Telefónica-Chef Haas: Netze sind das “Trampolin der Digitalisierung”

  • Für Telefónica-Chef Markus Haas hat die Corona-Krise einige positive Erkenntnisse gebracht. Vor allem, dass flexibles Arbeiten im Homeoffice möglich ist.
  • Zugleich habe sich gezeigt, dass die Netze der Telekommunikationskonzerne das “Trampolin für die Digitalisierung” von Deutschland seien.
  • Um dies zu forcieren, fordert Haas, künftig auf die aufwendige Versteigerung von teuren Mobilfunkfrequenzen zu verzichten.
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Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas macht sich für eine Neuausrichtung der hiesigen Telekommunikationspolitik stark. “Es sollte in Zukunft keine Versteigerungen von Mobilfunkfrequenzen mehr geben“, sagte Haas dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Dadurch sind der Branche in den vergangenen Jahren viele Milliarden Euro entzogen worden, die sinnvoller in den Ausbau der Netze hätten investiert werden können – rund 65 Milliarden Euro in den vergangenen 20 Jahren”, fügte er hinzu. Andere Vergabeverfahren seien sinnvoller.

Mobilfunklizenzen sollen nicht mehr versteigert werden

Bei der jüngsten Frequenzenauktion im vorigen Jahr kamen 6,55 Milliarden Euro zusammen, die die vier Netzbetreiber Telefónica, Deutsche Telekom, Vodafone und Drillisch zahlen müssen. Das Geld fließt in den Bundeshaushalt. Haas fordert, dass die in den Jahren 2023/2024 anstehende Verlängerung von Lizenzen für Mobilfunkfrequenzen “so schnell wie möglich ohne eine Versteigerung durch einen einfachen Verwaltungsakt” umgesetzt wird. Dies werde Planungssicherheit auch für aktuell anstehende Ausbauinvestitionen schaffen.

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Der Telefónica-Manager regt außerdem an, für die sogenannten weißen Flecken bei der Breitbandversorgung auch ein staatliches Förderprogramm für den Mobilfunk auf den Weg zu bringen. Bislang war die Förderung stark auf das Festnetz bezogen. Bei den weißen Flecken handelt es sich um dünn besiedelte Regionen, wo ein Ausbau der Netze ohne finanzielle Unterstützung für Telekomfirmen nicht rentabel ist. Bei den anstehenden Projekten mit der neuen superschnellen 5G-Technik werde auch Know-how künftig wieder stärker in Deutschland angesiedelt: “Etwa Edge-Computing: Rechenzentren werden näher an die 5G-Sendestandorte gebracht. Dadurch erhöhen wir die Performance des Netzes.”

Markus Haas ist seit Januar 2017 Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland. Zuvor führte er seit 2014 das operative Geschäft des Unternehmens. Telefónica Deutschland verfügt über 42 Millionen Mobilfunkkunden. Das Unternehmen ist an der Börse gelistet. Die spanische Muttergesellschaft hält knapp 70 Prozent der Anteile. Unter der Kernmarke O2 sowie diversen Zweit- und Partnermarken, wie Blau, Ay Yildiz, Ortel Mobile, Aldi-Talk oder Tchibo mobil, vertreibt Telefónica Deutschland sowohl auf Vertragsbasis (Postpaid) als auch im Prepaid-Segment Mobilfunkprodukte. © Quelle: Telefónica Deutschland
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Huawai-Technologie noch für Netzausbau im Rennen

Kontrovers wird diskutiert, inwieweit dabei Komponenten des chinesischen Technologiekonzerns Huawei eingesetzt werden sollen. Das Unternehmen wird unter anderem von der US-Regierung verdächtigt, für chinesische Geheimdienste zu spionieren. Die Bundesregierung hat noch nicht über ein mögliches Verbot von Huawei-Technik entschieden. Nach den Worten von Haas hat sich sein Unternehmen dafür entschieden, für die neuen Netze die Hälfte der Komponenten in Europa und die andere Hälfte global zu beschaffen.

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“Grundsätzlich setzen wir uns natürlich sehr gewissenhaft mit der Frage auseinander, was wir im besonders sicherheitsrelevanten Teil unserer Infrastruktur machen – also in unserem Kernnetz”, sagte der Manager dem RND. Er fügt hinzu: “Hier werden wir sicher zeitnah eine Entscheidung für den weiteren Ausbau treffen. Ich hoffe, dass wir von der Regierung spätestens im Herbst auch insgesamt einen Rahmen gesetzt bekommen, wie wir grundsätzlich mit unseren Lieferanten weiterplanen können.”


Dienstreisen werden in Zukunft wahrscheinlich überflüssig

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Die Corona-Krise hat für Haas gezeigt, dass flexible Arbeitswelten mit Homeoffice und Videokonferenzen funktionieren. “Dienstreisen wird es zwar wieder geben. Unternehmen und Beschäftigte werden sich aber sehr genau überlegen, ob es sich lohnt, für ein Meeting von zwei Stunden von München nach Berlin und zurück zu fliegen”, so der Deutschland-Chef von Teléfonica, dessen wichtigste Marke O2 ist.

Haas hält indes die umstrittene Entwicklung einer Corona-App für sinnvoll: “Denn trotz der Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie weiß niemand, wie sich Corona weiterentwickelt. Wenn ich über die App sehr zielgerichtet Infektionsketten verfolgen und damit die Ausbreitung eindämmen kann, dann bringt das für alle einen großen Nutzen. Deshalb sollten wir uns die Zeit nehmen, um eine gute App zu entwickeln.”

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