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Nach Kurseinbruch: Wie geht es weiter mit Tesla?

  • Der Tech-Visionär Elon Musk besuchte vergangene Woche die Baustelle der neuen Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide.
  • Die Ambitionen des US-Elektroautobauers sind unverändert groß. An der Börse hat der Aktienkurs am Dienstag aber mehr als 20 Prozent nachgegeben.
  • Damit wurde an nur einem Handelstag ein Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar vernichtet.
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Stuttgart. Elon Musk war vergangene Woche auf Deutschland-Tour. Der Hype um den Besuch des Gründers und Unternehmenschefs des amerikanischen Elektroautobauers Tesla war groß. In den sozialen Medien war er eines der Topthemen. Zur gleichen Zeit hatte Elon Musk schon eine große Menge Geld verloren. Mit seinen Tesla-Aktien. Nun folgte diese Woche ein weiterer herber Rückschlag.

Massiver Ausverkauf der Tesla-Aktie

Am gestrigen Dienstag verlor der Aktienkurs von Tesla mehr als 20 Prozent. Damit wurde ein Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar vernichtet - dies ist mehr als die Marktkapitalisierung der beiden US-Konkurrenten Ford und General Motors zusammen. Mit dem Ausverkauf am Dienstag haben sich die Kursverluste für Tesla-Anleger innerhalb einer Woche auf mehr als 30 Prozent erhöht.

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Den schillernden Milliardär mag das nur wenig gestört zu haben, er verfügt zum einen über genügend Geld und hatte zum anderen mit seinem Aktienanteil seit März ein weiteres Vermögen erzielt. Anleger, die sich aber wiederum von dem Kurshype der vorausgegangenen Wochen und Monate haben anstecken lassen und den jüngsten Aktiensplit im August für einen optisch günstigen Einstieg genutzt haben, stehen zunächst einmal mit großen Verlusten im Aktiendepot da.

Auto-Anleger schichten im Depot um

Hinzukam am Dienstag, dass viele Anleger anscheinend im Depot umschichten: Während der Elektroautobauer eine Kapitalerhöhung abschloss, wechselten Anleger innerhalb der Branche für batteriebetriebene Fahrzeuge von Tesla zu Nikola.

Die Papiere von Nikola, einem Hersteller von elektrischen Nutzfahrzeugen, schossen am Dienstag um mehr als 40 Prozent nach oben. Sie wurden dabei befeuert vom Einstieg des Autoherstellers General Motors. Für Experte Joseph Spak vom Analysehaus RBC nehmen die Risiken hinsichtlich des Geschäftsmodells mit dem Gewinn eines weiteren starken Partners erheblich ab.

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Entsprechend ist eine der meist gestellten Fragen an der Börse derzeit, in wie weit es sich bei den jüngsten Kurseinbrüchen bei Tesla nur um eine Korrektur (die laut vieler Börsenexperten nach der Kurseuphorie fällig war) handelt oder ob doch mehr dahintersteckt.

Schwankungsreicher Aktienkursverlauf

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Wer schon länger Tesla-Aktionär ist, der weiß, wie schwankungsreich der Kursverlauf der Aktie sein kann. Bisher folgte aber nach jeder Korrektur im Anschluss eine umso kräftigere Rallye der Aktie. So zuletzt geschehen nach dem Corona-Crash im März, als der Aktienkurs deutlich abgestürzt war. Anschließend startete die Aktie eine Aufholjagd, die zwischenzeitlich ein Plus von mehr als 500 Prozent verbuchte.

Größter Tesla-Aktionär reduziert Beteiligung

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Am vergangenen Freitag gab es jedoch eine Schlappe, mit der viele Tesla-Anleger nicht im geringsten gerechnet hatten. Die Tesla-Aktie wird nicht wie erwartet in den breiten amerikanischen S&P 500-Aktienindex aufgenommen. Nachbörslich sorgte diese Nachricht in New York für einen weiteren Kursrutsch von mehr als 6 Prozent.

Dem vorausgegangen waren bereits Nachrichten, die an der Börse nicht selten zu Verlusten führen. Laut der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg hat der bisher größte Tesla-Aktionär, Baillie Gifford, seine Beteiligung an dem Unternehmen reduziert. Der Investor hielt Ende August einen Anteil von 4,25 Prozent an Tesla, nach 6,32 Prozent im Juni.

Analysten raten teilweise zum Verkauf

Nach Ansicht vieler Aktienexperten rechtfertigen die Fundamentaldaten von Tesla überhaupt nicht den derzeitigen Aktienkurs. Die Analysten der DZ-Bank halten die Tesla-Papiere bereits für ambitioniert bewertet. Auch Independent Research ist skeptisch und hat zuletzt die Einstufung auf “Verkaufen” belassen.

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Was Analysten vielfach als Grund für eine verhaltene Skepsis gegenüber Tesla ansehen, ist das Argument, dass zwar der US-Konzern derzeit über eine starke Marke verfüge und auch die Markt- und Technologieführerschaft innehat, doch die Konkurrenz von BMW, Daimler, VW und Co. dürfte stärker werden.

So sieht das auch die Autobranche selbst. Der Automobilkonzern Volkswagen ist beispielsweise aus der Sicht von Betriebsratschef Bernd Osterloh auf einem guten Weg, sich gegen den Elektroauto-Pionier Tesla zu behaupten. “Inzwischen sind wir mittendrin in der Elektrifizierung unserer Flotte”, sagte Osterloh der Zeitung “Welt am Sonntag”. Er sehe gute Chancen, dass VW den US-Hersteller Tesla bei den Stückzahlen und bei der Software überholen könne.

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Elon Musk besucht zukünftige Tesla-Fabrik in Brandenburg
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„Das wird die umweltfreundlichste Fabrik der Welt“, sagte Elon Musk bei seinem Fabrik-Besuch am Donnerstag.  © RND/MAZ

Deutsche Autobauer sehen sich auf gutem Weg

Osterloh erklärte mit Blick auf den amerikanischen E-Auto-Pionier: “Wenn Tesla drei Fabriken aufbaut, in denen man zwischen 300.000 und 500.000 Autos bauen kann, dann reden wir von einer Stückzahl zwischen 900.000 und 1,5 Millionen.” Der Betriebsratschef betonte: “Das wollen wir 2023 auch erreichen, wahrscheinlich schon früher. “VW habe mit dem modularen Elektrobaukasten einen großen Vorteil”, sagte Osterloh. “Darauf können wir beliebige Fahrzeuge aller Marken bauen.”

Die deutsche Autoindustrie muss sich auch nach Worten des IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann beim Bau von Elektroautos nicht vor dem US-Hersteller Tesla verstecken. “Tesla muss uns nicht zeigen, wie Elektroautos gehen”, sagte Hofmann der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Während Tesla hochsubventioniert seine Fabrik in Brandenburg gerade erst baut, wird 200 Kilometer südlich im Zwickauer VW-Werk bereits E-Mobilität produziert, in deutlich höheren Stückzahlen.” Die deutsche Autoindustrie sei in der Lage, nächstes Jahr 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge zu produzieren.

Auf solche Einschätzungen werden wohl richtige Tesla-Aktien-Fans kaum reagieren. Sie werden sich in der aktuellen Lage lieber daran erinnern, dass in der Vergangenheit der Kurs einer Aktie nach dem Split nicht selten wieder das Niveau von vor dem Split erreicht hat und dass es nach einer Korrektur auch wieder mit den Kursen aufwärts geht - die Frage ist nur: Wann.

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