Das Toilettenpapier ist wieder da – doch der Markt leidet noch immer

  • Obwohl Hamsterkäufe glücklicherweise der Vergangenheit angehören, kämpfen Toilettenpapierhersteller mit den Folgen der Corona-Krise.
  • Die Pandemie hat den Markt aufgewirbelt.
  • Für viele reichen günstige Hygieneartikel nicht mehr aus. Der Trend geht zum Luxusklopapier.
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Hannover. Ein Jahr ist es her, dass sich eine zunächst ungeahnte Folge der Corona-Pandemie in Form von leeren Regalen in den Supermärkten Deutschlands zeigte: der Run auf Toilettenpapier. Wochenlang beherrschten Hamsterkäufe den Markt, viele Filialen führten Regeln, etwa die Beschränkung auf maximal zwei Packungen, ein. Andere versuchten es mit einem Aufschlag für diejenigen, die mehr kauften als nötig.

In einem Rewe-Supermarkt in Rostock mussten Kunden im Frühjahr 2020 für Toilettenpapier einen Corona-Aufschlag zahlen. © Quelle: Dietmar Lilienthal

Und auch im Oktober erfuhr der Hype ein Hoch – nicht in den Dimensionen des Frühjahrs 2020, doch aber spürbar.

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Noch heute macht sich die gähnende Leere in den Regalen bemerkbar – zwar nicht mehr beim Verbraucher, doch bei den Herstellern. Die Krise hat den Markt umgekrempelt. Während die einen sich am starken Umsatz erfreuen, leiden die anderen unter Einbußen. Zwei deutsche Produzenten erwägen sogar, Mitte März die Kurzarbeit einzuführen, berichtet die „Lebensmittelzeitung“. Der Grund: 20 Prozent weniger Umsatz nach den Hamsterkäufen des vergangenen Jahres.

Wie die Corona-Krise den Markt für Toilettenpapier prägt

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„Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, auch was den Absatz von Toilettenpapier betrifft“, sagt Michaela Wingefeld, Sprecherin des Unternehmens Essity, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Normalerweise unterliege die Nachfrage keinerlei Schwankungen: Ein Verbraucher benötigt etwa zwei Rollen pro Woche. „Im letzten Jahr bewegte sich der Absatz von Toilettenpapier allerdings in einem Zickzackmuster.“

Doch die aktuellen Einbrüche der Nachfrage, die mehrere Unternehmen gegenüber der „Wirtschaftswoche“ bestätigen, haben demnach andere Gründe als noch vor einem Jahr: Einerseits dominierten günstige Produkte aus dem Ausland die Regale, andererseits setzten die Deutschen im Homeoffice auf qualitativ hochwertiges Toilettenpapier. Produkte aus dem mittleren Preissegment fielen oftmals aus dem Raster. „Vor allem die Handelsmarken tun sich derzeit sehr schwer“, sagte ein Betrieb der „Wirtschaftswoche“.

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Im Hintergrund wiederum steigen die internationalen Zellstoffpreise: Sie zogen bereits im Dezember um 10 Prozent an.

Die Corona-Krise und der Trend zum Luxusklopapier

Ein Trend, den Wingefeld auch unabhängig von der Corona-Pandemie bestätigt: „Wir sehen bereits seit einiger Zeit, dass die Konsumenten stärker zu unseren Marken-hygieneprodukten von Zewa greifen.“ Außerdem steige die Nachfrage nach Recycling-Toilettenpapier. Ein Resultat dessen, dass der Markt sich derzeit auf den häuslichen Gebrauch beschränkt: „Vor allem das Geschäft mit Hygieneprodukten für den Außer-Haus-Bereich leidet“, sagt die Expertin.

Denn die Toilettenpapierindustrie ist, da üblicherweise selten Schwankungen entstehen, auf eine extrem stabile Nachfrage abgestimmt. Schließlich sind auch die Kosten hoch: Die Anlagen sind teuer in der Anschaffung und im Betrieb. Das Geschäft lohnt nur, wenn sie tatsächlich ausgelastet sind.

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Ist die Toilettenpapierversorgung jetzt stabil?

Aus Konsumentensicht stellt sich am Ende die große Frage: Kann das Toilettenpapier noch mal knapp werden? Die großen deutschen Handelsketten geben dahingehend Entwarnung. „Wir stehen im engen Austausch mit unseren Lieferanten und Logistikpartnern, um auf Nachfragen schnell eingehen zu können“, sagt ein Sprecher von Aldi Nord auf RND-Anfrage. Die Versorgungslage sei stabil.

„Alle Toilettenpapierhersteller haben mittlerweile eine gute Übung darin, Schwankungen auszugleichen und die Versorgung zu gewährleisten“, bestätigt auch Essity-Sprecherin Wingefeld. „Jeder Verbraucher kann selbst einen Beitrag leisten und nur so viel kaufen, wie Mann und Frau tatsächlich benötigen.“

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