Fast ein Milliarde Euro Minus: Tui streicht 8000 Stellen weltweit

  • Tui ist als weltgrößter Tourismuskonzern schwer von der Corona-Pandemie gebeutelt.
  • Das wichtige Sommergeschäft soll trotz vieler Einschränkungen aber zumindest in Teilen noch gerettet werden.
  • Ohne Jobabbau wird es aber beim Dax-Konzern nicht gehen.
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Hannover. Der Tui-Konzern steht nach den üblichen Verlusten im Winter vor einer extrem schwierigen Sommersaison 2020 und will mehrere Tausend Jobs abbauen. Wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Krise müsse man die Verwaltungskosten beim größten Reiseanbieter der Welt um 30 Prozent drücken, sagte Vorstandschef Fritz Joussen am Mittwoch zur Vorlage der Zahlen für das abgelaufene erste Geschäftshalbjahr in Hannover. "Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen."

Im Sommer muss Geld verdient werden

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Zahlreiche Beschäftigte musste Tui Deutschland schon in Kurzarbeit schicken, für viele gilt die Regelung bis in den September. Um die Einnahmeeinbußen abzufedern und Liquidität zu sichern, bekommen die Hannoveraner über die staatliche Förderbank KfW zur Überbrückung der Krise einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro. Dieser stockt eine schon bestehende Kreditlinie im Wert von 1,75 Milliarden Euro auf.

Von Oktober bis März war das bereinigte Ergebnis von Tui vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro abgerutscht. Verluste in dieser Zeit sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt im laufenden Jahr aber besondere Probleme: Im März musste Tui sein Programm zunächst einstellen, weltweit gibt es weiter Reisebeschränkungen, das Sommerprogramm ist nur zu 35 Prozent ausgebucht.

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Die Saison startet später

Der Konzern hofft, in den kommenden Monaten möglichst große Teile der fast komplett eingestellten Aktivitäten wieder aufzunehmen. In welchen Ländern die Kunden ab wann Urlaub machen können, ist aber vielerorts noch unklar.

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Weltweit gibt es weiter Reisebeschränkungen, das Sommerprogramm der Hannoveraner ist derzeit nur zu 35 Prozent ausgebucht. “Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern”, meinte Joussen. Genaueres ist noch schwer zu sagen. Bisher sind bei Tui Deutschland alle Reisen bis zum 14. Juni abgesagt.

Joussen hatte bereits eine Verschärfung des internen Sparkurses angedeutet. Nun werden die Pläne konkret. "Die Tui soll gestärkt aus der Krise hervorgehen", erklärte er. "Aber sie wird eine andere Tui sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie."

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TUI streicht 8000 Stellen
0:54 min
Der Reiseanbieter TUI reagiert auf die Einnahmeeinbrüche in der Corona-Krise mit drastischen Maßnahmen.

Zehn-Punkte-Plan für Aufnahme des Hotelbetriebs

Den Hotelbetrieb will Tui mit einem Zehn-Punkte-Plan schrittweise wieder aufnehmen. Dieser sieht zum Schutz vor Infektionen zum Beispiel vor, dass Kunden online einchecken können, Abstandsregeln greifen oder die Kapazitäten von Restaurants und Teilnehmerzahlen von Sport- und Unterhaltungs-Events verringert werden.

Urlaub in Deutschland dürfte bald wieder leichter möglich sein. Für Ferienwohnungen oder Campingplätze gibt es bereits Lockerungen. Ganz ohne Einschränkungen wie geringere Gästezahlen dürfte der Betrieb aber unrealistisch sein. Auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern sollen die ersten Tui-Hotels in den kommenden Tagen wieder öffnen.

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Joussen geht aber generell von einer Erholung aus: “Sommerurlaub in Europa kann jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden – verantwortungsvoll und mit klaren Regeln. Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern.” Die Wiederaufnahme des Geschäfts werde vorbereitet. Eine genauere Prognose traut sich der Konzern aber nicht zu.

Tui versucht zudem, die Kunden schon auf die Hauptsaison 2021 einzustimmen. Der Flugplan für Mitte kommenden Jahres wurde freigeschaltet.

An der Börse gehört die Tui-Aktie zu den bisher größten Verlierern der Corona-Krise. In den vergangenen sechs Monaten verlor der Aktienkurs mehr als 70 Prozent. Mitte Februar notierte das Papier noch über der 11-Euro-Marke, aktuell liegt der Kurs bei 3,17 Euro.

RND/dpa

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