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Übernahmen im Halbleitersektor: Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar möglich

  • In keiner anderen Branche geht es so rasant zu wie bei den Computerchips.
  • Die Technologie entwickelt sich in großen Sprüngen.
  • Und fast noch schneller vollzieht sich das Fressen-und-gefressen-Werden von Unternehmen – und dabei mischt auch noch Donald Trump kräftig mit.
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Frankfurt am Main. Die Experten des Finanzdienstleisters Bloomberg haben hochgerechnet, dass in diesem Jahr ein neuer Rekord bei den Übernahmen im Halbleitersektor geschafft werden kann – trotz oder vielleicht gerade wegen der Pandemie. Ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar kann zusammenkommen, wenn der jüngste Megadeal unter Dach und Fach gebracht wird. Die US-Firma Advanced Micro Devises (AMD) will den Rivalen Xilinx für 30 Milliarden Dollar übernehmen.

Details sind noch unklar, in dieser Woche sollen sie laut Bloomberg verhandelt werden. Dabei hat AMD mit knapp 2 Milliarden Dollar eigentlich gar nicht genug Geld in der Kasse, um den Deal zu stemmen. Mutmaßlich sollen die Xilinx-Aktionäre mit AMD-Aktien bezahlt werden. Das zeigt aber schon, wie dringlich für Lisa Su, AMD-Chefin, die Angelegenheit ist.

5G-Ausbau und Homeoffice: Halbleiter im Aufschwung

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Halbleiter sind so etwas wie der Rohstoff der Digitalisierung. Und da ist eine enorme Dynamik am Werk. Zwei Felder stehen im Fokus: erstens Halbleiter für den Mobilfunk – in Anbetracht des globalen Ausbaus der Mobilfunknetze mit dem neuen 5G-Standard, der die Übertragungsgeschwindigkeiten von Bits und Bytes erheblich beschleunigen wird und damit viele neue Anwendungen möglich macht. Zweitens der Boom beim Cloud Computing, also der Nutzung von Daten und Programmen, die in Rechenzentren gespeichert und über das Internet abgerufen werden, was durch Corona und Homeoffice noch zusätzlichen Auftrieb bekommen hat.

In beiden Fällen hat Xilinx etwas zu bieten. Vor allem programmierbare Chips (FPGAs), die in den Netzen der Mobilfunkanbieter eingesetzt werden – mittels Software können die Funktionen der Bauteile verändert werden, und zwar nachdem sie installiert wurden.

Inzwischen werden diese Halbleiter auch in Servern (Computer, die in Rechenzentren stehen) eingesetzt, um beispielsweise Rechenkapazitäten zeitweise zu steigern. Größter Konkurrent ist hier der Branchenprimus Intel, der das Geschäft mit der Hardware für Rechenzentren dominiert. Marktforscher rechnen damit, dass die Bereiche Cloud und 5G in den nächsten Jahren noch einmal einen massiven Schub bekommen werden.

Übernahmefieber – für teils 40 Milliarden Dollar

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Entsprechend viele Wettbewerber von AMD stehen in den Startlöchern. Der Konkurrenzkampf wird sich verschärfen. Das hat die gesamte Branche in ein Übernahmefieber versetzt. Zumal zahlreiche Gerätehersteller wie Apple die Entwicklung und Fertigung der Chips selbst in die Hand nehmen wollen. Die spektakulärste Transaktion war in diesem Jahr bislang die Übernahme der britischen Firma Arm durch Nvidia für rund 40 Milliarden Dollar, die vor wenigen Wochen besiegelt wurde.

Nvidia wurde durch Hochleistungs-Grafikprozessoren für Spielekonsolen bekannt und ist inzwischen dabei, sein Angebot deutlich auszubauen. Arm ist einer der wichtigsten Chipdesigner weltweit. Die Firma aus Cambridge hat insbesondere Bauteile für Smartphones entwickelt, die schnell rechnen können und dabei wenig Strom verbrauchen.

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Münchener mischen in den USA mit

Auch die hiesige Nummer eins, Infineon, macht beim großen Übernahme-Monopoly mit. Die Münchner kauften im Frühjahr die US-Firma Cypress für 9 Milliarden Dollar. Ein Spezialist für das sogenannte Internet der Dinge, das bei vernetzten Fahrzeugen und vernetzten Maschinen aller Art eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird. Mit dem Deal sind die Münchner nach eigenen Angaben zum wichtigsten Halbleiterlieferanten für die Autobranche geworden, und sie haben ihre Präsenz in den USA deutlich gestärkt.

Das ist wichtig. Denn die Halbleiterbranche wird nach wie vor von US-Unternehmen dominiert. Doch China, wo schon ein Drittel aller Chips verbaut wird, holt auf.

Huawei vs. Trump zeigt das Ausmaß des „Chipskriegs“

Präsident Trump setzt aber alles daran, den Spitzenplatz zu verteidigen. Seit Monaten diskutieren die Experten über die Folgen von dem, was längst „der große Chipkrieg“ genannt wird. Die US-Regierung hat heimischen Firmen strenge Restriktionen bei Geschäften mit Huawei auferlegt. Diese Firma gilt nicht nur als regierungsnah und äußerst intransparent. Sie ist vor allem der mit Abstand größte Techkonzern in der Volksrepublik.

Huawei darf mittlerweile noch nicht einmal mehr mit Fertigungstechnik beliefert werden, die in den USA entwickelt wurde. Ganz zu schweigen von Chips für Smartphones. Die chinesische Medien- und Marktforschungsfirma Hurun hat gerade hochgerechnet, dass der Wert von Huawei durch die US-Sanktionen von umgerechnet 180 Milliarden Dollar auf 160 Milliarden Dollar geschrumpft sei.

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Die Chinesen hatten massiv auf Bauteile aus den USA gesetzt. Einer der wichtigsten Zulieferer von 5G-Chipsätzen war Qualcomm, wobei der US-Konzern aber auch massiv unter dem Embargo leidet. Das zeigt, wie vertrackt die Geschäfte im Halbleitersektor sind, in den sich die Politik immer wieder einmischt. Deshalb wird derzeit bei allen Übernahmen deutlich gemacht, dass man das Portfolio der Produkte erweitern und die Widerstandsfähigkeit gegen Verwerfungen erhöhen wolle. Ähnliches dürfte demnächst auch von AMD zu hören sein. Bislang hat sich das Management aber nicht zum Xilinx-Deal geäußert.

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