Höhere Tamponpreise – alles halb so wild?

  • Kaum ist die Mehrwertsteuer für Tampons und Co. reduziert, erhöhen die Hersteller offenbar die Preise.
  • In den sozialen Medien wird darüber heiß diskutiert – schließlich hatten Feministinnen lange für den Steuerrabatt gekämpft.
  • Wirklich überraschend sei diese Entwicklung aber nicht, meint unser Autor Christoph Höland.
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Es war ein Lichtblick, der nur kurz währte: Im Dezember beschloss die Bundesregierung, die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte zu reduzieren. Prompt preschte der Handel vor, senkte schon vor Inkrafttreten des Gesetzes die Preise – zur Freude zahlloser Frauen, die zuvor jahrelang an die Politik appelliert hatten, die steuerliche Benachteiligung von Tampons gegenüber Trüffeln zu beenden.

Mittlerweile fällt beim Kauf von Menstruationsprodukten so viel Mehrwertsteuer wie bei anderen Dingen des täglichen Bedarfs an. Das ist so gerecht wie überfällig, denn es ermöglicht, bei Produkten zu sparen, die im Alltag quasi unverzichtbar sind – was allerdings der Knackpunkt ist.

Denn dass dementsprechend die Nachfrage nach Menstruationsprodukten unabhängig vom Preis groß ist, wissen auch die Hersteller. Und versuchen nun offenbar, dem Handel höhere Preise abzuknöpfen – auf dass dieser entweder geringere Margen in Kauf nimmt (unwahrscheinlich) oder die gerade erst reduzierten Preise wieder anhebt (wahrscheinlich).

So ist das in der Marktwirtschaft

Dafür verdienen die Hersteller zwar Kritik. Doch unter dem Strich gehört es zur Marktwirtschaft, dass auch die Hersteller von Menstruationsprodukten auf einen möglichst großen Gewinn schielen. Auf diese Mechanismen Einfluss zu nehmen, ist wesentlich komplizierter, als den Staat mit Petitionen und Demonstrationen zur Abschaffung diskriminierender Regeln im Steuerrecht zu bewegen.

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: So ärgerlich die höheren Preise sind – die tatsächliche Belastung bleibt gering. Bislang halten sich Hersteller und Handel bedeckt, was die Größenordnung der Preiserhöhungen anbelangt. Doch selbst wenn die Mehrwertsteuersenkung dadurch kompensiert wird, geht es letztendlich nur um wenige Euro pro Jahr.

Jetzt sind auch die Männer gefragt

Und die Belastung können Unternehmen und öffentliche Einrichtungen weiter reduzieren, indem sie etwa kostenlose Tamponspender, wie es in Schottland üblich ist, aufstellen. Ebenso, wie die Herren der Schöpfung einen Beitrag leisten könnten – indem sie gelegentlich für Partnerinnen, Mitbewohnerinnen und Töchter eine Packung Tampons (oder andere Menstruationsprodukte) kaufen.