Sturmtief „Sabine“: Bahn wird für Prävention gelobt

  • Das Sturmtief „Sabine“ hat seit Sonntagabend Deutschland im Griff.
  • „Sabine“ ist laut dem Deutschen Wetterdienst nur ein gewöhnlicher Winterorkan, wie er circa alle zwei Jahre vorkommt.
  • Dennoch ist dieses Mal vieles anders – so hat die Deutsche Bahn frühzeitig die Kunden auf die Lage aufmerksam gemacht.
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Während in der Vergangenheit die Öffentlichkeit bei angesagten Stürmen eher zurückhaltend gewarnt wurde, ist es dieses Mal anders. Die Deutsche Bahn hat frühzeitig die Kunden auf die Lage wegen des Sturmtiefs „Sabine“ aufmerksam gemacht. Hat das Unternehmen übertrieben oder angemessen auf die Lage reagiert?

In den sozialen Netzwerken ist das fast schon traditionelle Bashing gegenüber der Deutschen Bahn nahezu komplett ausgefallen. Verhältnismäßig wenige Menschen regen sich auf, die Bahn wird per Twitter und Facebook vielerorts gelobt.

Lob für die Bahn auf Facebook und Twitter

Man habe mit den aktuellen zeitnahen Maßnahmen aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt, so ein Bahnsprecher gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Kunden finden die Informationspolitik der Deutschen Bahn gut, viele hätten ihre Reise erst gar nicht angetreten. Wer gestrandet sei, konnte dann gestern Abend in den Aufenthaltszügen die Nacht verbringen.

„Die Auslastung der Nachtzüge ist aber überschaubar gewesen“, resümiert ein Bahnsprecher. Laut Deutscher Bahn nutzten mehrere Hundert Reisende in der letzten Nacht die bereitgestellten Aufenthaltszüge. In Hannovers Hauptbahnhof zum Beispiel wurden 110 Reisende gezählt, in München waren es 80. Insgesamt standen 36 Züge an 23 Bahnhöfen bereit.

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Am Montagmorgen sind derweil gegen 10 Uhr die ersten Züge des Fernverkehrs im Norden Deutschlands gestartet. Schrittweise werde der Fernverkehr auch in anderen Regionen wieder aufgenommen, so die Bahn. In Bayern und Baden-Württemberg ist dagegen bis auf Weiteres aufgrund der Witterungsbedingungen noch kein Fernverkehr möglich.

Für Schadensprognosen ist es noch zu früh

Seitens der Rückversicherungen hielt man sich am Montag noch bedeckt, was die möglichen Schäden angeht. Munich Re, einer der weltweit führenden Rückversicherer, hält sich bisher an die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes, der „Sabine“ als gewöhnlichen Wintersturm einschätzt, der uns in Deutschland etwa alle zwei Jahre heimsucht.

Zudem verweist der Versicherer darauf, dass Winterstürme wie das Orkantief „Sabine“ um diese Jahreszeit nichts Ungewöhnliches seien. Diese haben oft Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke (mehr als 120 km/h), aber nicht das Potenzial wie Wirbelstürme (z. B. Hurrikans), die bis zu 300 km/h in Spitzenböen erreichen können.

Schadensgebiet kann mehr als 1000 Kilometer umfassen

Allerdings, so die Einschätzung von Munich Re weiter, kann das Schadensgebiet von Orkanen in Europa einen Durchmesser von mehr als 1000 Kilometern erreichen, also zum Beispiel eine Ausdehnung vom Norden Großbritanniens bis über die Alpen im Süden und von der Atlantikküste bis nach Osteuropa. Daher kann die Summe aller Einzelschäden ähnlich hoch sein wie bei Hurrikans.

Viele Menschen werden sich noch an den Wintersturm „Lothar“ erinnern, der 1999 zu gesamtwirtschaftlichen Schäden von 15,6 Milliarden Dollar geführt hat, davon waren 8,6 Milliarden Dollar versichert (jeweils in Preisen von heute).

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Das Sturmtief „Eberhard“ im März 2019 beispielsweise verursachte „nur“ Schäden in Höhe von knapp einer Milliarde Euro. „Um einen Vergleich zu ‚Sabine‘ zu ziehen, ist es aber noch zu früh“, so ein Munich-Re-Sprecher gegenüber RND. Bei der Zahl der Winterstürme ist in den vergangenen Jahrzehnten jedoch kein signifikanter Trend festzustellen.

Schäden sofort melden

Auch wenn die Schäden bisher noch nicht beziffert sind, Hausbesitzer sollten auf jeden Fall Schäden durch das Orkantief mit Fotos oder Videos dokumentieren. Es sei wichtig, sie möglichst detailliert festzuhalten und umgehend und wahrheitsgetreu an die Versicherung zu melden, sagte der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern, Sascha Straub.

„Wichtig ist, diese der richtigen Versicherung zu melden“, sagt Straub weiter. Schäden am Haus durch den Sturm könnten durch eine Wohngebäudeversicherung abgedeckt sein, gehe es um Hausrat, komme die Hausratsversicherung in Betracht. Fallen Dachziegel oder Äste auf parkende Autos, ist es dagegen die Kaskoversicherung des Fahrzeugs, und für Schäden durch eventuelle Hochwasser oder Starkregen kann eine Elementarschadenversicherung aufkommen.

casc/RND

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