Tödliche Keime in Wurst: Hausdurchsuchung bei Firmenchef

  • Nach Todesfällen wegen tödlicher Keime in Wilke-Produkten läuft eine groß angelegte Rückrufaktion an.
  • Verbraucherschützer halten die für unzureichend. Denn es könnte noch unerkannte Wurst des Herstellers auf dem Markt sein.
  • Der Fall scheint größer zu sein, als bisher angenommen.
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Korbach/Berlin. Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst wirft die Verbraucherorganisation foodwatch den Behörden und dem nordhessischen Wurstproduzenten „schwere Versäumnisse“ vor. Es sei inakzeptabel, dass noch immer keinerlei Angaben zu den Verkaufsstellen der zurückgerufenen Produkte gemacht worden seien, teilte die Organisation am Freitag mit. Auch gebe es bislang keine Liste der betroffenen Produkte. In Waren der nordhessischen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden.

Die "Bild" berichtet, dass mittlerweile Zivilbeamte das Haus des Firmenchefs durchsucht hätten. Zeitgleich sei auch das Firmengelände durchforstet worden. Laut der Zeitung wurden Akten und ein Laptop sichergestellt.

In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei „aufgrund der Daten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss gekommen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht“, sagte Hartmut Wecker, Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg. Der Kreis hatte den Betrieb am Dienstag geschlossen. Laut Wecker habe man schnell reagiert: „Da ist nicht lange abgewartet worden.“

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Wurde weiterhin Wilke-Wurst verkauft?

Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen, kritisierte foodwatch. So habe Wilke offenbar auch für Handelsmarken produziert. Daher reiche es nicht, ausschließlich Wilke als Hersteller der zurückgerufenen Produkte sowie das Identitätskennzeichen der Waren zu benennen. Den offiziellen Rückrufangaben zufolge wurden Wilke-Produkte beispielsweise auch als lose Ware in Wursttheken verkauft, heißt es bei Foodwatch weiter.

Mittlerweile hat auch der Großhändler Metro eine eigene Rückrufaktion für Wilke-Produkte gestartet. Wie Metro berichtet, gilt diese für sämtliche Produkte der Marke Wilke. Aber auch die Marken „Aro Pizzasalami“ und „Metro Chef Pizzasalami“ in den 1000-Gramm-Packungen sind laut Metro betroffen.

Widerspruch zu Behörden

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Das steht im Widerspruch zu früheren Schilderungen der Behörden. Diese hatten zuvor erklärt, eine Rückrufliste sei nicht nötig, da alle Produkte von Wilke als solche deklariert seien. Waren unter anderen Markennamen seien nicht bekannt.

Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung von Mittwoch alle Waren mit der Kennzeichnung DE EV 203 EG zurückgerufen. Produkte seien aber auch in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert worden. Laut Behörden wurden Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

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Foodwatch fordert nun Klarheit: „Wir erwarten von den hessischen Behörden eine Auskunft zu der Frage, ob die von Wilke belieferten Unternehmen direkt über den Rückruf informiert wurden. Das ist dringend geboten, damit Großküchen, Restaurants, Wursttheken oder Krankenhäuser die möglicherweise gesundheitsgefährdenden Produkte nicht weiter verbreiten“, sagte Geschäftsführer Martin Rücker.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Die Behörden erhofften sich am Freitag neue Hinweise auf die Keimquelle. Man warte auf den Bericht der Arbeitsgruppe, die den betroffenen Betrieb untersucht habe, sagte Wecker. In Wilke-Produkten waren mehrfach Listerien nachgewiesen worden.

Die Keime können für Personen mit schwachem Immunsystem lebensgefährlich sein. Es gibt 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Diese Zahl habe sich auch nach einem Aufruf der Verbraucherorganisation foodwatch an mögliche weitere Betroffene nicht erhöht, hieß es vom Kreis.

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Das Unternehmen Wilke Wurstwaren geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei vor mehr als 80 Jahren zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf seiner Homepage rund 200 Mitarbeiter und exportiert Waren weltweit.

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Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin. Dieser richte sich aber noch nicht gegen eine konkrete Person. Mittlerweile hat der Betrieb Insolvenz angemeldet.

RND/dpa/ka