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Tourismusbranche zieht Bilanz nach Corona-Sommer: “Hurra, wir leben noch”

  • Zahlreiche Urlauber haben den diesjährigen Sommer in hiesigen Regionen verbracht.
  • Deutsche Tourismusbetriebe haben deshalb die Krise bislang besser überstanden als befürchtet.
  • Dennoch herrscht angesichts der kommenden Monate in vielen Betrieben Unsicherheit.
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Lübeck. Der Corona-Sommer 2020 hat in vielen Tourismusorten einen weniger großen Schaden angerichtet als zunächst befürchtet. Die Auslastungszahlen im Sommer seien vor allem in den touristischen Hochburgen ähnlich stark gewesen wie in den Jahren zuvor, sagt die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH), Bettina Bunge. Doch die Bilanz fällt nicht durchgängig positiv aus. Einige Orte, Regionen und Betriebe hätten zu kämpfen. “Vor allem im Städtetourismus sowie im Tagungs- und Kongressgeschäft fehlt es noch an Umsätzen und Gästen”, sagt sie.

Die Küstenorte an Nord- und Ostsee gehören mehrheitlich zu den Gewinnern dieses Sommers - zumindest, was die Umsätze angeht. "Nach dem Ende der Einreisebeschränkungen am 18. Mai waren die Gäste sofort wieder da", sagt beispielsweise Olaf Dose-Miekley, Direktor des Hotels "Strandidyll" im Ostseebad Grömitz im Kreis Ostholstein. Die Buchungslage sei bis in den Dezember hinein gut. Neben den wegen der Pandemie verschobenen Reisen gebe es auch viele zusätzliche Buchungen, sagt er.

Mehr Buchungen für Herbst und Winter

Diese Tendenz bestätigt auch Bunge. “Wir registrieren eine spürbare Verlängerung der Saison, viele Betriebe melden mehr Buchungen für Herbst und Winter als in den Vorjahren”, sagt sie. “Insgesamt erwarten wir bei den Buchungen ein Jahresergebnis, dass nur etwa fünf bis zehn Prozent unter dem des sehr guten Vorjahres liegt”, sagt die TASH-Geschäftsführerin. 2019 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Schleswig-Holstein knapp 36 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mehr als zehn Betten registriert.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Lage stabilisiert. Es gebe eine starke Nachfrage nach Zielen im Nordosten, sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. In manchen Regionen gebe es aktuell sogar eine überproportional gute Auslastung, die bis zu 100 Prozent gehe. “Gleichwohl bleibt die Lage unsicher und wir schauen mit Bangen auf die kommenden Monate”, sagte Woitendorf. Ein Wiederaufflammen der Pandemie könnte manchen Unternehmer erneut in eine schwierige Situation bringen.

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Auf einen “goldenen Herbst” setzt auch der Präsident des Dehoga Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz. Dabei seien die Herbstferien selbst wie in den Vorjahren immer gut gebucht. “Mit guten Temperaturen ist ein gutes Geschäft verbunden”, sagte er mit Blick auf die Lage der Gastronomie. Dabei sei zu beachten, dass immer mehr Gäste außerhalb der Ferienzeit wegen der unsicheren Pandemielage nur noch kurzfristig buchen. “Wir können nicht mehr so weit vorausschauen wie früher.”

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Probleme bei Betrieben im Binnenland

Der Hotel- und Gaststättenverband Schleswig-Holstein bewertet die Situation der Betriebe differenziert. "Es kommt ganz auf den Standort an", sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Stefan Scholtis.

"Häuser in der ersten Reihe machen inzwischen wieder gute Umsätze, doch schon Betriebe in der zweiten Reihe und erst recht solche im Binnenland haben oft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen", sagt er. Einige von ihnen machten derzeit nur 20 bis 40 Prozent ihrer normalen Umsätze. Langfristig rechnet der Verband deshalb damit, dass bis zu 30 Prozent der gastronomischen Betriebe aufgeben müssen.

Davon sind die meisten Hotels und Gaststätten in den Tourismushochburgen weit entfernt. Vor allem im Juli und August war der Gästeansturm so groß, dass die von der Landesregierung vorgegebenen Corona-Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten. Die Folge: Nordseeinseln ließen keine Tagesgäste einreisen, in Scharbeutz und Timmendorfer Strand mussten einzelne Strandabschnitte zeitweise gesperrt werden.

Bunge glaubt jedoch nicht, dass das dem Image des Tourismuslands Schleswig-Holstein geschadet hat. “Wir haben ja durch diese Maßnahmen unseren Gästen und vor allem auch den Touristikern und Bewohnern vor Ort ein sicheres Gefühl gegeben”, sagt die Chefin der Landesmarketingorganisation.

Hoteldirektor Dose-Miekley jedenfalls ist mit der Saison 2020 zufrieden. Zwar sei die Wirtschaftlichkeit des Hotels, zu dem auch ein Restaurant und mehr als 70 Ferienwohnungen gehören, trotz guter Umsätze in diesem Jahr schlechter als in den Vorjahren. "Wir werden deshalb - wie auch andere Betriebe - geplante Investitionen zurückstellen und auf unsere übliche Winterpause verzichten, da wir bereits viele Buchungen für diese Zeit haben", sagt er. "Doch im Großen und Ganzen können wir sagen: Hurra, wir leben noch."

RND/dpa

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