Thomas Cook ist endgültig pleite: Neckermann macht dicht

  • Der Insolvenzverwalter von Thomas Cook sieht offenbar keine Chance mehr für den einstigen deutschen Reisegiganten.
  • In der kommenden Woche werde der Veranstalterbereich mit den Marken Neckermann Reisen, Air Marin und Thomas Cook Signature eingestellt.
  • Zuvor waren Teile von Thomas Cook bereits verkauft worden.
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Das war’s. Das Ende des Reiseveranstalters Thomas Cook ist besiegelt. Nächste Woche sollen Kündigungen an etwa 1000 Beschäftigte des Oberurseler Unternehmens verschickt werden. Das ist knapp die Hälfte der früheren Belegschaft. Die Geschäfte der Veranstaltersparte mit den Marken Air Marin, Thomas Cook Signature und Neckermann Reisen, einst Kern des Unternehmens, werden in den nächsten Tagen endgültig eingestellt. Knapp zwei Monate lang hatte ein Team von vorläufigen Insolvenzverwaltern versucht, die Firma als Ganzes zu verkaufen. Zwar gab es zahlreiche Interessenten. „Aber viele sind vor der Größe des Unternehmens und den Kosten der Anlauffinanzierung zurückgeschreckt“, erläuterte Julia Kappel-Gnirs – die Rechtsanwältin gehört zu den Insolvenzverwaltern. Demnächst läuft das dreimonatige Insolvenzgeld aus, das die Bundesagentur für Arbeit für die Beschäftigten zahlt.

Immerhin ist es den Insolvenzverwaltern aber gelungen, für einen Teil der Gruppe Käufer zu finden. So wird die Gesellschaft, in der die Veranstalter Öger Tours (spezialisiert auf die Türkei) und Bucher Reisen (Last-minute-Experte) zusammengefasst sind, von der türkischen Tourismusgruppe Anex Tour übernommen. Die Öger-Tours-Geschäftsführerin Songül Göktas-Rosati betonte am Mittwoch, man arbeite nun auf Hochtouren, damit der Reisebetrieb so schnell wie möglich in den nächsten Wochen wieder aufgenommen werden kann. Sie hofft, Vertriebspartner und Kunden halten zu können.

Vielleicht bleibt die Marke Neckermann bestehen

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Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof übernimmt 106 der 126 Reisebüros von Thomas Cook – hier bestehen historische Beziehungen. Das Reiseunternehmen und die Warenhäuser gehörten einst zur Arcandor-Gruppe, die schon 2009 in die Pleite rutschte. Der neue Karstadt-Kaufhof-Eigner René Benko will nun mit dem Deal verstärkt ins Tourismusgeschäft einsteigen. Sein Unternehmen hat auch die E-Commerce Plattform Golden Gate erworben, die über IT-Lösungen und wertvolle Marktdaten im Tourismus verfügt. Thomas-Cook-Manager Carsten Seeliger hat den Warenhauskonzern als Wunschpartner bezeichnet, um über verschiedene Kanäle künftig weiter Reisen verkaufen zu können.

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An den Franchise-Sparten für Hotels (Sentido) und für Reisebüros (Holiday Land) hat die Rewe-Tochter DER Touristik Interesse. Grundsatzvereinbarungen wurden bereits unterzeichnet. Verhandelt wird außerdem über einen Verkauf einer Callcenter-Tochter in Bochum, die nicht von der Insolvenz betroffen war. Auch für die Marke beziehungsweise für den Markennamen Neckermann Reisen könnte es noch eine Zukunft geben. Schließlich ist er insbesondere für viele Ältere das Symbol für die Pauschalreise. Es soll mehrere Interessenten geben.

Werden weitere Stellen gestrichen?

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Die Insolvenzverwalter gehen davon aus, dass mit den Verkäufen zunächst einmal etwa die Hälfte der 2100 Stellen gerettet ist. Allerdings vermuten Branchenkenner, dass weitere Jobs gestrichen werden könnten, da die Konzernteile in bestehende Unternehmen integriert werden und dadurch viele Aufgaben zusammengelegt werden können.

Thomas Cook war einst hinter Tui der weltweit zweitgrößte integrierte Tourismuskonzern. Im September musste zunächst die britische Muttergesellschaft ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. Kurz darauf war auch der deutsche Ableger zum Gang zum Amtsgericht gezwungen. Ein Dominoeffekt. Die finanzielle Lage der Gruppe hatte sich im Laufe des Jahres immer weiter verschlechtert. Im extrem wichtigen Geschäft für den Sommerurlaub gingen auch hierzulande die Buchungen massiv zurück, auch weil vielfach in Reisebüros vor den finanziellen Risiken einer Urlaubsreise mit Thomas Cook gewarnt wurde. Ein nach der Insolvenzerklärung eingereichter Antrag für einen staatlichen Rettungskredit wurde – mangels Erfolgschancen – zurückgezogen.

Kunden erhalten wohl nur wenig Geld zurück

Die geplanten Urlaubsreisen des Konzerns für dieses und für nächstes Jahr wurden allesamt abgesagt. Das gilt auch für Urlaubstrips, die teilweise oder schon komplett bezahlt waren. Die betroffenen Kunden werden mutmaßlich nur einen kleineren Teil ihres Geldes zurückbekommen. Denn die Insolvenzversicherung bei der Zurich Versicherung deckte nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestsumme von 110 Millionen Euro ab. Zurich hat bereits mitgeteilt, dass die Forderungen weit darüber hinausgingen. Möglicherweise wird dies ein gerichtliches Nachspiel haben, da Verbraucherschützer davon ausgehen, dass Zurich sehenden Auges eine unzulängliche Versicherung abgeschlossen hat.

Eine Zerschlagung von Thomas Cook war indes von Experten schon länger erwartet worden. In der Branche ist der Wettbewerb hart. Zu den wertvollen Vermögensgegenständen des Unternehmens gehören Kundendaten und Kundenbeziehungen, die mit den Verkäufen der Veranstaltermarken weitergegeben werden. Die komplexen administrativen Einheiten sind für Konkurrenten weniger interessant, da sie selbst über eine Organisationen verfügen. Thomas Cook als Ganzes wäre deshalb nur für einen Neu-Einsteiger interessant gewesen – Finanzinvestoren waren zeitweise im Gespräch. Ihnen soll ein Deal zu riskant gewesen sein.

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Ein „trauriges Ende für Mitarbeiter und Kunden“

Laut Kappel-Gnirs wurde nach dem Insolvenzantrag am 25. September versucht, „unter hohem Zeitdruck eine Gesamtlösung für das Unternehmen zu finden“. Es sei eine Herkulesaufgabe gewesen. Dass sie erfolglos blieb, sei „ein trauriges Ende für Mitarbeiter und Kunden, denen wir keine Fortführungslösung im Ganzen bieten können“, sagte die Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook, Stefanie Berk.

Die Abwicklung des Unternehmens dürfte noch Jahre dauern. Das ordentliche Insolvenzverfahren soll in der nächsten Woche beginnen. Zu den Gläubigern dürften vor allem Hotelbetreiber gehören, die noch auf unbezahlten Rechnungen sitzen

Zur Cook-Gruppe gehörte auch der deutsche Ferienflieger Condor. Er hat ein sogenanntes Schutzschirmverfahren auf den Weg gebracht. Dadurch ist die Fluglinie vor Forderungen der Mutter geschützt. Derzeit wird nach einem neuen Eigentümer gesucht. Condor hat dabei den Vorteil, dass man über einen Staatskredit in Höhe von 380 Millionen Euro verfügen kann. Es soll zahlreiche Interessenten für die Airline geben

Hinweis: Der ursprüngliche Beitrag wurde durch einen ausführlichen Text unseres Korrespondenten ersetzt.

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