Werbeverbot trifft auch E-Zigaretten

  • Für den Hoffnungsträger der Tabakbranche wird es eng.
  • Der Bundesrat hat am Freitag den Weg für weitere Werbeverbote frei gemacht, die nicht nur konventionelle Tabakprodukte treffen werden, sondern auch Tabakerhitzer und E-Zigaretten.
  • Union und SPD hatten lange um die Gesetzesänderung gerungen.
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Die E-Zigarette ist die große Hoffnung der Tabakbranche. Sie soll den Schwund beim Hauptprodukt ausgleichen, denn wachsendes Gesundheitsbewusstsein und staatliche Regulierung lassen den Zigarettenabsatz seit Jahren schrumpfen. Doch es wird eng für den Hoffnungsträger: Der Bundesrat hat am Freitag den Weg für weitere Werbeverbote frei gemacht, die nicht nur konventionelle Tabakprodukte treffen werden, sondern auch Tabakerhitzer und E-Zigaretten.

Der Unterschied zwischen beiden: Im einen Fall wird Tabak erhitzt, aber im Gegensatz zur normalen Zigarette nicht verbrannt. Philip Morris geht mit seiner Marke Iqos diesen Weg. In den anderen Geräten werden – meist aromatisierte und nikotinhaltige – Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, verdampft. Gemeinsam haben beide, dass sie geringere Gesundheitsgefahren versprechen als normale Zigaretten. Philip Morris bewirbt Iqos mit viel Aufwand als Ausstiegsprodukt: Fast drei Viertel der Kunden hätten dank der Neuheit der Zigarette abgeschworen, sagt eine Unternehmenssprecherin. “E-Zigaretten und Tabakerhitzer bieten dem erwachsenen Raucher eine schadstoffreduzierte Alternative zur konventionellen Zigarette.”

Schadstoffbelastung bei E-Zigarette deutlich geringer

Doch Wissenschaftler streiten, was dieses Versprechen wert ist. Zwar ist die Schadstoffbelastung deutlich geringer, aber welche gesundheitlichen Folgen sie langfristig trotzdem haben kann, ist nicht geklärt. Zudem bietet die Branche selbst Angriffsfläche: Liquidaromen wie “ein leckerer Zitronenkuchen” oder “süßer Marmeladentoast eiskalt” sprächen besonders Jugendliche an, meinen Kritiker. Auch das Marketing sei oft auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Schlagzeilen machten außerdem Todesfälle in den USA, die auf offenbar gepanschte Liquids zurückgehen. In Deutschland verweist die Branche auf hohe Qualitätsstandards, aber der Ruf hat dennoch gelitten.

So brachte die Lobbykampagne gegen schärfere Gesetze nur bescheidenen Erfolg: Die E-Zigaretten bekommen etwas Aufschub. Das am Freitag vom Bundesrat verabschiedete Gesetz sieht ein Verbot der Plakatwerbung ab 2022 für herkömmliche Tabakprodukte vor, ab 2023 für Tabakerhitzer und 2024 für E-Zigaretten. Bereits ab 1. Januar 2021 soll Werbung fürs Rauchen aus den Kinos verbannt werden, wenn der Film für unter 18-Jährige freigegeben ist. Gratisproben dürfen dann nur noch in Fachgeschäften verteilt werden, als Gewinn bei Preisausschreiben kommen sie auch nicht mehr infrage.

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Union und SPD hatten lange um die Gesetzesänderung gerungen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt begrüßte die geplanten Verbote, fordert aber weitere Verschärfungen unter anderem bei den E-Zigaretten. Es sei “nicht absehbar, welche gesundheitlichen Langzeitschäden mit ihnen verbunden sind”, sagte Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur.

Werbeverbot: Für die Tabakbranche geht es um viel

Bei Philip Morris liest man aus dem Gesetz einen Etappensieg heraus. Die spätere Einführung bei E-Zigaretten sei “ein vorsichtiger erster Schritt im Sinne einer risikobasierten Regulierung von Tabakprodukten”. Erstmals werde ein Unterschied “anhand des unterschiedlichen Risikos” gemacht. Am Ergebnis ändere das aber nichts: “Am Ende wird aber für jedes Produkt Außenwerbung verboten sein”, erklärt die Sprecherin. Damit werde der Umstieg auf “schadstoffreduzierte Alternativen zur Zigarette” nur gebremst.

Für die Branche geht es um viel. Philip Morris International hat praktisch seine gesamte Strategie auf die Eigenentwicklung Iqos ausgerichtet und stellt sich – trotz weiterhin massenhafter Zigarettenproduktion – als Kämpfer gegen das Rauchen dar. Der Anteil am weltweiten Konzernumsatz habe im ersten Halbjahr schon 23 Prozent ausgemacht. Große Konkurrenten wie BAT und Imperial Brands mit der deutschen Tochter Reemtsma setzen auf E-Zigaretten und haben mit hohem Aufwand neue Marken wie Blu und Vype etabliert. Das Werbeverbot dürfte nicht ihr letztes Problem sein: Im Finanzausschuss des Bundestages wurde vor einigen Tagen die Ausweitung der Tabaksteuer auf E-Zigaretten und Liquids diskutiert – auch, wenn sie keinen Tabak enthalten.

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