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Energielieferungen aus Russland

Ukraine-Krise: Die Preise steigen, aber die Versorgung ist gesichert

Eine Anlage zur Gasaufbereitung von Gazprom (Symbolfoto).

Eine Anlage zur Gasaufbereitung von Gazprom (Symbolfoto).

Frankfurt. Der Ölpreis kratzt an der magischen Marke von 100 Dollar pro Fass. Erdgas verteuert sich zeitweise um mehr als 14 Prozent. Das waren am Dienstag die unmittelbaren Folgen der Eskalation im Ukraine-Konflikt. Experten erwarten, dass die Energiepreise über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau verharren werden. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

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Die Notierungen für niederländisches Erdgas, das für den europäischen Markt maßgeblich ist, bewegten sich am Dienstag im Takt der Eilmeldungen zum Ukraine-Konflikt. Als die EU‑Kommission zur Mittagszeit harte Sanktionen ankündigte und die Bundesregierung die Genehmigung für die Gaspipeline Nord Stream 2 auf Eis legte, ging die Kurve steil nach oben. Eine Megawattstunde des Brennstoffs kostete an der Londoner Energiebörse (ICE) zu diesem Zeitpunkt mehr als 81 Euro. Vor einem Jahr waren es rund 17 Euro gewesen.

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Hohe Preise sind das eine. Aber was passiert, wenn die Lieferungen aus Russland von einem Tag auf den anderen komplett ausfallen? Kerstin Andreae, Chefin des Energiedachverbandes BDEW, verweist auf Sicherungsmechanismen in Europa. „In jedem Fall sind Haushaltskunden und verschiedene Einrichtungen durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt“, sagte Andreae dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Deutschland beziehe überdies Erdgas auch aus weiteren Lieferländern wie Norwegen oder den Niederlanden. „Zudem besteht die Möglichkeit, in gewissem Umfang zusätzliche Flüssiggasmengen beispielsweise aus den USA zu beziehen.“ Ferner würden sich die EU‑Staaten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen.

Russland hat Gaslieferungen stark reduziert

Unterdessen berichtete die staatlich kontrollierte russische Nachrichtenagentur Tass am Dienstag: „Russland plant, die ununterbrochene Belieferung mit Erdgas fortzusetzen.“ Das gelte auch für andere Rohstoffe, inklusive verflüssigtem Erdgas (LNG). Dies habe Präsident Wladimir Putin in einem Grußwort für eine Energiekonferenz in Katar erklärt.

Allerdings zeigen Analysen der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, dass Russland seit dem Spätsommer vorigen Jahres seine Gasexporte in die EU massiv zurückgefahren hat. Dabei wurde mehrfach der langjährige Mindestwert unterschritten. In der vorigen Woche war es 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ferner hat der Staatsmonopolist Gazprom seine Gasspeicher in der EU vor dem Beginn des Winters nicht wie üblich aufgefüllt. Dies wird von Experten als Hauptgrund für die extrem hohen Gaspreise genannt.

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Zu den guten Nachrichten gehört indes, dass nach den Bruegel-Daten die Versorgung mit dem flüchtigen Brennstoff dennoch gesichert ist. Die Einfuhren von LNG, das unter anderem aus den USA und aus den Arabischen Emiraten kommt, wurden massiv gesteigert. Auch Andreae betont: „Aktuelle Berechnungen der Bundesregierung zeigen, dass Deutschland voraussichtlich auch dann über den Winter kommt, wenn Russland seine Erdgaslieferungen komplett einstellen würde. Die Situation wäre also schwierig, aber sie ist zu meistern.“

Die BDEW-Chefin sagt aber auch: „Mittelfristig ist der Aufbau erneuerbarer Energien ebenso bedeutsam wie eine diversere Lieferstruktur für Wasserstoff.“ Letzterer soll künftig mittels Ökostrom erzeugt und als Ersatz für Erdgas eingesetzt werden.

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Zum Rohöl: Die Referenzsorte Brent kletterte am Dienstag bis auf gut 99 Dollar pro Fass (159 Liter). Nach Ansicht der Experten des Energieberatungsunternehmens FGE steht es für die nächsten Monate Spitz auf Knopf beim Ölpreis. Er könne nun sehr schnell die Marke von 100 Dollar überspringen. Und ein zusätzliches Plus von 10 Dollar sei möglich, falls auch noch Sanktionen auf russische Ölexporte verhängt würden. Für Autofahrer und Hausbesitzer mit Ölheizungen bedeuten die Eskalationen also weiter steigende Preise.

Ein Faktor ist dabei die wachsende Nachfrage im Zuge des Abflauens der Pandemie. Zugleich haben Vertreter des Förderkartells Opec+, dem auch Russland angehört, Anfang der Woche deutlich gemacht, dass sie von ihrem eingeschlagenen Kurs nicht abweichen wollen. Das bedeutet, dass die Förderung bis September im monatlichen Rhythmus um 400.000 Fass täglich erhöht werden soll.

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Allerdings hat Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), kritisiert, dass die Opec-Staaten ihre selbst gesteckten Vorgaben gar nicht erreichen. Die hohen Preise sind genau das, was die Opec+ mit ihrer restriktiven Strategie, die seit gut anderthalb Jahren läuft, erreichen wollen. Russland ist einer der Hauptprofiteure. Öl und Gas sind die wichtigsten Einnahmequellen für den Staatshaushalt.

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