• Startseite
  • Wirtschaft
  • Telekom-Prozess: Entschädigung für Aktionäre nach 20 Jahren - endlich ist Schluss

Telekom-Prozess: Endlich ist Schluss

  • Nach 20 Jahren gibt es endlich eine Einigung für geprellte Telekom-Aktionäre.
  • Die Aufarbeitung mit juristischen Mitteln hat sich als extrem vertrackt und zeitaufwendig erwiesen.
  • Aber der Magenta-Konzern und der Bund haben eine moralische Pflicht, Entschädigungen zu zahlen, kommentiert Frank-Thomas Wenzel.
|
Anzeige
Anzeige

Frankfurt/Main. Das hätte man auch früher haben können: Im Telekom-Prozess wird den geprellten Aktionären ein Vergleich angeboten. Sie bekommen den größten Teil des wirtschaftlichen Schadens erstattet. Wie bitte? Jüngere Zeitgenossen werden jetzt nur Bahnhof verstehen. Verständlich. Handelt es sich doch um ein Gerichtsverfahren von wahrhaft historischer Dimension.

Rückblende ins Jahr 2000: Die erste große Dotcom-Euphorie hatte ihren Höhepunkt bereits überschritten. Der Aktienkurs des teilstaatlichen Unternehmens Deutsche Telekom war längst auf dem absteigenden Ast. Dennoch wurde mit aller Macht der sogenannte dritte Börsengang durchgezogen. Und das Papier rauschte danach immer tiefer in den Keller. Tausende Kleinanleger waren stinksauer, weil sich innerhalb weniger Monate ihr Investment weitgehend pulverisiert hatte. Sie zogen vor Gericht, wollten ihr Geld zurück.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter “Der Tag”.
Anzeige

Ein bizarres Verfahren folgt

Es folgte eines der bizarrsten Verfahren der deutschen Rechtsgeschichte. Schon zu Prozessbeginn wurde damals vielen Beobachtern klar, dass der vorgelegte Fall mit Paragrafen kaum zu bewältigen ist, dass es enorm vertrackt wird, der Telekom so etwas wie vorsätzliche Täuschung nach juristischen Kriterien nachzuweisen. Kein Wunder, dass das Verfahren 20 Jahre gedauert hat, dass sich im Lauf dieser Zeit das Oberlandesgericht Frankfurt und der Bundesgerichtshof mit divergierenden Bewertungen der hochkomplexen Sachverhalte heftig ineinander verhakelt haben.

Der jetzt erzielte Vergleich lag schon damals in der Luft. Wobei der Telekom, der Bundesregierung und der Staatsbank KfW eher eine moralische Schuld zukommt. Den privaten Anlegern wurde gewissermaßen mit staatlichem Siegel suggeriert, dass sie gefahrlos in das Magenta-Papier investieren können, und dass sie ihr Erspartes ganz bestimmt und mühelos vervielfachen werden. Das war mehr als nur grob fahrlässig. Genau in diesem Sinne ist das nun ausgehandelte Vergleichsangebot zu verstehen. Es ist richtig, dass die Anleger entschädigt werden. Das hat auch die Telekom inzwischen eingesehen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen