellers Avtovaz mit der Marke Lada.

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Die Lada-Fabrik in der Wolga-Stadt Togliatti ist die größte Autofabrik Russlands. Renault-Chef Luca de Meo hatte vor Beginn der Invasion in der „Financial Times“ erklärt, dass Sanktionen zur Einstellung der Produktion dort führen könnten. Seitdem hat er sich aber nicht mehr geäußert.

Der zum Renault-Konzern gehörende russische Hersteller Avtovaz baut unter anderem den Lada Niva.

Der zum Renault-Konzern gehörende russische Hersteller Avtovaz baut unter anderem den Lada Niva.

Der russische Markt galt einmal als große Wachstumshoffnung. Weil der Staat den Autoimport mit hohen Zöllen bremste, bauten viele westliche Hersteller und Zulieferer Fabriken dort. Die großen Hoffnungen haben sich aber nie erfüllt. Nach der Annexion der Krim 2014 und den folgenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland ist das Geschäft sogar deutlich geschrumpft.

Russland ist eher Sanierungsland als ein vielversprechender Markt für die Autoindustrie.

Ferdinand Dudenhöffer,

Center Automotive Research

Nach Zahlen des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg wurden 2012 knapp 3 Millionen Autos in Russland verkauft, etwa so viele wie in Deutschland. Seit 2014 pendelt die Zahl um 1,6 Millionen, und nun dürfte sie nach der Schätzung von CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer um ein weiteres Drittel schrumpfen – im „optimistischen Szenario“. Schon vor dem Einmarsch in die Ukraine sei Russland für die Autoindustrie „eher Sanierungsland als ein vielversprechender Markt“ gewesen.

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Stillstand wegen fehlender Kabelbäume

Während die russischen Autofabriken vor allem für den dortigen Markt produzieren, beliefern Zulieferer von der Ukraine aus westliche Fabriken. So hat der Nürnberger Leoni-Konzern mit Beginn der Kämpfe die Produktion von Kabelbäumen in zwei Fabriken eingestellt.

Auch andere Kabelbaum­hersteller sind dort betroffen. Die Montage von Kabelbäumen ist personalintensiv, deshalb wurde sie an Niedriglohnstandorte verlegt. Die Branche versucht nun fieberhaft, Ersatz zu organisieren, denn die Verkabelung ist für die jeweiligen Modelle maßgeschneidert, und ohne sie geht nichts.

Weitere Preissteigerungen und noch längere Lieferzeiten dürften die Folge sein.

Peter Fuß,

EY-Automobilexperte

Die Folgen spüren mehrere Hersteller in ihren deutschen Werken. So werden die BMW-Werke in München, Dingolfing und Steyr sowie die Mini-Produktion in Oxford und in den Niederlanden nächste Woche wegen Teilemangels stillstehen. Der VW-Konzern musste die Produktion in Leipzig, Zwickau, Wolfsburg und Hannover herunterfahren. Für das hannoversche VW-Werk, das den Multivan baut, wurde Kurzarbeit angemeldet, vom 14. bis 25. März stehen die Bänder komplett still. In den polnischen Werken von VW Nutzfahrzeuge gehe ab 10. März nichts mehr.

Die Branche befinde sich nach der Pandemie nun im dritten Krisenjahr, erklärte Peter Fuß, Automobilexperte der Unternehmensberatung EY. Eine baldige Erholung sei nun noch unwahrscheinlicher geworden. „Weitere Preissteigerungen und noch längere Lieferzeiten dürften die Folge sein.“ Wie schnell Ersatzlieferungen für fehlende Kabelbäume organisiert werden können, kann BMW nicht abschätzen. CAR-Chef Dudenhöffer hält den Aufbau einer neuen Fertigung etwa in Rumänien innerhalb von drei bis sechs Monaten für machbar.

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