Samsung-Familie zahlt fast 9 Milliarden Euro Erbschaftssteuer – und will großzügig spenden

  • Im deutschen Finanzministerium blickt man gerade womöglich neidvoll nach Südkorea.
  • Denn dort bekommt der Staat von den Erben des Samsung-Konzerns fast 9 Milliarden Euro Erbschaftssteuer.
  • Nach dem Tod des Firmenchefs geht damit fast die Hälfte seines Vermögens an den Fiskus.
Anzeige
Anzeige

Dem Fiskus in Südkorea steht ein regelrechter Geldregen bevor: Die Familie des verstorbenen Ex-Chefs des Samsung-Konzerns und reichsten Mannes Südkoreas Lee Kun Hee hat die Zahlung einer Erbschaftssteuer von mehr als 12 Billionen Won (8,9 Milliarden Euro) angekündigt. Auch beim deutschen Finanzminister dürfte die Zahlung Neid wecken – ist sie doch höher als das, was die Bundesrepublik 2020 aus dieser Steuer insgesamt eingenommen hat.

Allerdings dürfte die Steuerzahlung auch in Südkorea eine der höchsten aller Zeiten sein. „Sie entspricht dem Drei- bis Vierfachen der Gesamteinnahmen der Regierung durch Nachlasssteuern im vergangenen Jahr“, teilte die Familie von Lee Kun Hee am Mittwoch mit. Gezahlt wird demnach in sechs Raten in einem Zeitraum von fünf Jahren. Der Wert des Nachlasses wird auf etwa 25 Billionen Won geschätzt – dazu gehören auch Anteile an verschiedenen Konzerntöchtern.

Abgesehen davon wollen die Hinterbliebenen eine Billion Won für das Gesundheitswesen einschließlich der Impfmittelforschung sowie mehr als 20.000 Kunstwerke und Antiquitäten aus Lee Kun Hees Sammlung spenden, wie sie außerdem ankündigten. Die Familie machte zunächst keine Angaben dazu, wie die Anteile unter den Erben aufgeteilt oder ob sie zur Begleichung der Steuerschuld verkauft werden sollen.

Anzeige

Mehr als die Hälfte des Gesamtbesitzes

Der Steuerbetrag stellt der Familie zufolge mehr als die Hälfte des Werts des Gesamtbesitzes Lees dar, darunter die Beteiligungen an Samsung Electronics, dem Versicherer Samsung Life und dem Bau- und Handelsunternehmen Samsung C&T sowie Immobilien, hieß es in der Mitteilung der Familie.

Anzeige

Die Veräußerung von Anteilen könnte sich nach Ansicht von Marktanalysten auf die Konzernstruktur auswirken – was in Deutschland fast undenkbar ist: Hier bleiben Firmenvermögen meist von der Erbschaftssteuer verschont, die Folge ist ein im internationalen Vergleich eher niedriges Erbschaftssteueraufkommen. 8,6 Milliarden Euro bekam der Staat im vergangenen Jahr von Hinterbliebenen und anderen Erben.

Allerdings war Lee auch nicht irgendwer, sondern Chef des größten Unternehmenskonglomerats in Südkorea. Er starb im vergangenen Oktober im Alter von 78 Jahren und hinterließ seine Frau, zwei Töchter und einen Sohn. Trotz jahrelanger Bettlägerigkeit war er zuletzt noch Vorsitzender des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics gewesen. Lee Kun Hee war der Sohn von Samsung-Gründer Lee Byung Chull. Er übernahm 1987 den Firmenvorstand und machte Samsung zum weltweit führenden Konzern für Smartphones und zum größten südkoreanischen Konglomerat.

Anzeige

Nachfolger sitzt im Gefängnis

Nach erneuten Schmiergeldermittlungen gegen Samsung sah sich Lee im Jahr 2008 gezwungen, als Konzernchef zurückzutreten. Sein Sohn Lee Jae Yong gilt mittlerweile als De-facto-Chef des Imperiums. Er sitzt jedoch seit seiner Verurteilung im Januar dieses Jahres zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Korruption im Gefängnis.

Mit den geplanten Spenden, die keiner Steuer unterliegen, will die Familie unter anderem eine Spezialklinik für Infektionskrankheiten erbauen lassen. Mit einer Summe von 300 Milliarden Won (223,3 Millionen Euro) soll über zehn Jahre lang ein Teil der Behandlungskosten für Krebserkrankungen oder seltenen Krankheiten bei Kindern übernommen werden.

Zur Kunstsammlung Lees gehören den Angaben zufolge 23.000 Antiquitäten, Malereien westlicher Künstler wie Pablo Picasso und Marc Chagall sowie Werke koreanischer Künstler. Sämtliche Werke sollen dem Nationalmuseum für Moderne und Zeitgenössische Kunst übergeben werden.

RND/dpa/hö

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen