Für 10 Millionen Beschäftigte: Gehälter werden 2020 neu ausgehandelt

  • Im Jahr 2020 nimmt das Tarifgeschehen schnell Fahrt auf.
  • Bereits im Frühjahr wird in der Metall- und Elektroindustrie verhandelt.
  • In einem fragilen Zustand bewegt sich weiterhin die Lufthansa.
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Frankfurt/Berlin. Im Jahr 2020 werden die Gehälter und Arbeitsbedingungen für rund 10 Millionen Beschäftigte in Deutschland neu ausgehandelt. Nach Erhebungen der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sind das deutlich mehr als im Jahr zuvor mit 7,3 Millionen Beschäftigten. Schwergewichte sind die Metall- und Elektroindustrie, das Bauhauptgewerbe sowie in der zweiten Jahreshälfte der Öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden.

Gerade die Metallrunde mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten und den deutschen Kernindustrien Maschinenbau und Auto birgt in dieser Runde viel Konfliktpotenzial. Nach ersten Verhandlungen im März sind bereits im Mai die ersten Warnstreiks zu erwarten.

Dabei dürfte die IG Metall erneut ihre für die Betriebe schmerzhaften 24-Stunden-Ausstände auspacken, die ohne vorherige Urabstimmung möglich und mit vollem Streikgeldanspruch für die Teilnehmer verbunden sind. Nach Untersuchungen des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft Köln (IW) steigt die Zahl der bundesweiten Streiktage jeweils in den Jahren deutlich, in denen für die große Metall- und Elektrobranche verhandelt wird.

Forderung nach Fortbildung für Beschäftigte

Rückläufige Produktionszahlen, Stellenabbau und Kurzarbeit bei Herstellern sowie Zulieferern haben die Metaller aber sensibilisiert. Die Beschäftigten sind mehr an sicheren Arbeitsplätzen als an weiteren Arbeitszeitverkürzungen interessiert.

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Gewerkschaftschef Jörg Hofmann setzt gegen wirtschaftliche Schwankungen insbesondere auf das Instrument der Kurzarbeit, das eng mit tariflichen Zulagen verzahnt werden soll. Die gewonnene Zeit müsse intensiv für die Fortbildung der Beschäftigten genutzt werden, mahnt er. Eine genaue Forderung will die IG Metall erst im Laufe des ersten Quartals 2020 festzurren.

Nominallöhne wachsen schneller als die Verbraucherpreise

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Die schwächelnde Konjunktur und die stagnierende Arbeitslosigkeit haben bereits 2019 zu niedrigeren Neuabschlüssen geführt. Sie fielen laut WSI mit durchschnittlich 2,5 Prozent spürbar niedriger aus als zuvor. Aus den Jahren zuvor gab es noch Erhöhungen um 3,3 Prozent.

Laut Statistischem Bundesamt wachsen die Nominallöhne seit 2013 kontinuierlich schneller als die Verbraucherpreise, die Beschäftigten können also theoretisch mehr Waren und Dienstleistungen konsumieren. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten für 2020 meist Tarifsteigerungen von unter 3 Prozent.

Fragiler Zustand bei der Lufthansa

Trotz sinkender Tarifbindung wird immer noch die Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse von den Abkommen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern beeinflusst. Dem IAB-Betriebspanel 2017 zufolge arbeiten 54 Prozent in Betrieben, die an Flächen- oder Haustarife gebunden sind. Bei knapp der Hälfte der übrigen Beschäftigten orientiert sich das Unternehmen an bestehenden Tarifverträgen, so dass unter dem Strich mindestens drei von vier Beschäftigten in Deutschland nach Tarif oder nahe dran bezahlt werden.

In einem fragilen Zustand bewegt sich weiterhin die Lufthansa. Während bei den Piloten noch bis zum Jahr 2022 Frieden herrscht, ist das Verhältnis zur Kabinengewerkschaft Ufo stark belastet. Beide Parteien haben 2019 ein Jahr mit zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen hinter sich gebracht, weil das Unternehmen die Tariffähigkeit der intern zerstrittenen Gewerkschaft anzweifelte.

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Mit einem zweitägigen Streik und rund 1500 Flugausfällen im November hat Ufo zumindest nachgewiesen, dass sie noch Unterstützer in den Reihen der Flugbegleiter hat. Nun versuchen die beiden Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise ihr Glück. Angespannt ist die Lage auch bei der zum Verkauf stehenden Catering-Tochter LSG Sky Chefs Europa, wo Verdi noch möglichst viel Absicherung für die rund 7100 Beschäftigten rausholen will.

RND/dpa

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