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Tesla erreicht einen Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar – aber warum?

  • Der US-Automobilhersteller Tesla hat seinen Aktienkurs in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt.
  • Die Investoren sind überzeugt, dass das technische Know-how den entscheidenden Vorsprung bringt.
  • Mittlerweile fürchtet sogar der Wolfsburger Konzern VW, von Tesla abgehängt zu werden.
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Das hat die Branche noch nicht gesehen. Innerhalb von nur drei Monaten hat der US-Autobauer Tesla seinen Aktienkurs mehr als verdoppelt. Das Unternehmen ist an der Börse mittlerweile mehr als 100 Milliarden Dollar wert. Es hat damit nicht nur die US-Konkurrenten Ford und General Motors, sondern nun auch Volkswagen beim Marktwert hinter sich gelassen. Viele Investoren und Analysten trauen der von Elon Musk gegründeten Firma noch viel mehr zu – obwohl sie noch nie in einem Geschäftsjahr Gewinne eingefahren hat.

Tesla wächst schnell

Der Höhenrausch der Aktie setzte im Oktober ein, als das Tesla-Management völlig überraschend für das dritte Quartal einen Profit von 143 Millionen Dollar meldete. Branchenkenner rieben sich verdutzt die Augen, weil der Elektroautobauer gleichzeitig riesige Summen investierte, und zwar in ein neues Werk inklusive Batteriefertigung in Shanghai. Mittlerweile haben die ersten Fahrzeuge die Fabrikhallen verlassen. Zugleich wurde klar, dass es den Managern gelungen war, die Effizienz in der Produktion zu steigern.

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Das alles könnte in naher Zukunft insbesondere in China, dem wichtigsten Land für E-Autos, den Absatz enorm in die Höhe treiben. Zumal 2020 oder 2021 das Model Y, ein kompakter Stadtgeländewagen, auf den Markt kommen soll. Darüber hinaus will Musk im Frühjahr eine neue Batteriegeneration vorstellen, die angeblich Reichweiten möglich macht, die kein anderer Autobauer schaffen kann. 2021 soll überdies das Geschäft in Europa mit der neuen Fabrik in Brandenburg ausgebaut werden.

Kürzlich teilte das Unternehmen mit, dass schon 2019 fast 370.000 Fahrzeuge ausgeliefert wurden, das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um gut 50 Prozent. Das wird von Experten als ein Signal gedeutet, dass Musk und seine Leute gerade dabei sind, Tesla nach vielen Rückschlägen doch noch von einem Nischenanbieter auf das Niveau eines Massenherstellers zu hieven. Dies ist ein maßgeblicher Grund dafür, dass Analysten reihenweise das Kursziel für den E-Auto-Bauer nach oben gesetzt haben – wobei die meisten mit ihren Erwartungen noch immer unter dem aktuellen Kurs liegen. Am Donnerstag kostete eine Aktie um die 570 Dollar.

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Investor Frank Thelen vergleicht Tesla mit Apple

Ist das alles nur eine maßlose Übertreibung? Schließlich wird der Autobauer Ende Januar abermals unter dem Strich tiefrote Zahlen melden. Im ersten Halbjahr gab es enorme Fehlbeträge, die mehr als eine Milliarde Dollar ausmachten. Hinter dem Optimismus der Anleger steckt indes eine Wette: Dass der E-Auto-Bauer das Geschäft mit dem Kraftfahrzeug komplett umkrempelt und dass die Konkurrenten – so groß sie auch sein mögen – da nicht mehr mitkommen werden.

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Zu den glühenden Musk-Fans zählt der deutsche Start-up-Investor und Tesla-Aktionär Frank Thelen. Er teilt mit einer Reihe von US-Experten die These, dass der entscheidende Know-how-Vorsprung nichts mit Achsschenkeln und Kühlerhauben und auch nichts mit Elektromotoren zu tun hat, sondern mit Software, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Thelen bemüht in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ das in der Technikszene beliebte Szenario des „iPhone-Moments“. Als 2007 das erste Smartphone von Apple präsentiert wurde, hatte es gegenüber der Konkurrenz einen derart großen Vorsprung, dass es Jahre dauerte, bis die Rivalen nachziehen konnten.

Ereilt VW das Schicksal von Nokia?

Die Tesla-Aktionäre wetten darauf, dass sich in der Autobranche dieser Mechanismus wiederholt. Daten sind dabei der wichtigste Rohstoff. Die sammelt Tesla mit jedem gefahrenen Kilometer jedes seiner Elektroautos. Und damit werden unter anderem Programme trainiert, die eines Tages autonomes oder autonomeres Fahren möglich machen sollen. Schon jetzt erhalten die Bordcomputer über Mobilfunk ständig Software-Updates. Thelen erwartet, dass Tesla nächstes Jahr sogar einen App-Store einrichtet, mit dem die Nutzer online mehr Leistung oder eine größere Beschleunigung kaufen können. Auch der Automobilwissenschaftler Stefan Bratzel attestiert Musks Firma eine hohe innovative Stärke, da der batterieelektrische Antrieb mit einer weit reichenden digitalen Vernetzung verknüpft werde. Dies rechtfertige die hohe Bewertung an der Börse.

Die alles entscheidende Frage bleibt aber: Wird sich der Umbau der Automobilindustrie tatsächlich nach dem Schema der Technologiebranche vollziehen? Zweifel sind angebracht. So gab es in der jüngeren Vergangenheit einige enttäuschende Meldungen zum autonomen Fahren. Zahlreiche hochgelobte Projekte wurden eingestellt. Dabei sollten in diesem Jahr eigentlich die ersten vollautomatischen Autos auf die Straßen kommen.

Viele Branchenkenner erwarten nun, dass es damit vor 2030 nichts mehr wird. Volkswagen und Co. bliebe dann reichlich Zeit, um den Vorsprung der Amerikaner aufzuholen. Gleichwohl hat Volkswagen-Chef Herbert Diess kürzlich seinen Führungskräften Teslas Potenziale vor Augen geführt und gewarnt, dass dem Wolfsburger Konzern das gleiche Schicksal wie dem Handyhersteller Nokia drohen könnte. Für die Finnen brachte der „iPhone-Moment“ den Untergang des Unternehmens.

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