Tarifabschluss: Jetzt können auch Chemie-Beschäftigte weniger arbeiten

  • In der Chemie- und Pharmabranche haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt.
  • Der bringt den Beschäftigten zwar kein großes Entgeltplus, dafür aber die Möglichkeit, mehr freie Tage pro Jahr zu haben.
  • Außerdem gibt es in der Branche nun die bundesweit erste tarifliche Regelung für eine Pflegezusatzversicherung.
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Wiesbaden. Rund 580.000 Beschäftigte in der deutschen Chemie- und Pharmabranche bekommen mehr Geld - und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC einigten sich bei ihren Tarifgesprächen am Freitag auf ein Lohnplus von 1,5 Prozent ab Juli 2020. Ab Juli 2021 sollen die Bezüge um weitere 1,3 Prozent steigen, wie beide Seiten in Wiesbaden mitteilten.

Vor allem einigten sich die Tarifparteien aber ein sogenanntes Zukunftskonto, dass Arbeitnehmern künftig die Wahl zwischen zusätzlichen freien Tagen oder mehr Geld lässt. Insgesamt geht es dabei um fünf Tage pro Jahr, über die Beschäftigten frei entscheiden können. An den Tagen, die sie mit der Unternehmensführung abstimmen müssen, können die Chemie-Arbeitnehmer künftig entweder bezahlt frei nehmen oder arbeiten - um sich so ein zusätzliches Entgelt zu verdienen. Auch können freie Tage auf dem Zukunftskonto gespart werden, um etwa ein Sabbatical oder einen früheren Ruhestand zu ermöglichen. Aufs Jahr gerechnet kommt die Regelung etwa einer Entgeltsteigerung in Höhe von 1,9 Prozent gleich.

Die IG BCE setzte sich auch mit einer vom Arbeitgeber finanzierten Pflegezusatzversicherung durch, die laut der Gewerkschaft ab Juli 2021 greift. Die Laufzeit variiere je nach Region und gehe bis zu 29 Monate. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) betonte, das Abkommen gebe Betrieben Planungssicherheit. Er sprach von der längsten Laufzeit seit 1987 und verwies auf Leermonate für 2019.

Mit der IG BCE hat nach der IG Metall mittlerweile die zweite große Gewerkschaft Arbeitszeitregelungen erstritten, die gleichzeitig mehr Flexibilität und eine defacto Arbeitszeitverkürzung mit sich bringen. Umfragen unter Gewerkschaftsmitgliedern deuten darauf hin, dass sich diese Entwicklung fortsetzen dürfte.

Mit dpa