Teamviewer feiert größten deutschen Tech-Börsengang seit 20 Jahren

  • Das Softwareunternehmen Teamviewer hat am Mittwoch seinen Börsenstart hingelegt.
  • Es ist das größte deutsche Technologie-Debüt auf dem Parkett seit dem Dot-Com-Boom.
  • Die Wachstumsaussichten für das Unternehmen sind gut.
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Frankfurt/Göppingen. Mittwochvormittag in Frankfurt: Das Softwareunternehmen Teamviewer ist seit Handelsstart an der Börse - und erstmal geht es abwärts. Kurzzeitig kosten die Aktien weniger als 25 Euro, der Angebotspreis sollte eigentlich 26,25 Euro betragen. Und trotzdem ist es der größte Börsengang eines deutschen Technologie Unternehmens, seit Siemens im Jahr 2000 Infineon an die Börse gebracht. „Ich bin sehr zufrieden mit dem ganzen Prozess“, hieß es dann auch wenig später von Finanzchef Stefan Gaiser angesichts von der eingenommenen 2,2 Milliarden Euro.

Dabei hat das Unternehmen bei seiner Gründung 2005 gar nicht auf einen Börsengang geschielt. Viel mehr ging es um Eigennutz. Um sich mittels Ferndiagnose von Computer zu Computer die oft langen Wege zu Kunden seiner Softwarefirma zu ersparen, hatte Tilo Rossmanith damals die Software Teamviewer entwickelt. Aus dem gleichnamigen Unternehmen ist Rossmanith längst ausgestiegen - möglicherweise zu früh. Denn inzwischen beschäftigt Teamviewer rund 800 Mitarbeiter in Europa, den USA und Asien und ist mehr als fünf Milliarden Euro wert.

Von den Einnahmen des Börsengang profitiert das Unternehmen selbst allerdings kaum. Der gesamte Emissionserlös geht an Permira. Der Finanzinvestor hatte Teamviewer 2014 für 870 Millionen Euro gekauft und hält künftig noch gut 60 Prozent der Anteile. Gaiser stört das nicht. „Wir brauchen ja kein zusätzliches Geld für unser Wachstum."

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Gute Wachstumsaussichten

Und die Aussichten gut. Für dieses Jahr erhofft sich Teamviewer Wachstumsraten von bis zu 39 Prozent bei den in Rechnung gestellten Umsätzen und war zuletzt äußerst profitabel. Das Unternehmen bietet nicht nur die Software zur Fernwartung, sondern auch Programme für Videokonferenzen. "Wir rechnen nach dem Börsengang mit mehr Aufmerksamkeit, vor allem im Großkundenbereich" sagte Gaiser. Die Konjunkturabkühlung fürchtet die Firma nicht. Denn ihre Programme werden von Firmen gerade in Zeiten des Abschwungs gerne genutzt, um Reisekosten zu sparen.

Den Bullen streicheln: Der Vorstandsvorsitzende Oliver Steil (l) und Stefan Gaiser, Finanzvorstand Teamviewer. © Quelle: Andreas Arnold/dpa

Ein Teil des Erfolgsrezeptes: Teamviewer bietet seine Programme bereits im Abo-Modell an - eine Umstellung, die andere Softwareunternehmen noch vor sich haben. Derzeit haben die Göppinger rund 368 000 Abonnenten - mehr als doppelt so viele wie Ende Juni 2018. Die Software, die in der Basisversion für Privatkunden kostenlos ist und bleiben soll, wurde schon zwei Milliarden Mal installiert. Mehr als 360 000 Abonnenten zahlen für das Programm laut Börsenprospekt.

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Ein Einhorn aus Göppingen

Mit großem Interesse wird der Börsengang von Teamviewer in Göppingen verfolgt - bekannt unter anderem als Sitz des Modellbahnproduzenten Märklin, des nach eigenen Angaben weltweit führenden Pressenherstellers Schuler und als Geburtsstadt von Fußballidol Jürgen Klinsmann. Angesichts des beeindruckenden Wachstums von Teamviewer war man sich in der Stauferstadt einig: So eine moderne Firma sollte in dem Industriestandort, der sich im 19. Jahrhundert mit dem Bau der württembergischen Eisenbahn am Rande der Schwäbischen Alb entwickelt hatte, unbedingt gehalten werden.

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"Wir haben alles darangesetzt, dass Teamviewer in Göppingen bleibt", sagt Oberbürgermeister Guido Till (CDU). "Da stand Stuttgart als Konkurrenz an", berichtet der 64-Jährige. Teamviewer suchte dringend einen modernen und ausreichend großen Hauptsitz für allein dort mittlerweile 400 Mitarbeiter aus rund 50 Nationen.

Teamviewer bleibt im Ort

"Daraufhin hat der Gemeinderat unseren Vorschlag angenommen, dass wir unser eigenes im Bau befindliches Verwaltungszentrum unweit des Bahnhofs dauerhaft für Teamviewer zur Verfügung stellen", sagt der Oberbürgermeister. Abgewickelt wurde der Verkauf über die örtliche Sparkasse.

"Für uns ging es dabei auch darum, wie Göppingen sich als Wirtschaftsstandort in Zukunft behaupten kann", sagt Till. Er verweist auf den globalen Trend, dass große Exportfirmen Teile ihrer Produktion in ihre Absatzmärkte in Asien und Amerika verlagern. Davor sei auch Göppingen in den kommenden Jahren kaum gefeit. "Wir begrüßen deshalb auch den Börsengang von Teamviewer, denn wir meinen, dass Streubesitz auch gut für die Standortsicherheit ist."

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RND/dpa