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  • Tui: Rückkehr zu Vor-Corona-Niveau? Omikron könnte Reise-Stimmung wieder senken

Tui: Fluchtreflexe und Geld, das locker sitzt

  • Der Reisekonzern Tui will im nächsten Sommer wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren.
  • Kunden buchen inzwischen teurere Hotels und längere Urlaubsreisen.
  • Doch in diesem Jahr gab es einen weiteren heftigen Rückschlag.
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Franfkfurt/Main. Die Touristik gilt als Gute-Laune-Branche. Und die Manager haben den Ruf, Berufsoptimisten zu sein. Tui-Chef Fritz Joussen hat dies am Mittwoch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die zentrale Aussage auf der Jahrespressekonferenz des weltgrößten Reisekonzerns: „Wir erwarten für den Sommer 2022 und die Hauptreisezeit die Rückkehr zu einem Buchungsniveau in etwa wie vor Corona 2019″, so Joussen. Dabei hat das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr unterm Strich einen Verlust von 2,5 Milliarden Euro eingefahren.

Joussen legte nach: Er könne sich nicht vorstellen, dass 2022 schlechter als 2021 laufe. Die Buchungen für Ostern seien schon fast wieder auf dem Vorkrisenniveau. Und: „Die Leute wollen verreisen und sind bereit, für ihren Urlaub relativ viel Geld auszugeben“, betonte Joussen, der eine erstaunliche Zahl nannte: Die für den kommenden Sommer gebuchten Reisen seien im Schnitt fast ein Viertel teurer als im Sommer 2019, also vor Corona. Viele wollen es sich richtig gutgehen lassen. Laut Tui-Chef werden längere Trips und höherwertigere Hotels gebucht: fünf statt vier Sterne für drei statt zwei Wochen.

Corona bringt einen Reiseschwung – und das Geld sitzt locker

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Das Geld sitzt offenbar locker. Diese Beobachtung deckt sich mit Einschätzungen von Volkswirten, die nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass sich im Zuge der Pandemie riesige Summen auf Girokonten angesammelt haben, da es vielen Verbrauchern schlicht an Gelegenheiten fehlte, um das Bare unter die Leute zu bringen.

Zudem sehen auch Trendforscher so eine Art Fluchtreflex: Pauschalreisende wollen dem tristen Alltag mit seinen Beschränkungen und Sorgen entfliehen – Corona als Ansporn und nicht als Hindernis für Urlaubsreisen. Wohl auch deshalb wirbt Tui derzeit unverdrossen. „Nachfrage zieht an: TUIfly nimmt täglich Kurs auf Kapverden“ hieß es kürzlich in einer Pressemitteilung. Oder: „Reiselust im Winter steigt weiter: Inseln in Südeuropa und Westafrika gefragt.“

Omikron könnte die Reise-Stimmung wieder senken

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Indes ist derzeit völlig offen, wie weit dies trägt. Niemand weiß, wie sich die neue Virus-Variante Omikron auf die Branche auswirken wird. Unklar ist, ob es wieder weitgehende Reisebeschränkungen geben wird und ob sich die Angst, irgendwo in der weiten Welt zu stranden, weil keine Flieger mehr fliegen, bei den potenziellen Touristen wieder durchsetzen wird. Auch Joussen musste - allem Optimismus zum Trotz – einräumen, dass die Entwicklung unsicher bleibe. Für das laufende Winterhalbjahr gebe es noch fast ein Drittel weniger Buchungen als im letzten Winter vor Corona.

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Der Manager hebt aber auch hervor, dass mit der höheren Zahl von Impfungen, mit den Booster-Spritzen und mit Covid-Medikamenten Voraussetzungen für steigende Nachfrage gegeben seien. Und das gelte besonders für den enorm wichtigen britischen Markt, der im vorigen Sommer noch durch strikte Quarantäne-Regeln für Rückkehrer gehemmt war.

Zahlen zeigen „wie sehr Tui kämpfen muss“

Wenn Joussen von Vorkrisenniveau in der warmen Jahreszeit spricht, dann meint er allerdings nur sein Unternehmen und nicht die gesamte Branche. Tui profitiert davon, dass sich der einst wichtigste Konkurrent bei den klassischen Pauschalreisen schon längst auf Nimmerwiedersehen abschiedet hat: Thomas Cook ging im Frühherbst 2019 pleite. Tui hat eine große Zahl der Kunden übernommen.

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Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr des Konzerns mit Sitz in Hannover sah es allerdings ziemlich finster aus. In der sommerlichen Hauptreisezeit wurde mit insgesamt 3,8 Millionen Gästen nur knapp die Hälfte des Vorkrisenniveaus erreicht. Der Umsatz in den drei Monaten (Juli, August, September) blieb mit knapp 3,5 Milliarden Euro ebenso unter den Erwartungen der Analysten wie das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit mit einem Verlust von 97 Millionen Euro.

Die aktuellen Zahlen zeigten, „wie sehr Tui kämpfen muss“, so die gar nicht optimistischen Experten der Anlegerplattform „Der Aktionär“. Börsianer sahen das am Mittwoch ähnlich. Die ohnehin schon arg gebeutelte Tui-Aktie verlor überdurchschnittlich stark um zeitweise mehr als sechs Prozent.

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Ohne Staatshilfen wäre Tui wohl pleite

Muss man sich Sorgen um Tui machen? Joussen beruhigt: Die Liquidität sei so stark, dass dies keine Rolle mehr spiele. Die Gruppe kann auf insgesamt 3,5 Milliarden Euro zurückgreifen. Dies setzt sich aus dem Geld in der Kasse und Kreditlinien zusammen, die Banken gewährt haben. Den Konzern hätte wohl wegen der Pandemie das gleiche Schicksal wie Thomas Cook ereilt, wenn der deutsche Staat nicht eingesprungen wäre und Kapital sowie Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Euro bereitgestellt hätte.

Davon nimmt das Unternehmen derzeit noch etwa 1,5 Milliarden in Anspruch. Darlehen von Banken in fast gleicher Höhe kommen hinzu. Joussen betonte, dass das Management nun darüber nachdenke, am Kapitalmarkt frisches Geld einzusammeln, um Staatshilfen zurückzuzahlen. Damit das gelingen kann, müssen die Investoren aber erstmal ebenso viel Optimismus wie der Tui-Chef entwickeln.

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