Thyssenkrupp: Verkauf der lukrativen Aufzugssparte auf der Zielgeraden

  • Thyssenkrupp ist bekannt für Stahl – der meiste Gewinn kommt jedoch aus dem Geschäft mit Aufzügen.
  • Die Finanzlage des Konzerns spitzt sich zu: Im vergangenen Geschäftsjahr gab es ein Minus von 260 Millionen Euro.
  • Die lukrative Aufzugssparte soll verkauft werden. Die Verhandlungen laufen mit zwei Gruppen von internationalen Finanzinvestoren.
Anzeige
Anzeige

Essen . Bei dem in Finanznöten steckenden Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp rückt die Entscheidung über einen Verkauf der milliardenschweren Aufzugssparte näher. An diesem Donnerstag (27. Februar) kommt der Aufsichtsrat zu seiner wahrscheinlich entscheidenden Sitzung zu dem Thema zusammen.

Bieterrennen: Kone ist raus

Bis dahin will der Vorstand um die neue Konzernchefin Martina Merz klären, ob einer der beiden noch im Bieterrennen verbliebenen Bewerber den Zuschlag für das profitable Geschäft erhalten soll. Offen ist, ob Thyssenkrupp das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen komplett verkaufen oder einen Teil behalten will. Betroffen von einem Verkauf der Aufzugssparte wäre fast jeder dritte der weltweit rund 160.000 Beschäftigten von Thyssenkrupp.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Nachdem der finnische Aufzugbauer Kone aus dem Bieterrennen ausgestiegen ist, konzentriert sich das Thyssenkrupp-Management auf Verhandlungen mit zwei Gruppen von internationalen Finanzinvestoren. Das ist zum einem ein Konsortium aus Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan. Zur zweiten Bewerbergruppe um die Finanzinvestoren Advent und Cinven gehört auch die RAG-Stiftung aus Essen.

IG Metall will Tarifbindung erhalten

Die Stiftung muss für die Folgekosten des Bergbaus an Ruhr und Saar aufkommen und legt dazu Milliardenbeträge an. Ihr Vorsitzender Bernd Tönjes hat bei den Arbeitnehmervertretern für das Angebot des Advent/Civent-Konsortiums geworben. Die Stiftung würde als Miteigentümer dafür einstehen, “dass mögliche Optimierungen mit sozialer Verantwortung erfolgen”, sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Dass aus seiner Sicht Thyssenkrupp bei den Aufzügen “mit im Boot” bleiben sollte, dürfte bei der IG Metall ebenfalls gern gehört werden.

Anzeige

Die Gewerkschaft hat inzwischen mit beiden Konsortien Vereinbarungen für den Fall des Verkaufs geschlossen. Darin seien unter anderem der Erhalt der Tarifbindung und die Sicherung der Altersversorgung festgeschrieben, hatte die IG Metall mitgeteilt.

Thyssenkrupp: Aufzugssparte bringt Gewinn

Anzeige

Die Aufzugssparte ist derzeit der einzige nennenswerte Gewinnbringer des hoch verschuldeten Thyssenkrupp-Konzerns. Während das Stahl-Geschäft tief in den roten Zahlen steckt, hat die Aufzugssparte im ersten Quartal des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von 228 Millionen Euro erzielt. Bei einem Komplettverkauf werden Einnahmen von rund 16 Milliarden Euro erwartet.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Thyssenkrupp ein Minus von 260 Millionen Euro eingefahren. In diesem Jahr wird es nach Angaben des Managements deutlich höher ausfallen. Die Finanzschulden sind auf mehr als 7 Milliarden Euro gestiegen.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen