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Wie war’s denn jetzt?

Jetzt ist Schluss: Tankrabatt und 9‑Euro-Ticket laufen aus

Zwei Fahrgäste kaufen am Berliner Bahnhof Ostkreuz an Automaten Fahrscheine. Drei Monate lang galten in Deutschland Entlastungsmaßnahmen gegen hohe Energiepreise, nun laufen sie aus.

Zwei Fahrgäste kaufen am Berliner Bahnhof Ostkreuz an Automaten Fahrscheine. Drei Monate lang galten in Deutschland Entlastungsmaßnahmen gegen hohe Energiepreise, nun laufen sie aus.

Nach drei Monaten ist Schluss: Tankrabatt und 9‑Euro-Ticket laufen aus. Autofahrerinnen und Autofahrer konnten bereits in den vergangenen Tagen beobachten, wie die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe kletterten. Ab dem 1. September endet die temporäre Senkung auf die Energiesteuer. Auch das 9‑Euro-Ticket ist Geschichte: Wer mit Bus und Bahn fährt, muss wieder tiefer in die Tasche greifen.

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Der ADAC zieht eine weitgehend positive Bilanz des 9‑Euro-Tickets. Es habe viele Menschen – auch Autofahrerinnen und Autofahrer – wieder in den ÖPNV gebracht, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Das ist nach den Zurückhaltungen im Zuge der Corona-Pandemie ein großer Erfolg“, so Hillebrand. Viele hätten dabei positive Erfahrungen gesammelt und wollten den ÖPNV weiterhin mehr als vorher nutzen, außerdem habe es zur sozialen Teilhabe beigetragen.

Wichtiger als die reine Preisdiskussion sei bei einer Nachfolge allerdings die Verbesserung des Angebots, besonders im ländlichen Raum. „Dabei sind ein bundesweit gültiger und einfacher Tarif sowie die Ausweitung der Zugkapazitäten und der Taktung besonders wichtig, um die Attraktivität des ÖPNV für Autofahrer zu erhöhen. Öffentliche Gelder müssen hier vorrangig zum Einsatz kommen. Das ist aus unserer Sicht deutlich wichtiger als die Ticketsubventionierung“, so Hillebrand. Er bezog sich bei der Bilanz auf eine Umfrage des ADAC unter Autofahrerinnen und Autofahrern.

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ADAC gegen Verlängerung des Tankrabatts

Der Tankrabatt habe zwar dazu geführt, dass die Preise gesunken seien, so der ADAC-Verkehrspräsident. Allerdings sei die Steuersenkung insgesamt nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden, kritisierte er. Er sprach sich gegen eine Neuauflage des Tankrabatts aus. Das wäre angesichts der knappen Kraftstoffe und der allgemeinen Erfordernis zum Spritsparen ein „falsches Signal“. Vielmehr müsse es andere Entlastungsschritte geben.

Auf Tour: Ramin Juhnke in der S-Bahn Hannover.

9‑Euro-Ticket-Rekord? Hannoveraner ist ganz Deutschland abgefahren

Er ist drei Monate lang kreuz und quer durch die Republik gefahren, hat alle Landeshauptstädte und sogar alle Nachbarländer besucht: Ramin Juhnke aus Hannover hat das 9‑Euro-Ticket genutzt wie wohl kein Zweiter. Nur noch knapp jede dritte Nacht schlief er zu Hause.

Deutschlands zweitgrößter Automobilclub, der AVD, sieht das anders. Bereits in den vergangenen Wochen hatte er für eine Fortsetzung plädiert – auch am Mittwoch. „Der Tankrabatt hat zu einer spürbaren Entlastung der Menschen geführt. Die vorliegenden Daten zeigen, dass er eine wirksame Maßnahme war, den Kostendruck auf die allermeisten privaten Haushalte abzumildern“, sagte Generalsekretär Lutz Leif Linden dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). 35 Millionen Menschen aus allen sozialen Schichten würden täglich ihr Auto nutzen. „Mobilität muss für alle weiter bezahlbar bleiben“, sagte Linden. Der AVD fordere deshalb die Bundesregierung auf, „schnellstmöglich die Fortführung des Tankrabatts zu beschließen“.

BUND fordert Nachfolgeregelung für 9‑Euro-Ticket

Dass der Tankrabatt fortgeführt wird, steht derzeit allerdings nicht zur Diskussion. Anders sieht es beim 9‑Euro-Ticket aus. Bereits in den vergangenen Wochen sprachen sich Umwelt- und Verbraucherschützer für eine Verlängerung aus. Der BUND erneuerte gegenüber dem RND seine Forderung: Das 9‑Euro-Ticket habe Pendlerinnen und Pendler im ÖPNV finanziell entlastet und die Mobilität gerade für Menschen mit wenig Geld „deutlich verbessert“, sagte Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND.

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Letzter Tag für Tankrabatt und 9‑Euro-Ticket

Mobilität wird für viele wieder deutlich teurer, denn zum 1. September laufen sowohl das 9‑Euro-Ticket für Bus und Bahn als auch der sogenannte Tankrabatt aus.

„Jetzt muss das Ziel der Bundesregierung sein, mit mehr Bus- und Bahnlinien, engeren Takten und einem Nachfolgeangebot zum 9‑Euro-Ticket den aktuellen Schwung zu nutzen“, so Hilgenberg. „Herr Wissing ist in der Verantwortung, jetzt sicherzustellen, dass eine schnelle Nachfolgeregelung wie ein 365‑Euro-Ticket und ein gleichzeitiger massiver Ausbau im ÖPNV durch Bundesmittel mitfinanziert werden.“

Finanzminister Lindner: „Jetzt sind die Länder dran“

Neuen Wind bekam die Debatte noch am Mittwoch. Aus Schloss Meseberg, wo derzeit das Ampelkabinett tagt, twitterte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), dass sein Parteikollege, Verkehrsminister Volker Wissing, ihn überzeugt habe: Mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9‑Euro-Tickets könne ein „bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket“ realisiert werden, so Lindner. „Jetzt sind die Länder dran. Wenn die Finanzierungsfrage klar ist, kann der Preis festgelegt werden.“

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Das sorgte in der Opposition direkt für Kritik: „Weiter alles offen: Auch in Meseberg liefert die Bundesregierung keine Antwort, wie es mit der Finanzierung des ÖPNV beziehungsweise der Nachfolge des 9‑Euro-Tickets weitergeht“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Union, Thomas Bareiß, dem RND. „Die Klärung der Finanzierung soll stattdessen auf die Länder abgewälzt werden“, kritisierte er. Die bisher für das 9‑Euro-Ticket von der Ampel „rausgeworfenen“ 2,5 Milliarden Euro würden nun beim dringend notwendigen Ausbau des ÖPNV-Angebots fehlen.

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Union: Attraktive Alternative zum Auto schaffen

Ziel müsse ein bundesweites und anwenderfreundliches Ticket sein – und für Pendlerinnen und Pendler ein „preislich attraktives Dauerticket“ als Alternative zum Auto. Schlüssel zu einem attraktiveren ÖPNV seien demnach eine „höhere Taktung, Sicherheit bei Anschlussverbindungen, Pünktlichkeit und generell der weitere Ausbau vor allen in ländlichen Regionen“, so der CDU-Politiker. „Damit verbunden braucht es jetzt eine zukunftsfeste Neustrukturierung der ÖPNV-Finanzierung, die auf die neuen Herausforderungen und Preissteigerungen eingeht. Es darf in den kommenden Monaten nicht noch zu einer Verschlechterung des Angebots kommen.“

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