Studie zeigt: Cyberkriminelle haben in der Corona-Pandemie Hochkonjunktur

  • Eine aktuelle Studie des Allianz-Industrieversicherers AGCS zeigt: Hacker nutzen die aktuelle Corona-Krise zum ihrem Vorteil.
  • Wenn Cyberkriminelle Firmendaten sperren oder ganze Netzwerke lahmlegen, wird es für Betroffene immer teurer.
  • Der Trend könnte sich fortsetzen.
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München. Cyberkriminalität wird für betroffene Unternehmen und die Versicherungsgesellschaften zum wachsenden Problem. Das geht aus einer Studie des Allianz-Industrieversicherers AGCS hervor, die sowohl steigende Schadenssummen als auch eine wachsende Zahl von Fällen attestiert. Sind allein der AGCS, die Policen gegen Cyberangriffe anbietet, 2016 noch überschaubare 77 Fälle gemeldet worden, waren es im Vorjahr schon 809 versicherte Cyberschäden und nach neun Monaten im Corona-Jahr 2020 mit 770 Fällen bereits fast so viele wie im Gesamtjahr 2019. Die zahlenmäßig häufigsten Ursachen sind laut Allianz-Studie Fehler von Mitarbeitern oder technische Probleme, auch wenn sie in der Regel nur geringere Schäden verursachen. 85 Prozent der finanziellen Folgen gingen dagegen auf das Konto von Cybererpressern.

Verlust wichtiger Systeme ist heute der Super-GAU

„Ob durch Lösegeld, menschliches Versagen oder einen technischen Ausfall, der Verlust kritischer Systeme oder Daten kann ein Unternehmen in der heutigen digitalisierten Wirtschaft in die Knie zwingen“, sagt AGCS-Cyberexperte Jörg Ahrens. Könne eine Firma nicht auf Daten zugreifen oder eine Onlineplattform fällt aus, weil die von kriminellen Hackern blockiert werden, drohten große Verluste speziell dann, wenn Unternehmen im Onlinehandel aktiv sind oder digitale Lieferketten haben.

Lösegelder von fünf Milliarden Euro erbeutet

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So hätten bekannt gewordene Lösegelder für die Freigabe kriminell verschlüsselter Daten 2019 global die Summe von fünf Milliarden Euro überschritten. Die Dunkelziffer gilt als groß. Die Gesamtsumme für die Bewältigung dieser Vorgänge, die Umsatzausfälle oder Kosten für Wiederherstellung von Systemen sowie Haftung gegenüber Dritten und Strafzahlungen an Behörden einschließt, habe fast 85 Milliarden Euro erreicht, sagt AGCS. Binnen fünf Jahren seien die Folgekosten erfolgreicher Cyberangriffe um gut zwei Drittel auf im Schnitt 11 Millionen Euro je Fall gestiegen. Basis der AGCS-Studie ist eine Analyse von gut 1.700 Cyberschäden.

Angriffe haben wegen Homeoffice zugenommen

Für Versicherer wie AGCS kostspielig wird das durch Betriebsunterbrechungspolicen. Die zahlen, wenn ein Unternehmen wegen gehackter Systeme nicht mehr arbeiten kann und Umsatz ausfällt. AGCS hat mit Prämien für solche Policen im Vorjahr gut 100 Millionen Euro eingenommen. Insgesamt hat der globale Gesamtmarkt für solche Policen ein Volumen von 6 Milliarden Euro erreicht, sagt der Assekuranzriese Munich Re.

Noch unsicher sind sich die AGCS-Experten, wie sich die Pandemie und der damit einhergehende Homeofficeboom auf Cyberschäden auswirkt. Grundsätzlich erhöhe das die Zahl der Einfallstore in Firmennetze. Homeoffice könne auch ein Multiplikator für Mitarbeiterfehler werden. Erste Schadensfälle, die direkt auf die Pandemie zurückzuführen sind, hat die AGCS bereits beobachtet, will aber noch nicht von einem klaren Trend sprechen. Interpol schätzt, dass die Zahl von Cyberangriffen dieses Jahr um bislang ein Drittel zugenommen hat.

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Highend-Hackingtools mittlerweile breit verfügbar

Was den Allianz-Cyberexperten auch Sorge bereitet, ist die Kommerzialisierung von Erpressersoftware. Denn kriminelle Hacker würden derartige Schadsoftware immer häufiger in den dunklen Ecken des Internet an andere Kriminelle lizenzieren. „So sind Highend-Hackingtools auf breiter Basis verfügbar“, stellt AGCS-Experte Jens Krickhahn fest.

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