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Quartalszahlen

Trotz Inflation und Krieg: Versicherer Munich Re bleibt gelassen

Auch klimabedingte Naturkatastrophen lassen sich profitabel versichern.

Auch klimabedingte Naturkatastrophen lassen sich profitabel versichern.

München. Es herrscht Krieg. Hohe Inflation lässt Rezessionsängste keimen. Der Klimawandel sorgt für Überschwemmungen wie Dürren. Aber der Assekuranzriese Munich Re, der viele solcher Risiken versichert, bleibt gelassen wie lange nicht. „Wir haben ein sehr solides Kerngeschäft, unsere Prognose von 3,3 Milliarden Euro Jahresgewinn bleibt“, betonte Konzernchef Joachim Wenning zur Vorlage einer Zwischenbilanz in München. Das wären rund 400 Millionen Euro mehr Profit als 2021. Zum Halbjahr standen allerdings erst knapp 1,4 Milliarden Euro Gewinn zu Buche. Wenning glaubt an ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr, weil das Kerngeschäft in Form des Verkaufs von Versicherungspolicen immer besser läuft.

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Prämien steigen lang anhaltend

Denn dort steigen die Prämien anhaltend und das auch bereinigt um Inflationseffekte. Schadensträchtige Zeiten erhöhen die Nachfrage nach entsprechenden Policen und sind gut für Versicherer. Weniger positiv sieht es zumindest kurzfristig für die zweite Gewinnquelle aus. Das sind Kapitalanlagen. Auf knapp eine Milliarde Euro hat sich das Kapitalanlageergebnis der Münchner im ersten Halbjahr 2021 halbiert, vor allem auch wegen Abschreibungen auf Aktien im Zuge fallender Märkte.

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Aber das ist nur ein kurzfristiger Effekt. Viel wichtiger für einen großen Kapitalanleger wie die Munich Re ist es, dass die Inflation mit wieder steigenden Zinsen einhergeht. „Erstmals seit langer Zeit legen wir Geld jetzt wieder zu höheren Renditen an, als wir im Bestand haben“, jubiliert Munich-Re-Finanzchef Christoph Jurecka. 2,8 Prozent erhielt die Munich Re zuletzt im Schnitt für Neuanlagen, 2,7 Prozent waren es nach langen Jahren von Niedrigzinsen zuletzt noch im Bestand gewesen. Mit den jüngsten Zinsschritten von Zentralbanken dürften sich Anlagezinsen spürbar weiter erhöhen. Bis sich das in den Bilanzen großer Versicherer wie der Munich Re sichtbar widerspiegelt, ist es nur eine Frage der Zeit.

„Jetzt ist die Zeit, Chancen zu nutzen“

Im Kerngeschäft mit Versicherungen wiederum vertrauen die Münchner auf ihre Risikoexpertise. Bei Policen gegen Schäden durch Naturkatastrophen weitet die Munich Re ihr Geschäft nun wegen des gestiegenen Prämienniveaus aus. „Historisch ist das einer unserer profitabelsten Bereiche“, betont Wenning.

Für Laien klingt das angesichts hoher Schäden durch klimabedingte Naturkatastrophen widersprüchlich. Aber Versicherungsprofis wissen, wie viel Prämie sie für Überschwemmungs- oder Dürrerisiken brauchen, um Geld zu verdienen. Dazu kommt, dass die Munich Re nicht unbegrenzt haftet, sondern Limits festlegt. Für das zweite Halbjahr steht für Großrisiken jedenfalls noch ein Budget von satten 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Auch das erklärt die Gelassenheit der Münchner Versicherungsmanager.

Ein weiterer Grund dafür ist das Abflauen von pandemiebedingten Schäden auf in diesem Jahr voraussichtlich noch 300 Millionen Euro. In den ersten beiden Pandemiejahren wurden Milliardenbeträge fällig. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wiederum belastet die Munich Re zum Halbjahr mit verkraftbaren 200 Millionen Euro. Ein Hauptgrund für diese Kosten sind Leasingflugzeuge, die Russland nicht mehr an westliche Leasinggeber zurückgibt und die deshalb zum Versicherungsfall geworden sind. Risikoexperten inspirieren solche Situationen eher. „Jetzt ist die Zeit, Chancen zu nutzen“, findet jedenfalls Wenning.

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