Trotz Corona: Kaeser sieht Siemens auf Kurs

  • Trotz Corona-Krise sind die Umsätze von Siemens stabil geblieben.
  • Die Überschüsse sind nur leicht gesunken, der Auftragseingang ist um ein Zehntel geschrumpft.
  • Grund genug für den scheidenden Konzernchef Joe Kaeser, optimistische Klänge anzuschlagen.
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Verluste und ein Ringen um Liquidität durchziehen derzeit die Bilanzen vieler Unternehmen. Auch bei Siemens ist der Quartalsüberschuss von April bis Juni um über die Hälfte auf eine gute halbe Milliarde Euro eingebrochen. Dennoch stieg die Aktie der Münchner um gut 4 Prozent. “Wir halten erfolgreich Kurs”, meinte auch der scheidende Konzernchef Joe Kaeser bei seinem wohl letzten Auftritt als bestimmender Mann im Haus.

Die positiven Urteile sind gerechtfertigt, blickt man auf das digitale Siemens-Kerngeschäft. Das hat seine operative Marge im dritten Quartal von einem Sondereffekt begünstigt von 12,6 auf 14,3 Prozent gehievt. Für die Energiegeschäfte aber, die diesen Herbst als Siemens Energy an die Börse sollen, stehen 451 Millionen Euro Quartalsverlust zu Buche.

Knapp 5 Milliarden Euro – Siemens-Überschüsse leicht gemindert

Die beiden Siemens-Konzerne, deren Wege sich in wenigen Wochen weitgehend trennen werden, marschieren also in komplett unterschiedliche Richtungen. Während bei Siemens Energy nicht nur das Geschäft mit fossilen Kraftwerken in einer tiefen Strukturkrise steckt und die Windenergie als vermeintlich glorreiche Zukunft derzeit tiefrote Zahlen liefert, schreibt das Siemens-Stammhaus mit seinen Digitalgeschäften und der Bahntechnik satte Gewinne.

Nach neun Monaten des bis 30. September laufenden Geschäftsjahrs 2019/2020 belaufen sich die Siemens-Überschüsse leicht gemindert gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf knapp 5 Milliarden Euro. Die Umsätze sind mit 42 Milliarden Euro praktisch konstant geblieben. Im dritten Quartal wurden 2,5 Milliarden Euro positiver Cashflow im Kerngeschäft erwirtschaftet. Am ehesten ist die Corona-Krise noch am Auftragseingang ablesbar, der nach neun Monaten um ein Zehntel auf gut 44 Milliarden Euro geschrumpft ist. Herausgerechnet sind aus diesen Werten allerdings die Verluste und Rückgänge bei Siemens Energy, deren Börsengang sich wie die Bildung einer Bad Bank ausnimmt.

Historische Spaltung bei Siemens

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Zusätzlich unterstrichen wird die nahe Spaltung in eine gute und eine schlechte Siemens durch die geplante Übernahme des US-Konzerns Varian durch die Siemens-Medizintechniktochter Healthineers. Mit mutmaßlich 14 Milliarden Euro ist es der teuerste Zukauf aller Siemens-Zeiten. Der Konzern, der sich unter Einschluss der bereits seit zwei Jahren an der Börse notierenden Siemens Healthineers nun in drei aufspaltet, steht fraglos vor einer historischen Weichenstellung, was sich auch im Spitzenpersonal widerspiegelt.

Kaeser-Nachfolger Roland Busch steht mehr als in den Startlöchern. Kommenden Februar soll der 55-Jährige formal neuer Konzernchef werden. Sein Küchenkabinett hat er jetzt bereits vollendet. Schon bekannt war die Bestellung der vom Spezialchemiekonzern DSM abgeworbenen Judith Wiese als neue Siemens-Personalchefin, die für diesen Posten Buschs erste Wahl gewesen sein soll.

Roland Busch wird Joe Kaeser beerben und neuer Siemens-Chef. © Quelle: Peter Kneffel/dpa

Neues Führungsteam unter Leitung von Busch

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Nun hat der Konzern bekannt gegeben, dass Anfang Oktober Cedric Neike die Führung der enorm profitablen Digitalgeschäfte übernehmen soll. Auch ihn schätzt Busch dem Vernehmen nach sehr. Der amtierende Bereichschef Klaus Helmrich geht in Ruhestand. Chef des Geschäfts mit smarten Infrastrukturen, das Neike bislang leitet, wird Matthias Rebellius, der dort schon im Vorstandsrang agiert. “Damit ist das Führungsteam komplett”, kommentierte Busch diese Personalien.

Er hätte auch “mein Führungsteam” sagen können. Aus der Ära Kaeser wird damit perspektivisch nur noch Finanzchef Ralf Thomas auf seinem Posten übrig bleiben. Auf die Frage, wer Siemens ab Oktober mit dem Start ins neue Geschäftsjahr 2020/2021 de facto leitet, hatte Kaeser eine klare Antwort. “Roland ist in der Verantwortung.” Siemens schlägt demnächst in jeder Beziehung ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte auf.

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